Professor Dr. Kai Uwe Totsche zeigt Imkern Vorbeugungs-Methoden gegen Faulbrut auf
Weiteren Supergau verhindern

Professor Dr. Kai Uwe Totsche informierte die Zuhörer, worauf es beim ökologischen Imkern ankommt. Bild: hai
Vermischtes
Speichersdorf
20.11.2016
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"Hygiene, Hygiene, Hygiene" - Professor Dr. Kai Uwe Totsche wiederholte gebetsmühlenartig, wie sich Imker vor der Faulbrut schützen können. Nach dem Supergau für die Speichersdorfer Bienenvölker hatte der Imkerverein Weidenberg Totsche eingeladen, um aus erster Hand Anforderungen für ein ökologisches Imkern zu erhalten.

Speichersdorf/Weidenberg. Wie groß das Interesse war, zeigte schon der Andrang der Besucher. Das Nebenzimmer war mit Einzelkämpfern und Vereinsmitgliedern aus Weidenberg, Kemnath, Eschenbach und Erbendorf voll besetzt. Der Schock Mitte des Jahres saß noch immer tief. Nahezu alle Bienenvölker waren mit der Faulbrut infiziert worden (wir berichteten). 700 000 Speichersdorfer Bienen mussten sterben, Wabenhalterungen, Kleidung, Hilfsmittel verbrannt werden. Nach wie vor ist Speichersdorf im Umkreis von zwei Kilometern um den Bahnhof Kirchenlaibach Sperrgebiet. Die nächste Untersuchung läuft Ende November, informierte die mit ihrem Mann Gottfried am stärksten betroffene Kreisvorsitzende Steffi Schimmel aus Zeulenreuth. So ging es an diesem Abend zwei Stunden lang um naturnahe und artgerechte Imkerei.

Da die Biene mit ihrem Bestäuberorganismus Teil des Ökosystems und die Imker-Arbeit immer Auswirkungen auf dieses hat, forderte der Hydrogeologe vom Institut für Geowissenschaften an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, auf allen Handlungsebenen die bisherige Praxis zu überprüfen und zu überdenken. Leitmotiv müsse der verantwortungsvolle Umgang mit der Schöpfung sein, meinte Totsche. Am gefährlichsten sei die wilde Imkerei. Sie erfolgt ohne Methode und Richtlinie, in nicht artgerechtem Umgang. Bei der Behandlung von Bienenkrankheiten dürften nur Naturstoffe eingesetzt werden. Zur Überwinterung dürfe nur Honig und Zuckerwasser aus Biozucker verwendet werden. Auch sei für ausreichend Wasser zu sorgen. Eingriffe müssten auf das Notwendigste beschränkt werden. Waben beispielsweise dürften nicht herausgerissen und umgebaut werden. "Das ist Stress für die Biene, stört deren Thermik und die Kommunikation." Wesentlich für den Schutz der Bienenvölker vor Parasiten sei die Hygiene. Unbedingt vermieden werden müsse ein Wachskreislauf. Altwachs müsse in allen Formen der Imkerei ausgeschleust werden. Auch dürfe die Zucht von Bienenvölkern nur mit lokalen Honigbienenarten erfolgen. Nicht zuletzt müsste mehr auf heimische Pflanzen geachtet werden. Rücksicht zu nehmen, was man anpflanzt, das könne jeder, betonte der Referent. Bienengesundheit und Immunabwehr hänge insbesondere ab von der Artenvielfalt im Umfeld der Bienenstöcke.
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