Kirwa ohne Kirchweih

Beim Kirwatanz in Speichersdorf lernte sich schon manches Paar kennen und lieben. Die ehemaligen Kirwaleit stellten beim Aufspielen zum 100-jährigen Jubiläum unter Beweis, dass sie durch jahrelanges Training noch nicht aus der Übung sind. Bilder: sib
Lokales
Speichersdorf
25.08.2015
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"Wer san mir? Wir san stärker wie a Stier! Wir san stärker wie a Bam`, weil ma Speichersdorfer san!" Seit 100 Jahren schallt der Ruf der Kirwaleit durch den Ort. Ein Grund für die Burschen und Madla, das groß zu feiern.

Die Christuskirche gibt es seit einem halben Jahrhundert, am 7. November 1954 empfing sie ihre Weihe. Die Kirwa feierte am Wochenende aber schon 100. Jubiläum. Die Speichersdorfer begangen jahrzehntelang ihre Kirchweih ohne Kirche. "Die Kirwa bei uns hat eigentlich nichts mit der Kirchweih zu tun. Es geht mehr um die Gemeinschaft und darum, das Brauchtum zu erhalten", erklärt der ehemalige Kirwabursch Georg Fichtner. Für den 86-Jährigen gehört die Kirwa am zweiten Oktoberwochenende fest zum Jahresprogramm. Wann die Speichersdorfer erstmals Kirwa feierten, ist nicht festgehalten. Das erste erhaltene Dokument ist ein Bild aus dem Jahr 1915, das die Kirwagesellschaft zeigt. Deshalb feiert die Gesellschaft in diesem Jahr Jubiläum.

Weil das Feiern bei ihnen einen hohen Stellenwert hat, feiern die Speichersdorfer ihr Jubiläum doppelt. Zur Jubiläums-Kirchweih in Oktober, kam am Wochenende ein Kirchweih-Jubiläum. Bei der Rocknacht am Freitag und dem bayerischen Abend am Samstag überstiegen die mehr als 750 Besucher alle Erwartungen der Veranstalter. "Obwohl wir nicht mit so vielen Leuten gerechnet hätten, gab es keine Probleme oder Zwischenfälle", sagt Kirwa- und Festausschuss-Vorsitzender Tobias Krodel.

Aufspielen der Ehemaligen

Auch beim Aufspielen der Ehemaligen am Sonntag kamen Gäste sogar aus Weiden, um sich das Spektakel nicht entgehen zu lassen. Nach dem Einzug der ehemaligen Kirwaburschen und ihren Madln, legten die 18 Paare eine flotte Sohle auf den Asphalt vor dem Feuerwehrhaus. Beim Aufspielen nahmen die "Alten" traditionell die lokalen Ereignisse sowie Klatsch und Tratsch aufs Korn und sorgten für Stimmung bei den Zuschauern. Dabei ging es auch etwas derber zu. So lästerten sie über die viel zu kleine Kläranlage und hatten dafür auch eine Lösung: Die Speichersdorfer sollen sich etwas zurückhalten. Zudem forderten sie neben dem Advents- und Ostermarkt endlich eine Erotikmesse in der Sportarena. In ihren Gstanzeln blickten die Burschen auch auf ihre Zeit als Kirwaboum zurück und regten die Besucher zum Mitsingen und Mitklatschen an.

Dazwischen nahmen die "Weißkittel" immer mal wieder einen Schluck aus ihren geschmückten Masskrügen, damit ihnen "bei dera Hitz die Kehle net verrost'". Auch die Kirwamadla durften sich stärken, obwohl diese erst seit den 70er Jahren "mit rumspielen" dürfen. Das letzte Wort beim Aufspielen hatte einer der ganz Alten: Der 83-jährige Hermann Kreutzer bewies mit seinem improvisierten Gstanzl, dass alter Witz durchaus nicht hinkt.

Georg Fichtner, Hermann Kreutzer und Helmuth Freiberger, mit seinen 87 Jahren das Urgestein der Ehemaligen, ließen es sich nicht nehmen, an allen drei Festtagen vor Ort zu sein und mitzufeiern. "Die machten immer kräftig Party und haben`s noch faustdick hinter den Ohren", sagt Krodel. "Kirwaburschen rosten nicht."

Bürgermeister und Schirmherr Manfred Porsch versprach bei seinem Grußwort, dass er die Erkenntnisse und Anregungen vom Aufspielen mit ins Rathaus nimmt. Er lobte das Engagement der Kirwagesellschaft für die Pflege des Brauchtums und spendierte ihnen zum Dank 50 Liter Freibier. Bei Kaffee und Kuchen, Gegrilltem, Live-Küchla-Backen sowie Süßigkeitenstand und Hüpfburg für die Kleinen, ließen die Speichersdorfer ihr Kirwajubiläum ausklingen. Einige Wochen können sich die Organisatoren nun vom Fest-Stress erholen, bis es im Oktober wieder durch den Ort schallt: "Wer hod Kirwa? Mir ham Kirwa!"
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