Miaximilian Schnurrers Weihnachstgeschichte in der Speinsharter Klosterkirche
Herbergssuche auf stiftländisch

Maximilian Schnurrer, Ingrid Leser, Elfriede Dietrich und Marianne Schnurrer (von links) beeindruckten am Sonntagnachmittag in der Klosterkirche Speinshart mit ihrer "Heiligen Nacht" auf Stiftländisch. Bild: do
Kultur
Speinshart
15.12.2015
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Ludwig Thomas "Heilige Nacht" ist ein bayerischer Klassiker. Jetzt spielte die Geschichte der Herbergssuche und Geburt Jesu in der nördlichen Oberpfalz. Genau genommen im "schdaadn Woold" des Stiftlandes. Am Sonntagnachmittag beeindruckte Maximilian Schnurrer in der Klosterkirche Speinshart.

Zunächst geplant im Musiksaal der Prämonstratenser-Abtei, dirigierte Thomas Englberger, Leiter der Begegnungsstätte, die Besucher ins Schatzkästlein deutschen Barocks. Das Interesse war überwältigend. Schließlich war das Gotteshaus proppenvoll, als Thomas Englberger zum dritten Advent freudig-besinnliche Stunden wünschte.

Leser liest


Dutzende Male vertont und bearbeitet, vermutet jeder die "Heilige Nacht" im Tegernseer Land. Der Tirschenreuther Maximilian Schnurrer verwirklichte in mehrjähriger Arbeit das Kunststück, Ludwig Thomas Dichtung ins Stiftländische zu übertragen, in seine Muttersprache eben. Der Waldsassener schrieb auch die Musik zur Fassung. So sprach am Sonntagnachmittag die ungewöhnliche und anrührende Geschichte von der Herbergssuche Ingrid Leser, Heimatpflegerin im Landkreis Tirschenreuth. Musikpädagogin Marianne Schnurrer, Ehefrau von Maximilian, übernahm Akkordeon und Gesang. Elfriede Dietrich beeindruckte mit ihrer Alt-Stimme. Auf dem Oberpfälzer Dudelsack verinnerlichte Dichter und Komponist Maximilian Schnurrer das stiftländische Element der Nacht.

Einführende Worte sprach der Künstler. Mit einem "schöi, dass alle dou sads", begrüßte er das Publikum. Schnurrer gab zu: Anstrengend sei der Stiftland-Dialekt. Die weniger Sprachkundigen bat er schon im vornherein um Verständnis für des "Dazüln der heilichen Nachd" mit "fül stiftländisch und a bisserl böimisch". Überrascht zeigten sich die Besucher vom Hinweis, dass Ludwig Thomas Stammbaum nach Waldsassen reichte. Aktueller denn je sah Schnurrer die Handlung mit Blick auf die derzeitige Flüchtlingssituation.

Dann zeichneten erlesene und bewährte Persönlichkeiten in Wort und Gesang Ludwig Thomas "Heilige Nacht" in Stiftländisch nach. Ingrid Leser gestaltete mit hohem Sprachausdruck. Verständlich spielte Leser die klagende Maria als auch den ewig optimistischen Josef nach. Faszinierend die vielen Wortpassagen mit den weiteren Personen der Handlung. Marianne Schnurrer, Sopran und Akkordeon, und Elfriede Dietrich, Alt, unterstrichen eindringlich nach jedem Hauptstück die Bedeutung dieser wunderbaren Nacht. "Es mooch niat finsta wäan, es bleibt sua hell, woos äbba dees bedeit" fragten die Mitwirkenden "in dNacht eine".

Ein Volltreffer


Der Anspruch ging weit über Volksliedcharakter hinaus. Einer der Gründe, dass auch der Sender Bayern 2 des Bayerischen Rundfunks die "Heilige Nacht" auf Stiftländisch als astreine CD-Aufnahme produzierte. Ein Volltreffer, den am Sonntagnachmittag die Besucher im Originalton genießen durften. Freiwillige Spenden für die Klosterkirche wurden gerne angenommen. Die Fortsetzung fand die "Heilige Nacht" beim "Gaudete" und einem Apfelglühwein im Informationsbereich des Klosters.
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