„Cantabile“ in Speinshart
Sternstunde der Chormusik

Am Sonntagabend begeisterte in der Klosterkirche Speinshart ein deutscher Spitzenchor. Anlässlich des 90. Todesjahres von Hans Koessler, aus Waldeck stammend und entfernter Vetter Max Regers, bewies das Vokalensemble "Cantabile" aus Regensburg Sangeskunst auf Spitzenniveau. Bild: do
Kultur
Speinshart
19.10.2016
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Begeisterte Hörer, höchste Kulturdichte auf engstem Raum: Der Spitzenchor "Cantabile" aus Regensburg beeindruckt. Man mag streiten, wie viele Chöre in der Klosterkirche schon nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben. Unstrittig ist, dass der Sonntagabend einen besonderen Höhepunkt bot. Die Symbiose eines schwierigen Klangraumes, wie es Dirigent Matthias Beckert formuliert, mit einem der renommiertesten Chöre Deutschlands wird so schnell kein Besucher vergessen. Die "Kulturbörse" Speinshart erlebt eine Sternstunde.

Beim Deutschen Chorwettbewerb 2014 preisgekrönt, zeigt sich "Cantabile" auch in Speinshart als Perle. Unter dem Dirigat von Matthias Beckert, Professor an der Hochschule für Musik in Würzburg, bestimmen lustvoller Gesang, glockenrein und ausdrucksvoll, ein Konzert, das einem Oberpfälzer gewidmet ist. Die 150 Besucher lauschen den Chorwerken von Hans Koessler, einem Waldecker, den es in die Welt der Musik hinauszog. Nach Stationen in München, Dresden und Köln wird der Komponist nach Budapest berufen. In Ungarn gelangt er an der Königlich Ungarischen Musikakademie zu Berühmtheit. Kein Wunder, dass aus Anlass des 90. Todesjahres von Max Regers Cousin, Beckert Werke des Komponisten in der Prämonstratenser-Abtei ins Programm nimmt. Es erklingen zauberhafte Tondichtungen, die mit dem "Hymnus Victoria" ein Ausrufezeichen setzen. Viele der 130 Werke des Autors sind verschollen. Nicht aber die 20 weltlichen und geistlichen Chorwerke. In der Folge bestätigen die Sänger mit "Neun Liedern" das romantische Repertoire.

Blitzsauber präsentieren sich die Stimmen in glanzvoller Vokalfärbung mit perfekter Artikulation. Zum Träumen verleiten die Werktexte, die in der Klosterkirche aufliegen. "Wenn sich zwei Herzen scheiden", "so öffne dich, o Herz der Liebe" oder "Mein Lieb ist eine rote Ros'" berühren das Publikum. Auch mancher Chorsänger unter den Besuchern ist fasziniert. Gerade der gepflegte A-capella-Gesang setzt voraus, dass jeder Ton sauber klingt, sich jede Stimme dem Gesamtklang unterordnet, der sich bei den weiteren Werken, etwa von Zoltán Gárdonyi in formvollendeter Harmonie entwickelt. Zu Lebzeiten des Künstlers gehört das Repertoire zur unverzichtbaren Unterhaltung beim Namensfest von Sisi, der Kaiserin Elisabeth. Am Sonntag genießen die Besucher die kostbaren Werke. "Cantabile" ergänzt die "Neun Lieder" mit "Salvum Fac Regem" in der Männerchor-Fassung. Die Stimmen gestalten auch den Programmteil "Altdeutscher Minnelieder". "Mein Herz, das ist betrübet sehr. Gott alle Ding zum Besten kehr", heißt es da und "In einem Rosengärtelein, da steht ein Bäumelein, darauf blüht ein Röselein, ist wunderschön und fein".

Samtig entfaltet sich zum Ende wieder der gemischte Chor. Mit Hingabe erklingen "Drei ernste Chöre". Beim achtstimmigen "Gebet auf den Wassern". Es regiert das feuchte Element. Hoffnungslosigkeit macht sich beim "Heimatlos" breit und in der "Hymne der Nacht" klingt Koesslers Biografie durch, mehr als 30 Jahre fern der Heimat zu leben. Nuanciert erklingt eine weitere Traummelodie. "Der Mond ist aufgegangen" von Zsolt Gárdonyi endet mit stehenden Ovationen, der die Sänger von "Cantabile" zu zwei Zugaben verpflichtet.
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