Katharina Rauh führt mit 90 Jahren noch alleine Haushalt - Hartes, arbeitsreiches Leben
Nicht unterkriegen lassen

Vermischtes
Speichersdorf
20.01.2016
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Speichersdorf/Brüderes. Bis zu ihrem 95. Geburtstag hat sich Rina (Katharina) Rauh eines vorgenommen: Auch in fünf Jahren will sie immer noch in ihrem Haus leben. Da die Beine nicht mehr so recht mitmachen, greifen ihr mittlerweile Schwiegertochter Margitha und die Schwestern der Häuslichen Nachbarpflege unter die Arme.

"Das darf gut und gerne noch ein paar Jahre so gehen", meinte die Jubilarin an ihrem 90. Geburtstag mit einem Schmunzeln. Das wünschten ihr bei der Feier im Gasthaus Böhner in Seybothenreuth auch ihre Urenkel Markus und Eva-Maria, Enkel Matthias, Stefan, Corinna, Melanie und Verena sowie die Kinder Manfred, Annerose und Reinhard. Ebenso waren Pfarrer Mathias Öfner von der evangelischen Kirchengemeinde Pirk/Seidwitz, Bürgermeister Manfred Porsch und eine VdK-Abordnung um Vorsitzende Margit Kaiser gekommen. Sehr freute sich Rauh über die Glückwünsche der Nachbarsfamilien Schwenk, Bauer und Buchbinder sowie vom früheren Schlosser Alfred Bauer.

Ihr Leben war alles andere als leicht. "Ich wundere mich, wie ich das alles geschafft habe." Vor allem die Jugendjahre waren von viel Arbeit und vielen Sorgen geprägt. Frühzeitig verlor sie ihre Angehörigen. Zur Welt kam Rauh am 15. Januar 1926 in Losau, Gemeinde Prebitz, als jüngstes von zwei Kindern (Bruder Hans war vier Jahre älter) des Landwirts- und Fleischbeschauerehepaars Georg und Barbara Heidenreich. Zu Fuß legte sie sieben Jahre lang den Weg zur Wochenschule in Prebitz und zur Sonntagsschule und Seidwitz sowie schließlich noch nach Creußen zum Konfirmationsunterricht bei Pfarrer Pfaffenberger zurück.

Amis verhaften Vater


Zu Hause in der Landwirtschaft gab es viel zu tun, so dass an Ausbildung und Arbeit nicht zu denken war. Im Haus musste die Großmutter gepflegt werden. Der Bruder kehrte nicht mehr aus dem Krieg zurück, den Vater verhafteten die Amerikaner. Die Worte: "Du kommen mit", habe sie noch im Ohr, als sei es gestern gewesen. Einen Monat lang suchte sie ihn jede Woche zwei Mal in Hersbruck, später in Hammelburg in der Kriegsgefangenschaft - vergeblich.

Mutter stirbt mit 45


Als er nach zweieinhalb Jahren wieder nach Hause durfte, war dem Familienglück nur eine kurze Zeit vergönnt. Mutter Barbara starb ein halbes Jahr später mit 45 Jahren an Krebs. Fritz Rauh, ein Landwirtssohn aus Brüderes, führte die Jubilarin am 7. Mai 1949 in Pirk vor den Traualtar. Ihm schenkte sie die Kinder Manfred (1949), Annerose (1953) und Reinhard (1956). Mit ihm betrieb sie die Landwirtschaft bis 1996. Der Mann starb 2005.

Für Urlaub blieb kaum Zeit. Als sie einmal mit dem VdK nach Kaprun fuhr, kam sie mit einer Darminfektion zurück. Als die "schönste Zeit in ihrem Leben" genoss sie jüngst eine siebenwöchige Kurzzeitpflege. Langweilig wird Rauh zu Hause nicht, regelmäßig schauen die Urenkel und Enkel vorbei. Dann wird Zeitung gelesen, werden Socken gestrickt und Nussschokolade genascht.
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