Hindu-Pilgerfest in Kloster Speinshart
Bilder vom Nirvana

Nach einer spirituellen Einführung eröffneten Victoria Knobloch und Thomas Englberger die Vernissage "Ganges und Nirvana" im Oberen Konventgang des Klosters Speinshart. Würde, Stärke und das positive Potenzial der Menschen will die Fotografin in ihren Bildern den Ausstellungsbesuchern näher bringen. Bild: do
Kultur
Speinshart
09.02.2016
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Unendliches Wachstum in einer endlichen Welt ist nicht möglich. Victoria Knobloch empfiehlt, sich mit den Wertfragen zu beschäftigen. Bei Reisen nach Indien hat die Künstlerin einen eigenen Weg dazu kennengelernt und gleichzeitig das Fest der Feste auf dem Subkontinent dokumentiert.

Das Thema Spiritualität begeistert die "Weltenbummlerin"Victoria Knobloch. Da waren der Weg nach Indien als Wiege der Spiritualität vorgezeichnet. Die Künstlerin schwärmte beim Vortrag im Kloster vom Denken und Bewusstheit, vom Leben im Hier und Jetzt und von der Verbundenheit zu Stille und Natur und gab dem Ziel Vorrang vor jeder Zweckrationalität. Gerade richtig für Speinshart. Auch Thomas Englberger urteilte: "Das gilt auch für Kirche und "Prämonstratenser". Der Leiter der Begegnungsstätte plädierte, über den eigenen Gartenzaun zu blicken und zitierte Benedikt: "Es führen so viele Wege zu Gott, wie es Menschen gibt".

75 Millionen Menschen


Victoria Knobloch berichtete von einem außergewöhnlichen religiösen Weltereignis. Kumbh Mela heißt das größte hinduistische Pilgerfest. In Allahabad, am Zusammenfluss der für die Hindus heiligen Flüsse Ganges, Yamuna und dem unterirdisch fließenden Saraswati am sogenannten Sangam, trafen sich 75 Millionen Gläubige, um die seit Jahrtausenden tradierten religiösen Rituale mit Bädern und Waschungen im heiligen Wasser zu vollziehen, um ihr "Kama" zu reinigen und dem Nirvana näherzukommen. Das Fest findet alle zwölf Jahre statt und vereinigt die Massen in Zeltstädten, Märkten, improvisierten Tempeln und Großküchen. Während der Kumbh Mela versammeln sich auch Sadhus aus ganz Indien, um dort die Gläubigen zu allumfassender Liebe zu inspirieren.

Asche und Staub


Ja, aber was heißt denn Nirvana? Knobloch sprach von "Erlösung durch Opferbereitschaft", durch Askese, Einsamkeit, Meditation und Yoga schon zu Lebzeiten. Nirvana sei ein Bewusstseinszustand losgelöst von Emotionen, Gier, Hass, Wut und Angst. Symbol des Nirvana sei das Auftragen von Asche auf den Körper. Asche symbolisiere das unendliche Nichts. Asche zu Asche, Staub zu Staub, eine Lehre der meisten Glaubensgemeinschaften.

Mit vielen Fragen über diese Tradition und das, was der Glauben bewegen kann, machte sich Knobloch mit ihrem indischen Kollegen Jagdev Singh ein Bild des heiligen Ortes am Ganges und schuf ein fotografisches Zeitdokument über die religiöse Praxis der Kumbh Mela. Es entstand ein außergewöhnliches Fotoprojekt in Schwarz-Weiß der verschiedenen Facetten hinduistischer Tradition, Einzelportraits von Pilgern und Sadhus beim Vollzug ihrer Rituale. Nach dem Einführungsvortrag faszinierte bei der Ausstellungseröffnung im Oberen Konventgang des Klosters eine Auswahl der Fotografien, die auch "sprachlos" an ungekünstelte Begegnungen mit den Pilgern erinnern. "Mitteilungen des universellen Menschseins auf dieser uns alle miteinander verbindenden Erde versteht man auch ohne Sprache", erklärte Knobloch. Gleichzeitig sieht die Künstlerin in ihren Bildern das positive Potenzial des Menschen, schon mit seinen alltäglichen Handlungen aus Würde und Stärke heraus glücklich zu werden.

Intime BilderVictoria Knobloch (geboren 1981) lebt als freischaffende Fotografin und Sängerin in Leipzig. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen Porträt- und Dokumentarfotografie. Zu ihren Themen zählen Straßenfotografie und Fotoreportagen mit sozialem und ökologischem Ansatz. In Speinshart zeigt sie intime Aufnahmen, die die Pilger während des Badens im Ganges, der Anbetung der Götter oder der Segnung durch die Sadhus. Mit ihrer Dokumentarfotografie möchte sie auf gesellschaftliche Phänomene aufmerksam machen. Der tiefe menschliche Faktor ist für sie von ausschlaggebender Bedeutung. (do)
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