„Reuthinquartett“ im Kloster Speinshart
Musik aus „Übergangszeiten“

Perlende Musik in ungewohnten Klangfarben und in außergewöhnlicher Besetzung genossen die Besucher beim Konzert des "Reuthinquartetts". Das Ensemble titulierte das Kammerkonzert als musikalische Europareise "Zwischen den Zeiten". Bild: do
Kultur
Speinshart
13.07.2016
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Draußen genossen die Speinsharter im kühlen Schatten der Kirchenmauer das Bürgerfest, drinnen im Musiksaal des Klosters wurde es schon ein bisschen "dampfig". Die Klassik-Freunde waren unter sich beim Konzert in ungewöhnlicher Besetzung. "Zwischen den Zeiten", so der Titel des Programms, führte das "Reuthinquartett" nach Speinshart. Alle Musiker sind Lehrkräfte an der Musikschule Wildberg im Nordschwarzwald. Gewidmet war das Konzert Komponisten, die in "Übergangszeiten" einen eigenen Stil entwickelt oder eine Form der Musik weiterentwickelt haben.

In der originellen Besetzung Blockflöte (Petra Roderburg-Eimann), Violine (Kaoru Minamiguchi), Kontrabass (Peter Falk) und Akkordeon (Ursula Staenglen) begaben sich Künstler auf eine Europa-Reise. Das Quartett schenkte den gut 60 Besuchern einen hochkarätigen Konzert-Nachmittag auf dem "Niveau von Rundfunk-Ensembles", wie eine Besucherin kommentierte. Kammermusik in ungewöhnlicher Besetzung kündigte Begegnungsstätten-Leiter Thomas Englberger an und versprach Musik überwiegend aus der Zeit zwischen Barock und Klassik.

Heiter und unbeschwert, der Tempovorgabe eines Allegro assai entsprechend, eröffnete das "Reuthinquartett" mit Johann Christian Bach den Spätnachmittag. Voller Harmonie liebkosten sich Violine und Blockflöte. Die Freude am Musizieren übertrug sich aufs andächtig lauschende Publikum. Der professionellen Virtuosität von Petra Roderburg-Eimann und Kaoru Minamiguchi standen Peter Falk und Ursula Staenglen nicht nach. Jubelnde Melodienbögen wechselten sich. Akkordeon und Kontrabass bildeten eine farbenreiche Begleitung zu den dominanten Solostimmen von Violine und Blockflöte.

Adalbert Gyrowetz schrieb um das Jahr 1800 herum sein Trio Nr. 2. Ihm werden melodientragende Bausteine für Violine und Flöte zugeschrieben, dem Kontrabass hingegen kommt eine ausgeprägte Mitgestaltung zu. Peter Falk zeigte nicht nur beim Allegro eine bewundernswerte Beweglichkeit. Beschwingt und tänzerisch kamen auch das Andante und das Rondo daher. Schon wieder ein Bach hieß es dann im positiven Sinn. Carl Philipp Emanuel Bachs Sonate G-Dur wies auf verwandte Züge zum Eröffnungsteil hin und ließ mit der klanglichen Fülle des Akkordeons aufhorchen. Zwischen diesen eher barocken Genüssen setzte das Quartett zwei moderne Tänze des Zeitgenossen Heinz Benker. Hier verstanden sich die vier Instrumente als gleichberechtigte Partner. Einfach köstlich die tänzerischen Passagen.

Mit einer Sonata von Carl Starnitz (1746-1801) versetzte das Ensemble die Hörerschaft in die vertraute Klangwelt vor 1800 zurück. Ob im Moderato, im Andante moderato oder im perlenden Rondo, das Quartett verstand es, stets das Melodische zu betonen. Das galt auch für das Concerto op. 2 von Nicola Antonio Porpora, einem weniger bekannten Komponisten aus Neapel. Doch sein um 1750 entstandenes Werk atmete ähnliche Würde, Freude und Eleganz, wie sie der Barockzeit eigen war und sorgte, ergänzt durch das virtuose Musizieren der Künstler, für einen entspannt-heiteren Ausklang. Dem langanhaltenden Beifall folgte eine betont beschwingte Zugabe.
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