Lesung im Kloster Speinshart
Lauth setzt auf die leisen Töne

Ein Poeten-Nachmittag gehörte am Sonntag in Speinshart zum Kontrastprogramm der vielen Advents- und Weihnachtsmärkte in der Region. In seinen Gedichten und Geschichten erzählte Hans Günther Lauth (links) pointiert und hintersinnig vom Charakter des Oberpfälzer Menschenschlages. Musikalisch begleitet wurde die Lesung von Martin Betz (Bildmitte) und von Walter J. Pilsak (rechts). Bild: do
Kultur
Speinshart
30.11.2016
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Das Kontrastprogramm zum ersten Advent, zu Glühwein, Lebkuchen, Bratwürsten, Kunst und Krempel lief in Speinshart. Ein literarisch-musikalischer Nachmittag fesselte die Besucher im Musiksaal des Klosters.

Deutschland ein Einwanderungsland? Mitnichten. Aber: der Arzt in der Intensivstation war aus Tschechien, das Pflegepersonal kam aus Estland, der Orthopäde ist Bosnier, der Wirt ist Grieche und die Nachbargemeinde hat einen Pfarrer aus Indien. Pointiert, ironisch, dann wieder mit viel Witz und Herzblut erzählt Hans Günther Lauth am Sonntagnachmittag Alltagsgeschichten, stets mit wahrem Hintergrund. Er lenkt den Blick der Zuhörer aber auch auf gesellschaftliche Entwicklungen, die es zu hinterfragen gilt. Hintergründig macht es Lauth poetisch mit seinen Werken "Grenzlaut(h)e" und "Selbstlaut(h)e. Der Hobbydichter, Fotograf und Schriftsteller aus Wiesau begeistert in stilvoller Umgebung als begabter Schriftsteller und Erzähler. Einfühlsam begleiten Martin Betz (Gitarre) und Walter J. Pilsak (Akkordeon und steirische Harmonika) die Geschichten und Gedichte.

Flachwurzel-Oberpfälzer


Angetan haben es dem Neu-Stiftländer und Flachwurzel-Oberpfälzer, wie er selbst sagt, die Schönheiten der Oberpfälzer Landschaft. Seine Fotografien sind eine Augenweide. Fasziniert ist Lauth vom Charakter des Menschenschlages an den Grenzen zu Franken und Böhmen. Hans Günther Lauth hat viele kreative Seiten. Neben seiner Fotoleidenschaft und der bemerkenswerten bildenden Kunst ist es das Schreiben, das ihn dermaßen beflügelt, das daraus zwei Kostenbarkeiten Oberpfälzer Beobachtungen entstanden. Seine Gedanken bringt der Autor in den zwei Bänden "Grenzlaut(he)" und "Selbstlaut(he) unter die Leute.

Sie reimen sich nicht, gibt der Dichter zu. "Das können nicht viele. Wilhelm Busch war einer und Norbert Neugirg ist einer". Und: Lauth braucht Erlebnisse. Er kann nicht fiktiv arbeiten, wie er zugibt. Als größten Erfolg seines literarischen Schaffens nennt der Poet die Veröffentlichung eines seiner Gedichte im "Baierischen Poeticum", in dem Mundartgedichte aus 12 Jahrhunderten verewigt sind. Schmankerln aus seinen beiden Bändchen darf die Hörerschaft am Sonntagnachmittag genießen.

Hans Günther Lauth hat die poetische Stunde nach verschiedenen Themen gegliedert. Da geht es um Heimat, Alter und Tod, Weihnachtliches und Nachdenkliches. Gedichte, Kurzgeschichten und heimatliche Klänge wechseln sich ab. Auf die Adventszeit eingehend beleuchtet der Dichter die staade Zeit und erzählt Beobachtungen vom Weihnachtsmarkt.

Der Landarzt fehlt


Der Autor vermisst den Landarzt, erzählt über das Landleben und lobt die Integration in der deutschen Fußballnationalmannschaft: Özil, Boateng, Gómez, Gündogan, Mustafi oder Khedira - eines seiner Lieblingsgedichte ist die "Fußball-Weltmoasterschaft". Schließlich entdeckt Lauth die gelungene Integration in Bayern und stellt fest: "Bayerns Preußen sind die Besten".

Zwischendurch bereichert heimatliche Instrumentalmusik die Lesung. "A bisserl böhmisch" klingt's. Walter J. Pilsak, ein Künstlerfreund des Autors, lässt auf seiner Steirischen und mit dem Akkordeon Heimatliebe klingen. Begleitet wird er von Martin Betz. "Wo i dahoam bin und wous no an Zoigl gibt", die Heimat Oberpfalz wird hinter den Mauern der Prämonstratenser-Abtei zur Liebesbekundung. Die Hörerschaft ist begeistert. Die beiden Büchlein mit den hintersinnigen, zum Schmunzeln anregenden und dann wieder nachdenklichen Wortschöpfungen signiert der Dichter an Ort und Stelle.
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