Lesung im Kloster
Märchen im Musiksaal

Die Internationale Begegnungsstätte Kloster Speinshart hat ein dankbares Publikum. Auch die "märchenhafte Reise durch Frankreich" stieß auf ein bemerkenswertes Interesse. Bilder: do
Kultur
Speinshart
01.06.2016
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Barbara Bredow braucht nicht viele Worte, um ihre Zuhörer zu fesseln. Als Märchenfee erzählt die Dramaturgin, Autorin und Rezitatorin, Redakteurin und Moderatorin von der wunderbaren Welt der Pilger, Feen und Troubadoure. In ihrer märchenhaften Reise durch Frankreich begleitet sie im Musiksaal das Trio "Windberg". Die Musiker erzählen ebenfalls vom Reiz der Geister- und Feengeschichten im Frankreich der einfachen Leute. Auch das Ambiente passt zu den Legenden von goldglänzenden Schlössern und Burgen, dunklen Wäldern, Riesen und Zwergen, Prinzessinnen und Königen. Wegen unsicherer Wetterprognosen zog der Märchenabend vom romantischen Garten in den klösterlichen Musiksaal.

Am Samstagabend machte Bredow das Publikum zu Gefährten und nahm es mit in ein Land der unzähligen Deutungen. Da formt eine kluge Frau mit leuchtenden Augen aus der Weisheit der Märchen ein Stück für den Alltag. In Märchenworten gibt sie Trost, Denkanstöße und Lebenshilfe. Aufgewachsen schien Bredow am Samstagabend in der Welt eines großen, sinnvollen Ganzen, um Weisheiten aus spirituellen Märchenträumen den Mitmenschen zu vermitteln. Ihre Ausflugsziele lagen in der Bretagne, der Normandie und auch einen Sprung auf die britische Insel wagt die Autorin. Die Vielfalt französischer Märchen zeigt sich auch in weiteren spannenden Geschichten. "Der Mäuserich auf Brautschau" zählt zu den ältesten Erzählungen und auch der "Blaubart" gibt den Zuhörern seelische Nahrung. "Man kann Märchen nicht lernen, man muss sie verinnerlichen und zu eigen machen". Die Geschichte vom "Wolf und den 7 Geißlein" der Gebrüder Grimm ist eines dieser Angebote, über Gut und Böse nachzudenken. Schließlich verneigt sich Barbara Bredow vor "einer der größten Dichterinnen Frankreichs". Zu Gehör bringt sie eine kleine Auswahl aus den Sonetten der Louize Labè. Die Künstlerin rezitiert mit viel Lust über erotische Kostbarkeiten aus den Sonetten und endet mit "Himmlischer Musik".

Die kredenzt auch das "Trio Windberg" mit Markus Schlager (Oboe), Thomas Englberger (Klarinette) und Wolfgang Feneberg (Fagott). Fein abgestimmt auf die Geschichten erklingen Stücke französischer Komponisten aus den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. Mit ausgewählten Sätzen aus dem "Concert Champêtre" von Hen ri Tomasi, den "Cinq pièces en trio" von Jacques Ibert und der "Suite d'après Corrette" von Darius Milhaud kommentieren die Musiker die spannenden Geschichten.

Ist in den Märchen immer wieder die Rede von Rettung in letzter Sekunde, hört man auch in den musikalischen Beiträgen die Reiter galoppieren. Finden am Ende die Liebenden zueinander, schwelgt die Musik im Wohlklang. In dieser Verbindung zwischen dem Zauber der Liebe, dem Sieg des Guten und der Leidenschaft der Musik erleben die Zuhörer einen köstlichen, unvergesslichen Abend.
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