Konzert in Speinshart mit Trompeter Daniel Schmahl und Organist Tobias Berndt
Bach tritt Jazz

Trompeter Daniel Schmahl und Organist Tobias Berndt vollführten in der Speinsharter Klosterkirche beeindruckende „Plaudereien mit Bach“.
Kultur
Speinshart
04.07.2016
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Trompeter Daniel Schmahl und Organist Tobias Berndt vollführten in der Speinsharter Klosterkirche beeindruckende „Plaudereien mit Bach“.

"Air" ist ein Klassiker von Johann Sebastian Bach, in "Air for Maria" lebt die Melodie weiter - zwar etwas anders, aber nicht weniger eindrucksvoll. Und was Bach mit einem "Jesus Groove" zu tun hat, machen Trompeter Daniel Schmahl und Organist Tobias Berndt in der Speinsharter Klosterkirche auch unmissverständlich klar.

Heute mit Johann Sebastian Bach zu plaudern funktioniert natürlich nicht. So gerne man es auch täte. Also muss man den Dialog musikalisch suchen. Daniel Schmahl und Tobias Berndt haben sich für einen besonderen Weg entschieden, dies zu tun: nämlich auf eine jazzige Art und Weise. Zum Abschluss des diesjährigen Speinsharttages gelingt den beiden Berliner Musikern mit "Speinshart-Erfahrung" ein musikalisches Experiment, das die Zuhörer in der Klosterkirche begeistert.

Wagnis Bach


Nun, das Werk des Orgelvirtuosen, Kapellmeisters und Kantors Johann Sebastian Bach gilt bekanntlich als Inbegriff großer, handwerklich perfekter, nicht mehr zu verbessernder Musik. Bach muss man ja eigentlich nicht "entstauben" - doch wer damit anfängt und dies auch noch perfekt umsetzt, der muss ziemlich gut in seinem Fach sein. Und Trompeter Schmahl sowie Organist Berndt sind dies definitiv: Eine klare Figuration des Trompeters in Harmonie mit einem virtuosen Organisten, ein Merkmal, das sich die kommende Stunde als rote Linie durch das Konzert zieht. Trompeter Schmahl setzt mit seinem weichen, warmen und vollen Ton, der auch in höheren Lagen nicht von seiner Expressivität verliert, Akzente. Es verschmelzen der prachtvolle Klang von Trompete und Corno da caccia und Orgel zur symbiotischen Einheit mit dem festlichen Kirchenraum.

Die Orgel jazzt


Wie die "Plaudereien mit Bach" zu verstehen sind, wird schon beim Auftakt bei "Base of Bach" aus der Feder von Johannes Gebhardt deutlich. Das Werk bezieht sich thematisch unüberhörbar auf das zweite Brandenburgische Konzert. Schmahl improvisiert mit seiner Trompete und setzt damit Akzente, Organist Berndt sorgt für einen dunklen, ruhigen Klangteppich. "Jesus Groove" ist auch so eine Komposition Gebhardts, die dieser für Trompete und Orgel geschrieben hat und einen leidenschaftlichen Dialog beider Instrumente auslöst - mit einem klaren und überraschenden Schlusston für den Blechbläser. Getragen, mitunter düster, kommt "Air for Maria" von Matthias Zeller daher - virtuos dargeboten, Klänge, an denen man sich kaum satthören kann. Nicht nur die Trompete, sondern auch die Orgel fängt an zu jazzen - in Perfektion zu erleben bei "Toccata in 7", wo Trompetenklänge auf Orgelwellen zu tänzeln beginnen.

Es gibt auch Bach "pur"


Natürlich - das soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden - gibt es auch "Bach pur" an diesem Abend. Die Zuhörer im Gotteshaus können sich über die sanften Orgelklänge von Bachs "Air" freuen: ergreifend, einfach, schlicht. Oder auch über die impulsive Interpretation von Toccata & Fuge d-Moll BWV 565 und "Jesu meine Freude" BWV 227. Die sprichwörtlichen i-Tüpfelchen setzen die Musiker schließlich mit ihren viel beklatschten Zugaben - darunter das bekannte und formvollendete "Jesus bleibet meine Freude".
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