Sonnenstrom rund um die Uhr

Den Segen spendete Pfarrer Sven Grillmeier dem 3,45 Millionen Euro teuren Solarpark Speichersdorf-Ost. Bei der offiziellen Inbetriebnahme sprach der Speichersdorfer Bürgermeister Manfred Porsch von einem Tag der Freude. Bilder: hia (2)
Lokales
Speichersdorf
22.10.2014
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Das Ziel ist ehrgeizig: 100-prozentige Stromversorgung mit regenerativen Energien. Optimismus prägte die offizielle Inbetriebnahme des Solarparks Speichersdorf-Ost. Nicht zu unrecht angesichts der Erfolgsgeschichte der NEW Neue Energien West eG.

Dreieinhalb Monate nach der EEG-Inbetriebnahme erfolgte nun die offizielle Eröffnung des Solarparks Speichersdorf-Ost durch die NEW Neue Energien West.

Nach einer planerischen und baulichen Meisterleistung war am 30. Juni 2014 der erste Photovoltaikpark der Genossenschaft in Franken in Betrieb gegangen. Das achte Projekt der interkommunalen Genossenschaft mit ihren 17 Städten und Gemeinden des westlichen Landkreises Neustadt/WN, den Stadtwerken Grafenwöhr, dem Kommunalunternehmen Floß und der Bürger-Energiegenossenschaft West eG. Die Kosten dafür: 3,45 Millionen Euro.

Grund genug für die Mitglieder und Beteiligten, symbolisch auf das Projekt anzustoßen. Es hat eine Nennleistung von 3,3 Megawatt Peak. "Wir bleiben unserem Motto treu", sagte Vorstand Helmuth Wächter: "Stromerzeugung in unserer Region für unsere Mitglieder und Kunden in der Region."

Die Wertschöpfung von der Finanzierung bis zur Vergabe der Pflegearbeiten an örtliche Landwirte bleibe regional. "Wir wollen unser Geld in unserem Kreislauf halten und unsere heimische Wirtschaft mit unseren Projekten nachhaltig unterstützen", bekräftigte der Vorstandsvorsitzende. Das Projekt sei zwar das bislang größte, aber noch lange nicht das letzte. Ziel sei 2030 die 100-prozentige Versorgung mit regenerativen Energien. 20 Dach-PV-Anlagen, acht Freilandanlagen mit einem PV-Kraftwerkspark von 16,5 MWp (Megawatt), die bis zu 16,5 Millionen kWh jährlich liefern können, seien am Netz.

Viertgrößte Genossenschaft

Ein nächster Schritt sei die Beteiligung an Windkraft. Die Verhandlungen seien bereits in einem fortgeschrittenen Stadium. In Kürze stehe auch die Mitgliedschaft der Gemeinde Speichersdorf zur Entscheidung an. Laut Wuppertal-Institut sei die NEW eG die viertgrößte Energiegenossenschaft in Deutschland. "Lassen sie uns weiterarbeiten", bat Wächter. Als Segen für den ländlichen Raum wertete Bürgermeister Wolfgang Haberberger (Neustadt am Kulm) die dezentrale Energieversorgung durch den Genossenschaftsgedanken. Vor Ort werde Strom erzeugt, verbraucht, vermarktet und der Gewinn vor Ort ausgeschüttet.

Dabei werde eine Transparenz gepflegt, die man im Energiesektor so nicht kenne. Im Blick auf die Herausforderungen des Technologiewandels verwies er auf die Technikerschule für Elektromobilität an der Bayreuther Berufschule. In zwei Jahren haben sich hier die Schülerzahlen verdreifacht. Hier werde eine Zusammenarbeit angestrebt.

Finanziert werden all diese umweltfreundlichen Energie-Erzeugungsanlagen durch Bürger aus der gesamten Region, sagte Udo Greim, der Vorstand der Bürgergenossenschaft. 1300 Mitglieder mit über 28 200 Anteilen von insgesamt 14,1 Millionen Euro stünden dahinter. Als absolutes Novum, so Greim, könne mit dem neuen Tarif "Regionalstrom Nordoberpfalz" auch Strom bezogen werden. Mit einem monatlichen Grundpreis von 6,95 Euro brutto und einem Preis von 26,89 Euro Cent für die Kilowattstunde sei man absolut wettbewerbsfähig. Von "einem Tag der Freude" sprach der Speichersdorfer Bürgermeister Manfred Porsch. "Wertschöpfung in der Region zu lassen und die Bürgerschaft mit ins Boot zu nehmen, sind Markenzeichen der Genossenschaft." Er zeigte sich überzeugt, dass aus der Gemeinde finanzielle Beteiligungen kommen werden.

Künftig auch Windräder

Als Meilenstein in der fünfjährigen Erfolgsgeschichte im Energieumbau des westlichen Landkreises Neustadt würdigte stellvertretender Landrat Albert Nickl das achte Großprojekt in der Kulmregion. Speichersdorf gehöre unabhängig von Landkreisgrenzen dazu. Nach der Energieerzeugung sei mit der Energielieferung an Bürger ein weiterer entscheidender Schritt gemacht worden. Künftig sollen sich auch Windräder drehen. Der Landkreis stehe dazu und wolle mit den Bürgern Standorte finden.

Ziel müsse die 100-prozentige Rundumversorgung sein. Dabei müsse das Augenmerk auch auf die Speicherung von Strom gelegt werden, "damit die Sonne für die Bürger auch rund um die Uhr scheint".
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