Kleine und mittelständische Unternehmen in Speichersdorf haben Probleme
Breitbandausbau: Mittendrin und doch außen vor

Beruflich verbringt Roland Spiersch viel Zeit am Computer - wegen des langsamen Internets aber mehr, als ihm lieb ist. Bild: hia
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Speichersdorf
21.12.2015
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Hier die Lobeshymnen auf den Breitbandausbau, dort die Hilferufe derer, die nicht in den Genuss des schnellen Internets kommen. Roland Spiersch ist einer der Gewerbetreibenden und Privatnutzer, die bislang auf der Strecke geblieben sind.

Speicherdorf. Im Oktober läutete die Gemeinde den Start ins neue digitale Zeitalter ein. Für 1,3 Millionen Euro wurden Kabel verlegt. Die Kommune steuerte 422 929 Euro dazu bei. Doch die Ortsteile Roslas und Brüderes sowie das Speichersdorfer Zentrum zwischen Weidener, Bayreuther und Richard-Wagner-Straße bleiben beim Breitbandausbau bislang außen vor. Hier ansässige mittelständische Unternehmen und Privatleute müssen weiterhin mit sechs bis 16 Megabit pro Sekunde (MBit/s) auskommen.

Sie sind entsprechend verärgert. Denn wenn Roland Spiersch, Inhaber der gleichnamigen Internetagentur, besonders große Datenpakete herunterlädt oder übers Netz verschickt, kann sich das schon mal zwei, drei Tage hinziehen. Spiersch programmiert Internetseiten und benötigt dafür teilweise enorme Datenmengen. Das können schon mal 40 Gigabyte (GByte) und mehr im Upload sein. "Das dauert dann 40 Stunden. Eine Katastrophe. Mit VDSL 50 wäre es in zehn Stunden, praktisch über Nacht, erledigt", weiß der IT-Fachmann. Keine Alternative sei für ihn LTE (Datenübertragung via Mobilfunk), das die Telekom anbietet: "Wenn zu viele Nutzer dranhängen, ist das genauso langsam."

Zudem gebe es bei LTE eine Limitierung. Immer nach 30 Gigabyte werde gedrosselt und für weitere 30 GByte 15 Euro abkassiert, erläutert Spiersch. "Das wäre bei meinen bis zu 480 GByte pro Monat viel zu teuer."

Diese Erfahrung hat auch der Geschäftsführer des Bestattungsinstituts Neumann, Micha-Rolf Christer, gemacht. Seit zwei Monaten habe er LTE, doch das sei eine absolute Notlösung. "Es ist viel zu langsam, wenn mehrere Leute das gleichzeitig nutzen." Die Internetleitung der Firma mit mehreren Filialen sei dann einfach überlastet. "Ein schnelles Netz ist heute für die meisten Unternehmen unabdingbar. Wir brauchen das hier dringendst", betont Christer.

Brief an Markus Söder


In seiner Verzweiflung hat sich Spiersch am 17. November sogar an den bayerischen Heimatminister Markus Söder gewandt. "Leider fand der Ausbau nur in den Dörfern rund um Speichersdorf statt, der Großteil der Einwohner von Speichersdorf wird sich mittel- bis langfristig mit maximal 16MBit/s begnügen müssen", schrieb er. Er sei geschäftlich dringend auf eine schnelle Internetverbindung angewiesen und verstehe nicht, wieso der Ortskern benachteiligt werde. Um konkurrenzfähig zu blieben, müsste er den Firmenstandort wechseln. Der Minister antwortete, dass die Gemeinde das Erschließungsgebiet selbst festgelegt und den Förderhöchstbetrag des Freistaats voll ausgeschöpft habe.

Warum das Breitbandkabel nur in den Ortsteilen verlegt wurde, erläutert Bürgermeister Manfred Porsch: "Der Auftrag der Telekom beinhaltete keine Gebiete, in denen Vodafone/Kabel Deutschland als Netzbetreiber agiert." Er rät den Betroffenen, sich wegen des schnellen Internets an ihre Anbieter zu wenden. Doch dies führt laut Spiersch auch nicht weiter. Andere Anbieter nutzten die Telefonleitung der Telekom, zudem habe sein Betrieb keinen Anschluss von Kabel Deutschland.

Die Gemeinde wird sich allerdings für das neue Breitbandförderkonzept des Bundes bewerben. Sollte sie zum Zuge kommen, könnte ebenfalls mit einer 90-prozentigen Förderung eine weitere Breitbandverkabelung gelegt werden. Davon könnten auch die Roslaser profitieren, die bislang mit 6 MBit/s auskommen müssen. Der Grund dafür: Sie sind telefontechnisch an das relativ weit entfernte Kemnath angeschlossen.

Roland Spiersch hofft, dass er nicht mehr allzu lange auf das schnelle Internet warten muss. "Wenn sich in absehbarer Zeit hier nichts ändert, gehe ich nach Kemnath."
Wenn sich in absehbarer Zeit hier nichts ändert, gehe ich nach Kemnath.Roland Spiersch
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