Fulminantes Ende

Mit einem großen Orchesterkonzert unter der Leitung von Peter Stark gingen am Mittwochabend die diesjährigen "Speinsharter Sommerkonzerte" zu Ende. Bild: Stiegler
Kultur
Speinshart
28.08.2015
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Nur wenige Tage hatten sie zum Proben. Das merkt das Publikum in der Klosterkirche nicht, so harmonisch musiziert das Orchester des 65. Festivals Junger Künstler Bayreuth beim Abschluss der "Speinsharter Sommerkonzerte" am Mittwoch. Und einer sticht an diesem Abend besonders heraus.

Lassen wir den großen Richard Wagner sprechen: "Das ist Alles wundervoll geistig geschaut, fein empfunden und mit größter Kunst wiedergegeben. Die Stelle, wo die Oboen allein durch die anderen Instrumente hindurch klagen, wie der Wind über die Wellen des Meeres zur Höhe steigt, ist von außerordentlicher Schönheit." Welche Darbietung der Konzert-Ouvertüre "Die Hebriden" von Felix Mendelssohn-Bartholdy der Komponist damit gemeint hat, wissen wir nicht. Für die Aufführung am Mittwochabend in der Klosterkirche Speinshart ist die Einschätzung jedenfalls goldrichtig. Zum Abschluss der diesjährigen "Speinsharter Sommerkonzerte" ist das Orchester des 65. Festivals Junger Künstler Bayreuth unter der Leitung von Peter Stark zu Gast - und es beschert ein Finale nach Maß der diesjährigen Konzertreihe.

Aus 17 Nationen

Zum sechsten Mal verzaubern die "Speinsharter Sommerkonzerte" die Zuhörer in sieben Veranstaltungen mit mehreren Hundert internationalen Künstlern. Die Kooperation zwischen der Internationalen Begegnungsstätte und dem Festival Junger Künstler Bayreuth hat mittlerweile einen alljährlichen Veranstaltungsreigen entstehen lassen, der kulturell aus der Region nicht mehr wegzudenken ist. Gut 60 Instrumentalisten sind es am Mittwoch, die sich im Altarraum versammelt haben.

Sie kommen aus 17 verschiedenen Nationen. Sie sind unterschiedlich geprägt - kulturell, sozial, religiös. Beim gemeinsamen Musizieren wird das Trennende marginal, sie bilden vielmehr einen harmonischen Klangkörper, den Dirigent Peter Stark in nur wenigen Tagen Probezeit geschaffen hat. Die Werke des rund eineinhalbstündigen Musikabends erzählen von Hoffnung, Zweifel und Trost, von Fernweh und Sehnsucht, in der der Mensch als Einzelner auf sich zurückgeworfen ist.

Etwa 500 Zuhörer - sogar die Stehplätze werden knapp - lassen sich mitnehmen auf eine Reise zu den Hebriden, eine Reise, die Felix Mendelssohn-Bartholdy 1829 selbst angetreten und musikalisch verarbeitet hat. Herrliche Klarinetten- und Flötenpassagen sind zu hören, die Pianissimo-Pauken und Streicher-Glissandi ziehen in ihren Bann. Die grenzenlose Einsamkeit, der der Mensch in dieser Region ausgesetzt ist, wird hörbar, ja auch spürbar.

Das Orchester spielt superb, die mitunter dramatische Ausdrucksstärke ist geradezu überwältigend. Noch immer Drama, aber dafür auch mehr Leichtigkeit - besonders im 1. Satz - versprüht dagegen ein weiteres Werk Mendelssohn-Bartholdys - die "Sinfonie Nr. 4 A-Dur, op.90", auch als "Italienische" tituliert. Klar erkennbar einerseits die sprudelnde Frische, die die Bläser und die Violinen vorgeben, später abgelöst von einer Düsterheit und sich dann auflösend im 4. Satz in einem rasanten Schlussteil.

Höchster Anspruch

Peter Stark sieht man während der ganzen 90 Minuten die Begeisterung an, die es ihm bereitet, mit jungen Künstlern zu arbeiten. Man kann es ihm nicht verdenken, denn so einem Orchester würden wohl die meisten Dirigenten vorstehen. Gekrönt wird der Konzertabend aber mit Carl Maria von Webers "Konzert für Klarinette und Orchester Nr. 2 Es-Dur, op.74" und dem Auftritt des französischen Solo-Klarinettisten Benjamin Christ. Der junge Mann erobert die Herzen des Publikums im Sturm - nicht etwa mit zur Schau gestellter Virtuosität, sondern mit wahrem Schönklang.

Er gestaltet jeden Ton des Werkes und setzt dem Konzert ein echtes Glanzlicht auf. Reibungslos im Zusammenspiel mit dem Orchester, wird Christ von den Zuhörern regelrecht gefeiert. Die Bilanz des letzten diesjährigen Auftritts der Musiker vom Festival Junger Künstler Bayreuth fällt eindeutig aus: So muss Musik gespielt werden - mit höchstem Anspruch und Können, kühn und unwiderstehlich begeisternd.
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