Jahrbücher der Abtei von 1661 bis 1770 in deutscher Sprache werden im Kloster Speinshart ...
"Heimatkundlich eine Wucht"

Abt Hermann Josef Kugler, Verleger Eckhard Bodner, Übersetzer Ulrich Leinsle sowie Kloster-Prior Pater Benedikt Schuster (von links) präsentieren die Jahrbücher der Abtei. Bild: stg
Kultur
Speinshart
30.09.2016
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Bislang waren sie nur für einen kleinen Personenkreis verständlich und zugänglich: Seit Mittwochabend ist dies nun anders, die "Annales Speinshartenses" - die Jahrbücher der Prämonstratenserabtei Speinshart 1661-1770 - liegen nun auch in deutscher Sprache vor, ergänzt mit einem umfangreichen Fußnotenapparat.

Die Jahrbücher gelten als wichtigste narrative Quelle zur Geschichte des Klosters Speinshart zwischen Wiederbesiedlung 1661 und Säkularisation 1803. Der schlechte Zustand des Originals - das sich im Pfarrarchiv von Speinshart befindet - und die schlechte Lesbarkeit hatten bisher verhindert, dass die Inhalte zu großer Bekanntheit kommen.

Intensiv befasst mit den Originalquellen hat sich in den vergangenen zweieinhalb Jahren Professor Ulrich Leinsle OPraem, Vorsitzender der Historischen Kommission des Ordens und ehemaliger Professor für Philosophie an der Katholischen Fakultät der Universität Regensburg. Entstanden ist ein gut 450 Seiten starkes Buch, das sowohl das lateinische Original, eine deutsche Übersetzung sowie einen umfangreichen wissenschaftlichen Fußnotenapparat enthält. In Auftrag gegeben vom Kloster, ist das Werk nun im Verlag der Pressather Buchhandlung Eckhard Bodner erschienen. Das Buch ist chronologisch aufgebaut und lässt die Geschichte - so wie sie sich für die fünf Hauptchronisten Edmund Eib (1680-1742), Augustin Kopfenberger (1678-1759), Joseph Wild (1693-1765), Gottfried Ströhl (1710-1786) und Richard Weber (1731-1797) zugetragen hat - Revue passieren.

Kriege und Wirtschaft


Sie berichten - jeder mit seiner "eigenen Handschrift" - über Klosterereignisse, soziale und politische Verhältnisse, Kriegsgeschehen, Feste, Witterung und Wirtschaft in der Region. Erwähnt werden etwa 800 verschiedene Personen, leicht zu finden durch ein entsprechendes Orts- und Namensregister. "Allein die Tatsache der Anwesenheit so vieler hochrangiger Personen an einem Kreuzungspunkt internationaler, dynastischer und familiärer Politik zeigt die Bedeutung Speinsharts weit über das rein klösterliche Leben hinaus", betont Ulrich Leinsle. Die Mischung aus Weltoffenheit, Diplomatie und galantem Leben, wie sie in der Ära von Abt Dominikus von Lieblein (1734-1771) anzutreffen war, habe offensichtlich viele Leute angezogen.

Eine ganz besondere Quelle sind die Annalen für die Beziehungen zwischen dem Kloster und der Markgrafenschaft Bayreuth. Zahlreiche Besuche und Gegenbesuche sind dokumentiert, in den letzten Regierungsjahren des Markgrafen Friedrich III. war Abt Lieblein vom damaligen bayerischen Kurfürsten damit beauftragt, eine Lösung hinsichtlich der Grenzstreitigkeiten mit Bayreuth zu finden.

"Bemerkenswert sind hier auch die im Zeitalter der Toleranz offenbar unkomplizierten Beziehungen zu den protestantischen Nachbarn", fasst Leinsle seine Eindrücke zusammen. Salopp, aber genau zutreffend wertet Pater Benedikt Schuster, heutiger Prior der Speinsharter Abtei, die nun vorliegenden Annalen in deutscher Übersetzung: "Heimatkundlich eine Wucht!" Das Buch ist in einer Auflage von 600 Exemplaren im Verlag der Pressather Buchhandlung Eckhard Bodner erschienen und kostet 29,90 Euro. Es ist der dritte Band der Reihe "Beiträge zur Geschichte des Prämonstratenserklosters Speinshart", dazu gehören außerdem Hermann Lickleders "Die Urkundenregesten des Prämonstratenserklosters Speinshart 1163-1557" sowie der Festschrift-Band "850 Jahre Prämonstratenserabtei Speinhart 1145-1995", beide 1995 erschienen.
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