Ohne zu reden verstanden werden

Der Rebstock ist im christlichen Glauben ein zentrales Symbol. Aber nicht nur deshalb nennt Pfarrer Sven Grillmeier einen Weinstock sein Eigen. Schließlich schmecken auch die Trauben sehr gut. Bilder: ikt (2)
Lokales
Speichersdorf
19.09.2015
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Bis zu seiner Versetzung nach Kirchenlaibach 2009 wusste Sven Grillmeier nur eines über den Ort an der Grenze von Oberpfalz und Oberfranken: Der Kirchturm hat kein Dach. Ein halbes Dutzend Jahre später gefällt es ihm gut und er möchte fast nicht mehr weg.

Der katholische Pfarrer, der am Montag, 21. September, 40. Geburtstag feiert, erzählt, was ihm noch hier gefällt und was er an seiner Heimat in Waldershof vermisst. Grillmeier hat schon fast im ganzen Bistum Regensburg gelebt. Geboren in Marktredwitz und in Waldershof aufgewachsen, studierte er in Regensburg mit einem "Freijahr" in Brixen. Das Jahr in der Südtiroler Stadt wählte er aus zwei Gründen: "Es ist keine andere Sprache, aber trotzdem eine schöne Stadt im Ausland."

2002 kam er schließlich nach Waldsassen und machte ein Praktikum. Die Karriereleiter als Priester kletterte er mit dem Diakonat in Deggendorf weiter nach oben, bis er ab 2004 Kaplan in Neustadt an der Donau war. Drei Jahr später übte er das gleiche Amt in Straubing aus. An Ostern 2009 bekam er einen Anruf vom Domkapitular Dr. Franz Frühmorgen: "Sven, wir brauchen dich in Kirchenlaibach." Viel konnte und durfte Grillmeier nicht dagegen einwenden, also packte er seine Sachen und trat die Nachfolge von Pfarrer Andreas Hörbe an. Seine anfängliche Skepsis, er käme in ein "totales Dorf am Ende der Welt" sei inzwischen total verflogen. Er fühle sich sehr wohl in Kirchenlaibach.

Der Seelsorger mag an dem Ort die Oberpfälzer Mentalität, die sich doch von der niederbayerischen unterscheide. Hier seien den Menschen die Traditionen wichtig, außerdem schweiße die Unterzahl im Vergleich zu den evangelischen Gläubigen die Pfarrei enger zusammen. Ein Sprichwort dazu hat der 39-Jährige auch noch parat: "Der Niederbayer trägt das Messer rechts und den Rosenkranz links, beim Oberpfälzer ist es umgekehrt." Die prozentuale Kirchenbeteiligung sei hier deutlich höher als in Straubing, verrät der Pfarrer. Das freut ihn und er lobt auch den guten Kontakt zu den Gläubigen, Vereinen und auch der Politik in der Gemeinde Speichersdorf.

Die Tauritzmühle zählt zu seinen Lieblingsplätzen - neben der Kirche in und um Kirchenlaibach. Er möchte dies aber nicht unbedingt an Orten, sondern an Veranstaltungen festmachen. Sehr gefallen haben ihm zum Beispiel die Adventsfeier der Senioren in der Sportarena und das Speichersdorfer Bürgerfest. Doch als seine Heimat bezeichnet er Kirchenlaibach nicht, Waldershof werde das für immer bleiben.

Aber natürlich ist er mit seiner ersten Station als Priester sehr verbunden. Wenn er bei seinen Eltern war und wieder in seine Pfarrei fährt, sagt er: "Ich fahr jetzt heim." Grillmeier ist sich trotzdem dessen bewusst, dass er spätestens in zehn Jahren die Gemeinde wieder verlassen muss. Doch diese Vorschrift findet er sinnvoll, denn so bekommen sowohl die Gemeinde als auch der Pfarrer Abwechslung und neue Inspirationen.

Kontaktpflege per Facebook

Heimat ist für ihn der Ort, an dem "ich verstanden werde, obwohl ich den Mund nicht aufmache". Er sieht sich auch eher als Bayer denn als Deutscher, doch vor allem ist er in der Diözese Regensburg zu Hause. Er kann auch nur innerhalb des Bistums versetzt werden, deshalb hat er keine große Angst vor einem drohenden Standortwechsel. Durch seine Umzüge hat Grillmeier viele Kontakte geknüpft, die jetzt gepflegt werden möchten. Dafür nutzt der Pfarrer vor allem Facebook. Und hin und wieder erlebt er freudige Überraschungen: "Vor ein paar Wochen rief mich ein ehemaliger Oberministrant an mit der Bitte, ihn nun in den Hafen der Ehe zu bringen. "Das macht man natürlich gerne, das ist Ehrensache."

Dem lateinischen Satz "Ubi bene, ibi patria" ("Wo es mir gut geht, bin ich zu Hause") stimmt er nicht zu, denn ihm gehe es im Urlaub in Rom oder Irland gut, doch ein Zuhause könne das für ihn nie werden. Auch Missionierungen oder Auslandseinsätze, wie sie einige seiner Kollegen haben, möchte er nicht machen. "Ich war nie ein Global-Player", stellt Sven Grillmeier klar. Zum Schluss verrät er noch, wo er meistens daheim anzutreffen ist. Auf dem Sofa, im Garten und natürlich in der Hauskapelle zählt er auf und lacht dabei - wie so oft.
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