Harfenkonzert in Speinshart
Ein Zauber aus zarten Klängen

In der Klosterkirche Speinshart schuf die lebenslustige Wahl-Berlinerin- und Wienerin Martina Stock mit ihrem berührenden Harfenspiel eine Atmosphäre, die zum eigenen Tagträumen einlud. Bild: doz
Kultur
Speinshart
20.09.2016
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Von Robert Dotzauer

Speinshart. Martina Stock fühlt sich sowohl in der Musik als auch in der bildenden Kunst zu Hause. "Ich bin beides", sagt die freischaffende Frau von Welt. "Das eine beflügelt das andere". In Speinshart ist es die Harfe, mit der sie mit sinnlichem Spiel das Publikum beflügelt. Mit dem Instrument des Abends, der Harfe, befinden sich die zahlreichen Besucher in der gut gefüllten Klosterkirche Speinshart auf ganz sicherer biblischer Grundlage.

Das betont auch bei der Begrüßung Thomas Englberger, Leiter der Internationalen Begegnungsstätte. "Ein Gottesdienst mit Orgel war zu biblischen Zeiten undenkbar". Das am häufigsten in der Bibel erwähnte Instrument ist die Harfe. Und: Der bekannteste Harfenist war männlichen Geschlechts: David. Da lobe ich mir doch die Emanzipation. Am Sonntagabend beweist Martina Stock, dass schmeichelnder Harfenklang zu den Domänen der Frauenwelt gehört.

Der Charakter der Eigenkompositionen klingt verführerisch meditativ. Martina Stock kommt mit einem besonderen Klangkonzept nach Speinshart. Nach Konzerten und Ausstellungen in Salzburg und Wien, in den USA und China kommt die lebenslustige Salzburgerin aus Berlin zur Horizonterweiterung nach Speinshart, sagt sie und schafft in der Klosterkirche mit der Symbiose barocker Kirchenraum - Harfe- Künstlerin eine bezaubernde Atmosphäre.

Das gut einstündige Solokonzert wird zum Sinnlichkeitstest. "Roter Morpheus" nennt die lebenslustige, rothaarige Schönheit ihre Liaison mit der Harfe. In Berlin inszeniert Martina Stock in diesen Wochen eine Ausstellung mit Bildern und Harfenspiel als Gesamtkunstwerk. Doch auch in Speinshart spiegelt sich dieses bemerkenswerte künstlerische Schaffen wider. War vor zwei Jahren Christian Schratt mit seinem meditativen Hang, einem Wunderding aus zwei Stahlblech-Halbkugeln, der kongeniale Partner, bezaubert die Künstlerin am Sonntag als Solistin kunstvoll mit schmeichelndem Harfenklang. Rasch erreichen die farbenreichen Klangbilder spirituellen Charakter.

Andächtige Stille begleitet diese Symphonie der einzigartigen Schwingungen. Applaudieren während des Konzerts ist verpönt. "Die Zuhörer sollen sich vollends auf die Musik einlassen und sich von ihr tragen lassen". Das gelingt unnachahmlich. Das Publikum lauscht der verzückenden Tonakrobatik und bestaunt die Ästhetik der Spielbewegungen. Eigenkompositionen überwiegen. Ihre Beiträge nennt Martina Stock "Intro", "Arrival at Departure", "Response", "Exoneration" oder "Der rote Morpheus", so auch der Titel des Konzertabends.

Mit dem "Blauen Eros", 2015 in Berlin uraufgeführt, beeindruckt die Künstlerin auch in Speinshart. Frei und phantastisch improvisierend werden die sanften, zärtlichen, harmonischen oder zwischendurch rhythmischen "Streicheleinheiten" zu einem köstlichen Musikerlebnis voller zärtlicher Gegensätze und doch mit harmonischer Dynamik. Stürmischer Beifall verpflichtet die Harfenistin zu einem innigen "Betthupferl".
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