Ebonit-Saxophon-Quartett begeistert bei den Speinsharter Sommerkonzerten mit leuchtenden ...
Schräges Experiment wird musikalische Wundertüte

Ganz nah an den Streichquartett-Fassungen der Komponisten überraschte das "Ebonit Saxophone Quartet" bei den Speinsharter Sommerkonzerten mit temperamentvollem Blechbläser-Sound. Bild: do
Kultur
Speinshart
18.08.2016
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"Kurzfristige Programmänderung möglich." Der eher formale Gemeinplatz wird an Mariä Himmelfahrt in Speinshart zur Tatsache. Nix mit dem angekündigten "Wunschkonzert" des Ebonit Saxophon-Quartetts. Und doch darf das Publikum bei einem Programmpunkt mitbestimmen. Felix Mendelssohn Bartholdy oder Anton Webern ist die Fragestellung. Die große Mehrheit entscheidet sich fürs Romantische - eine gute Entscheidung.

Internationale Preisträger


Endlich ein lauschiger Sommerabend und ein Konzert im Innenhof des Klosters. Zum ersten Mal während der "Speinsharter Sommerkonzerte". Zu Gast sind anlässlich des Festivals junger Künstler Bayreuth junge internationale Preisträger mit einschlägigen Wettbewerbserfolgen. Das deutsch-holländisch-polnische besetzte Ebonit Saxophon-Quartett sorgt für Aufsehen. Sprichwörtlich bläst frischer Wind durch den Innenhof der Prämonstratenser-Abtei.

Für den sorgt zunächst Johannes Pfeuffer, der Leader am Tenorsaxophon. Ganz nah an der Streichquartett-Fassung Josef Haydns ist sein Arrangement für vier Saxophone. Was als schräges Experiment erscheint, entpuppt sich als gelungene Alternative. Statt der Streicher brillieren mit pochenden Bass-Fundamenten und fein gezeichneten Oberstimmen Paulina Marta Kulesza (Baritonsaxophon), Dineke Nauta (Altsaxophon), Simone Müller (Sopransaxophon) und Maestro Johannes Pfeuffer. Zur Bewährungsprobe wird für die Blechbläser das Streichquartett in f-Moll Op. 20,5 von Joseph Haydn. Die besondere Herausforderung für das Quartett: Es wagt sich mit einer eigenen Fassung von Johannes Pfeuffer an die Komposition des Stammvaters der Wiener Klassik. Anstelle der Streicher gewinnt der Aufbruch in empfindsame Regionen mit Bläserklang rasch an Sympathien. Spannungsvoll angelegt, brennend und klagend und schließlich im Adagio und der Fuga beweisen Pfeuffer und Co. nach allen Regeln der Fugenkunst, wie gut man Haydn mit Blechinstrumenten machen kann. Auf die heilende Kraft der Musik hat bereits im 17. Jahrhundert ein gewisser Robert Burton hingewiesen. Viele Menschen reagieren auf Musik melancholisch, aber liebevoll melancholisch, hieß es schon vor 400 Jahren. "Sie vertreibt den Kummer und wandelt den trüben Geist"! Mit dieser "Seelenheilung" versucht sich auch das Quartett.

"Zweite Wiener Schule"


Freie Wahl lässt es dem Publikum zwischen dem Streichquartett op 44,2 von Felix Mendelssohn Bartholdy und dem "Langsamen Satz" des Komponisten Anton Webern. Werbern gewinnt. Die große Mehrheit der Besucher sehnt sich nach Romantik. Es weiß: in der Persönlichkeit des Meisters steckt viel Muse. Das einsätzige Stück des Komponisten-Genies mit seinen rhythmischen Elementen erinnert an die "Zweite Wiener Schule".

Im letzten Programmteil folgen selige Seufzer und stehende Ovationen: was war geschehen? Mit dem "Amerikanischen Quartett", dem Streichquartett Nr. 12, op. 96 von Dvorak greift das Ensemble in eine musikalische Wundertüte und gewinnt. Ebonit begeistert mit leuchtenden Klangfarben. Schließlich wird das "Saxophones in Concert", so die Überschrift im Konzertprogramm, doch noch zum "Wunschkonzert".
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