Pointen-Salven mit Überlänge

Lokales
Speichersdorf
24.11.2014
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"Fastnacht in Franken" aus Veitshöchheim machte ihn populär. Inzwischen füllt der selbst ernannte "Dreggsagg" Michl Müller problemlos große Hallen. 1100 Zuschauer wollten ihn in Speichersdorf erleben. Sie bereuten ihr Kommen nicht.

Er spricht. Und spricht. Und spricht. Über drei Stunden lang, ohne Punkt und Komma. An Atmen ist eigentlich nicht zu denken, denn dafür müsste er seinen Redeschwall unterbrechen. Michl Müller hatte in der Sportarena sehr viel zu erzählen. Rund 1100 Besucher waren zum seit fünf Monaten ausverkauften Auftritt des unterfränkischen Plauderers mit seinem Programm "Ausfahrt freihalten" gekommen. Die Bürgerstiftung Lebensfreude verpflichtete den Publikumsmagneten.

Pause statt Endspurt

Bei seinem Auftritt forderte er sich und dem Publikum in gewohnter Weise jede Menge ab: Sitzfleisch, schallendes Lachen, Mitsingen und donnernde Applaus-Salven. Während nach 100 Minuten so mancher Berufskollege die Schlussrunde auf der Bühne einlegt, machte Müller erst einmal Pause - um nochmals knapp eineinhalb Stunden anzuhängen. Über drei Stunden lang hörten und sahen die Besucher das, was einen richtigen "Dreggsagg" ausmacht.

Bei seinem Pointen-Marathon durch Skandale, Schlagzeilen und Ereignisse ließ Müller nichts und niemanden aus - auch Politiker bekamen ihr Fett ab: "Haubitzenröschen" Ursula von der Leyen, Andrea Nahles, die schon den Nerv-Faktor einer Claudia Roth aufweise, und die "menschgewordene Leberknödelsuppe" Sigmar Gabriel. Den "roten Faden" brauchte man in Müllers Programm bekanntlich gar nicht erst suchen, denn es gab schlicht keinen. Dem Publikum war's egal, schließlich ist Michl Müller ja nicht aufgrund seiner Tiefsinnigkeit so populär. Dass mit den Jahren auf der Bühne die Wort-Ausflüge in die Gegend von menschlicher Gürtellinie und Lende zunehmen, ist ein Phänomen in der Szene, das sich auch bei Müller beobachten ließ.

Spielplatz-Besuche

Müllers Ritt durch seine Sicht der Dinge geriet zur Reise unter dem Motto "Vom Hundertsten ins Tausendste" - und das gänzlich ohne Längen. Aufs Korn nahm er St.-Martins-Feiern, die mittlerweile in "Sonne-Mond-und-Sterne-Feiern" umbenannt worden seien und wo der Heilige oftmals von einer übergewichtigen Kindergärtnerin ("St. Martina") auf einem kleinem Pony dargestellt werde. Dann waren da noch die gemeinsamen Spielplatzbesuche von Eltern und Kindern, wo hysterische Mütter ihren Nachwuchs davor warnen, ja keinen Sand in den Mund zu stecken. "Mann, früher haben wir als Kinder ganze Sandkästen leer gefressen", kommentierte Müller. Nicht gerade schmeichelhaft kamen an diesem Abend auch Haus- und Klinikärzte ("Dr. Doornkaat operiert!") oder die Insel La Gomera ("Leben schaut anders aus") weg.

Immer wieder wurde es musikalisch. Es sei, so Müller, definitiv Zeit für Protestlieder - um dann aber nach jeder Darbietung (Gesang live, Musik aus der Dose) festzuhalten: "Im Prinzip war es wieder kein Protestlied." Die Besucher sangen die Refrains begeistert mit. Müller umkreiste auch Themen wie Dildo- und Dessous-Abende, die wirklich wichtigen Attribute von Hotels ("Das kann die größte Milbenburg sein - Hauptsache es hat W-Lan"), religiöse Einstellungen ("Mit ist der Muslim, der betet, lieber als der Islamist, der schießt") oder die Rolle des Ehemanns im Gartencenter beim Einkauf mit der Ehefrau ("Klappe halten, Wagen schieben, Blumenerde schlichten").

Zum Abschied sang Michl Müller ein Medley seiner bekanntesten Hits: "Kloß mit Soß'", "Heringsdösle", "Sechs Kilo zu viel" und "Fleischereifachverkäuferin". (Hintergrund)
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