Barocktage im Kloster Speinshart mit großem Festkonzert glanzvoll eröffnet
"Zeitenwende" eindrucksvoll interpretiert

Mit dem "Michaelis Consort" wurden am Freitag die Barocktage im Kloster Speinshart eröffnet. Bild Tietz
Kultur
Speinshart
21.09.2015
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Das "Michaelis Consort" nennt sein Programm "Zeitenwende", weil es darin nachweisen will, dass sich der Orchesterklang im Laufe des 17. Jahrhunderts stark verändert hat. Die Gründe dafür sind vielfältig hinsichtlich der Entwicklung von Instrumenten und verstärkten Anforderungen an die Interpreten.

Die Musiker, die neben den Streichern auch einen Cembalisten als Basso-continuo-Spieler, zwei Trompeter und einen Percussionisten dabei haben, interpretieren bei der Eröffnung der Speinsharter Barocktage in der Klosterkirche zunächst vier Stücke von Komponisten, die man noch zur Spätrenaissance hinzurechnen kann. Die Geigen werden natürlich mit Barockbögen in Klang gesetzt, die Musiker stehen, wie es damals üblich war. Tänzerisch beschwingt zieht die "Sonata à 6" von Georg Kopp (1600-1666) vorüber. Auch die Sätze aus "Balletti à 6" von Heinrich Ignaz Franz Biber (1644-1704) wirken in festlichem Klang, vorgeführt abwechselnd durch Streicher oder Trompeten. Jeweils dabei Percussion als Rhythmusgeber der unterschiedlichen Tempo-Angaben.

Intensive "Ciacona"

Mit einer besonders intensiv klingenden "Ciacona" endet das abwechslungsreiche Werk, das alle Mitwirkenden mit Verve und Tonschönheit vortragen. Ein Stück, das eine besonders feine Abstimmung der Musizierenden fordert, ist die "Concert Sonata F-Dur" von Johann Christoph Pez (1664-1716). Dass auch hier das Schlagwerk mitwirkt, beruht auf einer freien Auslegung der Werktreue. Die Komposition jedenfalls toleriert dieses Klangbild. Bei der "Ciacona" von Philipp Jacob Rittler (1637-1690) beeindruckt die Variationskunst der achttaktigen Sequenzen, die abwechslungsreich gestaltet werden.

Und dann kommt die "Zeitenwende" - man musiziert an adeligen Höfen, nicht nur in Kirchen. Dementsprechend ist die Musik mehr höfisch geprägt, gefällig und soll verschiedene Stimmungen ausdrücken. Das "Concerto à 4 da chiesa op 2/1" von Evaristo Dall'Abaco (1675-1742) ist ein Übergangswerk, das ohne Trompeten auskommt und eigentlich auch ohne Schlagzeug. Der Schlusssatz leidet etwas unter dessen unpassender Mitwirkung. Alle Geigen werden jetzt am Kinn gehalten. Der volle Instrumentenklang dankt das Anne Kaun und Milena Schuster (die sonst tadellos Viola spielt) und dem Spieler Uwe Ulbrich. Beim letzten Stück sind wieder alle dabei. Die "Tafelmusik" von Franz Sparry (1715-1767) bildet einen festlichen Ausklang für die Trompeter Moritz Görg und Rudolf Lörinc, Felix Görg (Viola da Gamba), Katharina Litschig (Violoncello), Arve Stavran (Cembalo) und Peter Kuhnsch (Percussion).

Festliche Stimmung

Zur barocken Spielfreude passt auch das mitwirkende Schlagwerk. Dem Anlass entsprechend, verbreitet die Musik eine euphorische Stimmung, die das im Titel angedeutete Ereignis unterstützt. Und ebenso festlich gestimmt verlassen die Zuhörer, welche die Klosterkirche mehr als halb füllen, nach der Zugabe "Intrada I" von Pietro Torri (1650-1737) den festlichen Veranstaltungsort.
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