Noch Klärungsbedarf

Die Speichersdorfer Kläranlage reicht längst nicht mehr für den Bedarf der Gemeinde. Auf welche neue Technik die Gemeinde nun setzen soll, ist nicht so leicht zu beantworten. Selbst für Experten nicht. Bild: ak
Lokales
Speichersdorf
03.09.2015
17
0

Die Gemeinde Speichersdorf will ihre Kläranlage fit für die Zukunft machen. Aber was ist fit? Schon bei der Frage nach dem richtigen Reinigungsverfahren wird es schwierig

In der ersten Sitzung des Gemeinderats nach der Sommerpause hieß Bürgermeister Manfred Porsch Diplomingenieur Stefan Wolf von der Planungsgruppe Wolf willkommen. Für die Gemeinde hatte die Planungsgruppe eine Studie als Entscheidungshilfe erstellt: aerobe oder anaerobe Schlammbehandlung mittels Belüftung oder Ausfaulung lauten die Alternativen. Auch auf Vorschlag des Wasserwirtschaftsamtes Hof soll die Nutzung des Klärgases bei Anlage mittlerer Kapazität überprüft werden.

Zwei Varianten

Das Planungsbüro untersuchte die Varianten "simultane aerobe Schlammstabilisierung" und "Ausfaulung des Klärschlamms". Letztere beinhaltet die Nutzung des Faulgases durch ein Blockheizkraftwerk, das Faulturm und die Betriebsräume beheizt und Strom liefert. Beide Varianten machen den Schlamm geruchslos und entziehen die Nährstoffe. "Für große Kläranlagen ab 15 000 Einwohnergleichwerten ist die Ausfaulung und Gasgewinnung die effektivste Lösung. Bei der Untersuchung ging es um die Grenze zur Unwirtschaftlichkeit", erklärte Wolf.

Der Kostenvergleich ergab, dass bei einer durchschnittlichen Strompreissteigerung während des Abschreibungszeitraumes von knapp unter vier Prozent die Ausfaulungsvariante mittels anaerober Schlammstabilisierung (Variante II) und Faulgasnutzung den Kostenrahmen der aeroben Variante (Variante I) erreicht. Die Betriebskostenermittlung ergab, dass bei 5500 Einwohnergleichwerten bei der Variante I 140 000 und bei II 130 000 Euro Kosten entstehen. Bei der Variante I entstehen Investitionskosten von rund 3,8 Millionen und bei der Variante II 4,1 Millionen Euro. "Wir liegen bei beiden Anlagevarianten nach dem aktuellen Stand annähernd gleich. Unbekannt sind der künftige Strompreis und die schärfer werdende Gesetzgebung", resümierte Wolf.

Das Kosten-Nutzenverhältnis würde sich zugunsten der Variante II dann ändern, wenn Klärschlamm anderer Gemeinden mit verfault werden könnte und das Gasaufkommen und die Eigennutzung steigen. Mit dem eigenen Klärschlamm können rund 90 000 Kilowattstunden Strom erzeugt werden. Hierzu berichtete der Bürgermeister, dass die Gemeinde Kirchenpingarten bereit wäre, Klärschlamm nach Speichersdorf zu liefern. Die Modalitäten sind offen.

Porsch fasste zusammen, dass nach eigener Kenntnis durch den Freistaat eine 16 000-EW-Anlage in Bad Abbach gefördert und von der Kommune als Pilotanlage gebaut wurde. Er schlug vor, diese zu besichtigen. Zur Finanzierung verdeutlichte er, dass nur die anteiligen Mehrkosten der Kläranlage für den Anschluss weiterer Ortschaften gefördert werden. Die Zuwendungen liegen derzeit bei 400 000 Euro für die gesamte Kläranlagenerweiterung.

Pilotanlage möglich

Zuwendungsfähig ist nicht die Modernisierung. Lediglich die Anerkennung als Pilotprojekt für eine derart kleine Anlage wäre förderfähig. Um die Anlageart besser untersuchen zu können, wurde der Förderzeitraum bis 2017 verlängert. "Das Thema ist es wert, sich umfassend damit zu beschäftigen. Wir möchten die Anlagen in 2016 bis 2017 modernisieren", erklärte das Gemeindeoberhaupt abschließend.
Weitere Beiträge zu den Themen: September 2015 (7742)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.