Weiterhin Klärungsbedarf

Gar nicht faul: Fleißig informierten sich die Gemeinderäte an der improvisierten Infotafel über Hintergründe der Anlage. Bild: ak
Lokales
Speichersdorf
03.03.2015
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Energieeinsparung, -effizienz und die Nutzung alternativer Energien: Bei den Planungen zum Umbau der Kläranlage in Speichersdorf scheint die Abwasserreinigung beinahe Nebensache. Beim Ortstermin des Gemeinderats stand die Energie im Mittelpunkt.

Bürgermeister Manfred Porsch hieß beim Ortstermin in der Kläranlage Diplomingenieur Stefan Wolf aus Kemnath willkommen. Porsch erläuterte, dass die 1988 mit 4999 Einwohnergleichwerten in Betrieb genommene Kläranlage überlastet sei und die Reinigungsleistung nicht mehr den Umweltstandards entspreche. Der Bauentwurf aus 2010 sieht eine Erweiterung und Nachrüstung mit Baukosten von rund 2,7 Millionen Euro vor. Gemeindeunfallversicherungsverband und TÜV haben zudem einige Anlagenteile beanstandet, die nicht den aktuellen Unfallverhütungsvorschriften entsprechen.

"Wegen des massiven Anstieges der Energiekosten, Verschärfung bei der Klärschlammentsorgung und umwelttechnischer und gesetzlicher Neuerungen muss der Bauentwurf energetisch überdacht werden", erklärte Porsch. Im Fokus stehe der Klärschlamm, den die Anlage als Energieträger nutzen soll. Dadurch ließe sich auch die Klärschlammrestmenge verringern. Moderne Anlagentechnik solle zusätzlich Energie einsparen. Wolf erläuterte, dass steigende Strom- und Klärschlammentsorgungskosten, günstigere Preise für Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, mögliche bauliche Vereinfachungen und neue gesetzliche Vorgaben die Rahmenbedingungen für die Renovierung der Anlage verändert haben.

Schlamm mit Sparpotenzial

"Wir müssen alle Parameter nochmals untersuchen, die sich auf die Betriebskosten auswirken. Neben der Verfahrensenergie sind dies strengere Gesetze bei der Verwertung und Entsorgung von Klärschlamm, Bodenschutz und Düngemittelverordnung", erklärte Wolf. Auch in Bayern werde es mittelfristig keine landwirtschaftliche Klärschlammentsorgung mehr geben.

Die meiste Energie benötige die Belebungsstufe. Dieser Anlagenteil "fresse" 50 Prozent der gesamten Energie. Die Stufe baue organische Abwasserinhaltsstoffe ab und mache den Klärschlamm geruchslos. Als Alternative zur Belüftung des Schlamms im Belebungsbecken schlug Wolf vor, den Schlamm verfaulen zu lassen. Dabei entstehe ähnlich einer Biogasanlage Methangas, das ein Blockheizkraftwerk in Strom und Wärme umwandeln könne. Dabei verminderten sich die Menge des Restklärschlamms und damit die Entsorgungskosten. Dazu könne das Belebungsbecken verkleinert werden, was Investitionskosten spare.

"Die Frage ist, ob sich die um mindestens 300 000 Euro höheren Investitionskosten durch die Betriebskosteneinsparung von rund 25 000 bis 30 000 Euro pro Jahr amortisieren lassen. Hier ist eine exakte Kalkulation wichtig", erklärte Wolf. Er erläuterte die geplanten Um- und Neubaumaßnahmen an der Anlage. Dazu zählen eine neue Rechen-, Sand- und Fettfanganlage sowie eine neue Kompressorstation. Auf dem Prüfstand steht die Größe des bisher auf 3280 Kubikmeter ausgelegten Belebungsbeckens. Das Nachklärbecken muss mit einem Durchmesser von 20 Metern neu gebaut werden. Größere Umbaumaßnahmen gibt es im Betriebsgebäude. Sanitär- und Aufenthaltsräume, Labor und Werkstatt finden darin Platz. Die bisher darin enthaltenden Luftkompressoren werden künftig in einem separaten Kompressorgebäude und der Sandfang samt Rechen außerhalb untergebracht.

Förderung abklären

Porsch gab zu bedenken, dass die Aufnahme von Klärschlamm aus anderen Anlagen möglich wäre und in die Wirtschaftlichkeitsberechnung einfließen kann. Zudem wird mit dem Wasserwirtschaftsamt geprüft, ob für ein solches Pilotprojekt eine Sonderförderung möglich ist. Während der Umbauphase wird die Anlagenfunktion voll aufrechterhalten. Porsch erläuterte, dass die zusätzlich benötigen Grundstücksflächen bereits erworben wurden.

In der Fragestunde wurden die zusätzlich anstehenden Planungskosten, die Höhe des notwendigen Faulturms im Hinblick auf die Flugplatznähe, die Bauzeit und Aufnahme des Klärschlammes aus anderen Anlagen angesprochen. Der Gemeinderat wird sich wieder mit dem Thema befassen, wenn weitere Informationen vorliegen.
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