Litauischer Pianist im Kloster
Hocherfreut und tief melancholisch

Der litauische Pianist Vadim Chaimovich erfüllte am Sonntagnachmittag im Musiksaal des Klosters Speinshart alle Ansprüche an ein Klavierkonzert mit "Poesie und Leidenschaft", so der Titel. Bild: do
Kultur
Speinshart
06.04.2016
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Musik ist die Sprache der Leidenschaft, sagte Richard Wagner. Thomas Englberger, Leiter der Internationalen Begegnungsstätte, nahm diese Leidenschaft auch für den Klaviernachmittag in der Begegnungsstätte in Anspruch. Ergänzt um die Poesie des Vortrages erfüllte das Klavierkonzert mit Vadim Chaimovich den Anspruch. Es war eine Freude, die Verbundenheit des Pianisten mit seinem Instrument zu erleben.

Der junge Künstler hinterließ in Speinshart Bewunderung. Mit Leichtigkeit spielte sich Vadim Chaimovich auch ohne Notenblätter, vielleicht auch deshalb, in einen Tonrausch. Domenico Scarlattis Sonaten in D-, C- und F-Dur verwandelte er in uneingeschränkten Hörgenuss. Wolfgang Amadeus Mozarts Klaviersonate F-Dur, KV 332 kam einem stimmungsvollen Frühlingserwachen gleich. Hochvirtuos verlieh Chaimovich der Mozartsonate einen dynamischen Abschluss. Noch vor der Pause setzte der Künstler mit der "Fanatasie in fis-Moll, op. 28" von Felix Mendelssohn Bartholdy einen wuchtigen Schlussakkord. Die als "Schottische Sonate" bekannte Fantasie versah Chaimovich mit famoser Klarheit. Schließlich rauschte das Presto als gewaltiger Kraftstrom dahin.

In der Folge verneigte sich der Pianist vor Peter Iljitsch Tschaikowski. In den Mittelpunkt rückte Chaimovich dessen romanisches Schaffen, besonders beeindruckend die "Jahreszeiten". Mit Gespür arbeitete der Künstler die karnevalistische Stimmung des Februars heraus. So wechselten kecke energische Motive mit sanften Melodienfolgen einander ab und vermittelten ausgelassene Stimmung. Sommerhitze und tiefe Melancholie zeichnete im Gegensatz dazu die Juni-Barkarole. Hochdifferenziert schuf Chaimovich schwermütige Stimmungen und phrasierte feinfühlige Dissonanzen. Stimmungsvoll schloss er Tschaikowskis Wanderungen durch die Jahreszeiten ab und zeichnete mit tänzerisch-fröhlichen Bewegungen des Stückes feierliche Weihnachtsstimmung berührend nach. Mit der Schlichtheit seines musikalischen Ausdrucks gewann Vadim Chaimovich bei der Hörerschaft zusätzliche Sympathien.

Vadim Chaimovich wurde 1978 in Vilnius (Litauen) geboren und begann seine Klavierausbildung im Alter von fünf Jahren. Bereits als Siebenjähriger absolvierte er erste Auftritte mit Kammerorchestern innerhalb der Sowjetunion. Seine Wettbewerbserfolge im Kindes- und Jugendalter setzte Vadim Chaimovich auch als Erwachsener fort, unter anderem beim Schubert-Wettbewerb in Dortmund, bei der Masterplayers International Music Competition in Lugano und bei der Kapell International Piano Competition in Maryland (USA). Für hervorragende künstlerische Leistungen erhielt er im Jahr 2003 den Förderpreis der Dresdener Stiftung für Kunst und Kultur.
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