Mit Papst zwischen Tür und Angel

Erika Rosenberg bewies, dass sie nicht nur Expertin für Emilie und Oskar Schindler ist, sondern auch Papst Franziskus sehr gut kennt. Bild: Stiegler
Kultur
Speinshart
10.04.2015
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Bekannt geworden ist sie mit ihren Büchern über Emilie und Oskar Schindler, in ihrem neuen Werk hat Erika Rosenberg einen neuen Weg eingeschlagen: Im Kloster Speinshart stellte die Autorin mit jüdischem Glauben vor zahlreichen Zuhörern ihr Buch über den katholischen Pontifex aus Argentinien vor.

Die in Buenos Aires geborene Autorin, deren Eltern jüdische Deutsche waren und bereits 1936 nach Argentinien geflohenen waren, nähert sich in ihrem Buch "Als ich mit dem Papst U-Bahn fuhr" dem Leben und Wirken von Papst Franziskus und vor allem auch dessen Zeit als Erzbischof von Buenos Aires an. Es ist ein persönliches Buch geworden - auch deswegen, weil es persönliche Begegnungen mit Jorge Mario Bergoglio waren, die sie zum Schreiben animiert haben.

Reaktionäre Kirche

Lebendig erzählt sie in Speinshart vom ersten Treffen mit dem damaligen Erzbischof von Buenos Aires. Es war 1998 in der Kathedrale, wo eine Gedenktafel für die Opfer des Holocausts gesegnet werden sollte und als Jüdin habe sie sich angesprochen gefühlt. "Die katholische Kirche in Argentinien war sehr reaktionär", erinnert Rosenberg die Zuhörer. Mit Stift und Block sei sie, die Journalistin, in der ersten Reihe gesessen und habe Vieles notiert, was Bergoglio während der Messe sagte. "Ich war absolut fasziniert von der einfachen, der verständlichen Botschaft des Erzbischof", sagt die Autorin.

Wenige Tage später habe sie den Erzbischof dann auch persönlich getroffen und sich mit ihm unterhalten - eben in der U-Bahn. "Ich fragte ihn, ob es wirklich eine Annäherung zwischen Christen und Juden gäbe." Die Antwort kam schnell, denn Bergoglio musste an der nächsten Station aussteigen: "Ein guter Christ ist kein Antisemit." Und als er die U-Bahn verließ, habe er sich nochmal umgedreht und winkte ihr zu. Die Wahl Bergoglios zum Papst habe schließlich bei ihr einen "innerlichen Drang" ausgelöst, ein Buch über ihn zu schreiben.

Es ist ein sympathisches Buch über Papst Franziskus geworden, ein Buch über einen Kirchenmann, "der den Menschen Hoffnung gibt und das Gefühl, dass sie etwas wert sind". Rosenberg blickt hinter das Papstamt, ihr geht es um den Menschen, der heute in der weißen Soutane steckt. Sie besuchte deshalb Weggefährten, Freunde und Familienangehörige Bergoglios. Den Papst selbst traf sie mehrmals bei Audienzen in Rom. Über seine Nichten in Argentinien war er stets gut über die Fortentwicklung des Buches informiert.

Rosenberg beschreibt die Kirchenlaufbahn des heute 78-Jährigen, zeichnet die Open-Air-Messen des damaligen Erzbischofs im Bahnhofsviertel bei den Armen, Schwachen, Prostituierten nach und erklärt, warum Bergoglio "seine" Priester in die Slums zu den Menschen schickte. Sie zitiert Feliciana, alleinerziehende Mutter von zehn Kindern: "Jorge hat uns gezeigt, dass Gott für alle da ist, nicht nur für die Reichen."

Trennung Kirche und Staat

Rosenberg blendet in ihrem Buch das politische Argentinien nicht aus. Gerade in der noch währenden Ära Kirchner habe sich die katholische Kirche von der Regierung getrennt. "Schuld" daran sei auch Bergoglio gewesen, der nicht müde geworden war, in seinen Predigten die Korruption im Land anzuprangern. Auch Bergoglios Verhältnis zur Militärdiktatur greift die Autorin ausführlich auf - mit dem Ergebnis, dass der Erzbischof nicht mit der Junta kollaboriert habe.

Rosenberg sieht in Papst Franziskus einen Kämpfer für den interreligiösen Dialog und die Toleranz zwischen den Glaubensrichtungen. Sie berichtet in Speinshart von dessen tiefgehender Freundschaft mit dem argentinischen Rabbi Skorka oder zeigt das symbolträchtige Foto von der Umarmung Papst Franziskus' mit eben Rabbi Skorka und dem Muslimen Omar Abboud vor der Klagemauer. "Unabhängig von den Religionen: Franziskus ist ein Papst für Alle", stellt die Jüdin fest. Er lebe so, wie er es auch predige.
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