Schieb, Petrok und Krombach stellen „Literarischen Reiseführer“ im Kloster Speinshart vor
Wo Kafka und Goethe kuren

Stellten in Speinshart den Literarischen Reiseführer "Böhmisches Bäderdreieck" vor (von links): Václac Petrbok, Tanja Krombach, Roswitha Schieb sowie Thomas Englberger, Leiter der Internationalen Begegnungsstätte. Bild: Stiegler
Kultur
Speinshart
30.06.2016
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Das böhmische Bäderdreieck Karlsbad-Marienbad-Franzensbad ist nicht nur heute ein lohnendes Ziel für Ausflüge. Auch Johann Wolfgang von Goethe wusste Karlsbad zu schätzen - nachzulesen in einem "Literarischen Reiseführer", der am Dienstag in der Internationalen Begegnungsstätte Kloster Speinshart (Kreis Neustadt/WN) vorgestellt wurde.

Wer kurt, der braucht Humor. So lässt sich Mark Twains Essay aus dem Jahr 1892 zusammenfassen, in dem er über seinen Aufenthalt in Marienbad berichtet. "Sie versuchen, alles zu kurieren: Gicht, Rheuma, Magerkeit, Fettleibigkeit, Auszehrung und den ganzen Rest", schreibt er in seinem Reisebericht, den er "Eine österreichische Gesundheitsfabrik" nennt. Mit satirischen Seitenhieben umreißt er, was zu einer richtigen Gichtbehandlung gehört: frühes Aufstehen, Betrachten von Tee, Schlammwälzen, Dinge essen, die man nicht mag, frühes Schlafengehen. "Am nächsten Tag beginnt alles wieder von neuem. Ich sehe keinen Vorteil darin im Vergleich zur Gicht", stellt Twain abschließend fest.

Kraft der Heilquellen


Dies und noch mehr erfährt der Leser in dem neu erschienen Reiseführer. Appetit auf das 350-Seiten-Buch machen die Autoren Roswitha Schieb und Václac Petrbok sowie Tanja Krombach vom Deutschen Kulturforum östliches Europa als Herausgeber des Werkes. "Kein anderes Bild fast einen Kurort treffender als die Theatermetapher", stellt Schieb fest. Dort bilden dann Kursäle, repräsentative Hotels und Promenaden die Bühne, die Kurgäste fungieren als Schauspieler und Publikum, das gleichbleibende Stück sei die vitale Erneuerung des Kurgastes durch die Kraft der Heilquellen. "Tatsächlich eignet Kurbädern der Charakter eines Theaters, eines Weltmodells im Miniaturformat", so Schieb.

Gegliedert ist das Buch in drei umfassende und ausführliche Spaziergänge durch die jeweiligen Kurorte, in denen Goethe und Kafka, Karl Marx und Arthur Schnitzler, Sigmund Freud und Marie von Ebner-Eschenbach zu Wort kommen, aber auch Vertreter der tschechischen Literatur wie Jan Neruda oder Božena Nemcová. Auf den Spaziergängen begegnen dem Leser wiederholt verschiedene Motive, die die Besonderheiten der böhmischen Bäder und der Kursituation ausmachen.

"Immer wieder wird aber auch die Illusion der behaglichen, weltabgewandten Abgeschlossenheit durchbrochen", betont Schieb und verweist darauf, dass in Bädern durchaus auch Politik betrieben wurde. Sie erinnert an die Charakterisierung von Karlsbad als "Schachbrett Europas" durch den Vormärz-Dichter Heinrich Laube.

Deutlich machen soll das Buch auch, wie die Bäder nach dem Zweiten Weltkrieg zum Teil verfielen, zum Teil aber auch künstlerische Treffpunkte wurden. "Die Spaziergänge verknüpfen die Fülle berühmter und auch unbekannterer literarischer Äußerungen mit der Topographie und weisen zugleich über den lokalen Bezug hinaus", erklärt Schieb.

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Roswitha Schieb, Václac Petrbok, Tanja Krombach:"Literrischer Reiseführer Böhmisches Bäderdreieck", 19,80 Euro, Potsdamer Bibliothek östliches Europa-Kulturreisen, Potsdam 2016, ISBN 978-3-936168-59-4.

Kein anderes Bild fast einen Kurort treffender als die Theatermetapher.Autorin Roswitha Schieb
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