Konzert im Innenhof des Klosters Speinshart schlägt viele musikalische Brücken
"Cross-over" von Rap und klassischer Geige

Rap-Gesang im Klosterinnenhof hat man bisher wohl noch nicht gehört: Der belgische Libanese Antonin El-Hage (stehend) macht es am Samstag möglich. Bild: Stiegler
Kultur
Speinshart
17.08.2015
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Es sind Brücken, die keine Fundamente aus Beton oder Pfeiler aus Holz brauchen. Und doch sind diese Brücken in der Regel stabiler als die massiven Bauwerke, die gesprengt oder niedergebrannt werden können. Gebaut werden diese Brücken aus Musik am Samstagabend im Klosterinnenhof unter freiem Himmel von zehn Künstlern. Es ist ein Konzert abseits des Mainstreams, ein Konzert, das über eine gewisse Einzigartigkeit verfügt.

"Orient meets Occident" - unter diesem Motto steht das "Speinsharter Sommerkonzert" am Samstagabend. Zu Gast ist der gleichnamige Workshop des Festival Junger Künstler Bayreuth unter Leitung von Vladimir Ivanoff. Auf der Bühne stehen Musiker aus Syrien und dem Libanon, aber auch aus Mexiko, Schottland und Deutschland. Eigentlich sei der Workshop anders konzipiert gewesen, als das was letztlich entstanden sei, erläutert Ivanoff den Zuhörern: Bayerische Volksmusiker beziehungsweise Liedermacher "kreuzen" mit arabischen Musikern. Heimatlieder der einen Seite, Heimatlieder der anderen Seite. Soweit die Theorie, die in der Workshop-Praxis aber an den fehlenden bayerischen Protagonisten scheitert.

Das "Alternativ-Resultat" kann sich aber dennoch hören lassen: Lieder über das, was Heimat ist, wo Heimat ist und was es bedeutet, keine Heimat mehr zu haben. Herausgekommen sind dabei mitunter überraschende "Cross-over"-Verbindungen wie zwischen Rap-Gesang des belgischen Libanesen Antonin El-Hage in französischer Sprache und klassischem Geigenspiel der Deutschen Dominika Al Khoudary. Wenn immer wieder von der "Weltsprache" Musik die Rede ist - hier ist der Beweis. Mag manches auch fremd klingen - das wird wohl gerade bei den Kompositionen des Syrers Rebal Al Khoudary niemand ernsthaft in Abrede stellen - , so fasziniert es aber zugleich und entfaltet eine Magie, der sich die Zuhörer nicht entziehen können.

Zu hören sind beispielsweise die arabische Laute Oud, aber auch die Längsflöte Nay (hervorragend gespielt vom Syrer Mohamad Fityan). Immer wieder gelingt es dem Ensemble - zu solche einem sind die Musiker in wenigen Tagen zusammengewachsen - neue Spannungen aufzubauen und musikalische Grenzen zu überschreiten: Wenn beispielsweise die vom Baum heruntergefallenen Blätter zum Sprechen beginnen. Mit einem mitreißenden und temporeichen "Habibi" geht ein ungewöhnlicher Konzertabend zu Ende. Der Einschätzung der schottischen Sopranistin Catriona Gallo ist zuzustimmen: "Heimat ist da, wo meine Stimme ist und wo ich singen kann."
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