Ausstellung zu Kaiser Karl
Jenseits der Goldenen Straße

Dr. Eberhard Kemnitz (links), Referent des Abends und Mitinitiator der Präsentation "Karl IV. - Ein Kaiser an Elbe und Havel" erläuterte Besuchern die Ausstellungstafeln. Bild: do
Kultur
Speinshart
20.05.2016
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Dr. Eberhard Kemnitz (links), Referent des Abends und Mitinitiator der Präsentation "Karl IV. - Ein Kaiser an Elbe und Havel" erläuterte Besuchern die Ausstellungstafeln. Bild: do

Prag und Nürnberg huldigen dem Kaiser Karl IV., vor 700 Jahren geboren, steht er im Mittelpunkt einer bayerisch-tschechischen Landesausstellung. Der deutsche Kaiser und böhmische König war Brückenbauer zwischen Bayern und Böhmen. Doch auch anderswo hinterließ der gebildete und geschäftssinnige Herrscher Spuren.

Karl IV. galt als einer der bedeutendsten Herrscher des Spätmittelalters, als "Kaiser der Feder" und nicht des Schwerts, wie sein Vater einer war. Am 14. Mai 1316 kam er zur Welt. 700 Jahre später erinnern zahlreiche Veranstaltungen daran. Besonders die tschechische Republik feiert ihren Regenten überschwänglich. Die Prager Karls-Universität, Karlsbrücke, Karlstein oder Karlsbad. Tschechien ist bis heute geprägt von Karl IV.

Vielfältig sind Karls Spuren aber auch in "Neuböhmen". Die Goldene Straße ist Symbol für diese kluge Politik mit der besonderen Stellung Nürnbergs als wichtigste Residenz nach Prag. Nicht nur die Landesausstellung in Prag und Nürnberg, sondern auch zahlreiche Städte und Gemeinden, deren Geschichte Bezüge zu Karl IV. aufweist, beteiligen sich am Festjahr. Die Internationale Begegnungsstätte Kloster Speinshart geht mit einem Begleitprogramm auf Spurensuche. Vier Tage nach dem 700. Geburtstag hieß das Thema eines Vortrages "Karl IV. - Ein Kaiser an Elbe und Havel". Dr. Eberhard Kemnitz aus Stendal berichtete über goldene Jahre der Mark Brandenburg während der Regierungszeit des Kaisers. Begleitet wurde der Vortrag mit der Eröffnung einer Wanderausstellung "Karl IV. - Ein Kaiser an Elbe und Havel".

Nach einem Rückblick auf das Wirken des Kaisers in Wirtschaft, Kunst und Politik in den Stammlanden seines Reiches erläuterte der Referent die kluge aber nicht immer gewaltfreie Eingliederung Brandenburgischer Gebiete ins Reich. Eine Handelsroute zwischen Moldau und Elbe im Auge habe Karl 1373 die Mark Brandenburg durch Erbverträge ins Königreich Böhmen einverleibt. Eberhard Kemnitz schilderte den Herrscher als Mann des Wortes und der Schrift mit einer Begabung zu wirtschaftlichem Denken und einer klugen Heiratspolitik. Auch das aus römischen Überlieferungen bekannte Herrschen und Teilen sei für Karl zum Erfolgsgeheimnis geworden. Konflikte löste er lieber finanziell .

Zeit der Krisen und Umbrüche, Kemnitz verwies auf Naturkatastrophen und die Pest, seien die Leistungen des Regenten umso höher einzuschätzen, urteilte der Referent. Künste, Architektur und Errungenschaften würdigte Eberhard Kemnitz in der Ägide von Karl. Die Förderung der Kunst begründete der Redner mit der Feststellung: "Dem Kaiser ging es auch um Machtvollkommenheit durch Wirkung in den Köpfen". Diese Blütezeit habe zum Beispiel auch in Tangermünde Spuren hinterlassen. "Die Burg dort war ein Lieblingsort des Herrschers", wusste der Referent. Dort sei auch ab 1375 das berühmte Landbuch über die Besitz- und Einkommensverhältnisse in der Mark Brandenburg entstanden, mit einer langen Bestandsgarantie, wie der Referent bemerkte.

Eberhard Kemnitz ergänzte seinen Ausflug in die Geschichte zur Regierungszeit des deutschen Kaisers und Marienverehrers Karl IV. mit Bemerkungen zu baulichen Aktivitäten an Elbe und Havel in der Ära des Regenten und verwies auf Zeugnisse böhmischer Künstler in zahlreichen Gotteshäusern in der Mark Brandenburg. Mittelalterliche Kirchen- und Klosterbauten stehen deshalb auch im Mittelpunkt einer von der Internationalen Begegnungsstätte Speinshart organisierten dreitägigen Informationsfahrt von 17. bis 19. Juni nach Tangermünde und zu den Prämonstratenser-Klöstern Jerichow und Havelberg.

Dem Vortrag im überfüllten Dientzenhofer-Saales folgte die Eröffnung der Wanderausstellung im Oberen Konventgang. Sie gehört zu den Begleitveranstaltungen der bayerisch-tschechischen Landesausstellung. Die Ausstellungstafeln wurden von Dr. Eberhard Kemnitz erarbeitet und informieren über die Persönlichkeit des Kaisers, seine Herrschaft in Brandenburg und seinen Wohnsitz in Burg Tangermünde. Die Präsentation gewährt Einblick in die Gemeinsamkeiten deutsch-tschechischer Geschichte. Der Eintritt ist frei. Zu sehen ist die Ausstellung bis 17. Juli.
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