Schwungvolles aus Fernost

Zum Auftakt der diesjährigen Speinsharter Sommerkonzerte begeistert am Mittwochabend das Orchester "Siam Sinfonietta" unter Leitung von Somtow Suchartikul und Trisdee na Patalung die Zuhörer mit thailändischen Klängen. Bild: Stiegler
Kultur
Speinshart
07.08.2015
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Der Name lebt weiter, auch wenn es die Staatsbezeichnung als solche schon lange nicht mehr gibt: Siam. Dass der Begriff Siam auch künftig in aller Munde sein wird, dafür sorgt zweifellos das Orchester "Siam Sinfonietta" im Speinsharter Kloster.

Zum Auftakt der diesjährigen Speinsharter Sommerkonzerte am Mittwochabend gaben die Musiker unter Leitung von Somtow Suchartikul und Trisdee na Patalung ihre musikalische Visitenkarte in der Klosterkirche ab. Zum sechsten Mal gehen in diesem Jahr die Speinsharter Sommerkonzerte über die Bühne, die Kooperation zwischen der Internationalen Begegnungsstätte und dem Festival Junger Künstler Bayreuth hat mittlerweile einen alljährlichen Konzertreigen entstehen lassen, der aus der Region nicht mehr wegzudenken ist.

60-köpfiges Orchester

In dieser Reihe wandelt es sich auch in diesem Jahr wieder abseits ausgetretener Pfade - das Eröffnungskonzert macht dies eindrucksvoll deutlich. Das 60-köpfige Orchester, jung sowohl in der Besetzung wie auch im Bestehen (seit 2010), verzaubert die Zuhörer mit einem Querschnitt aus Werken bekannter Komponisten, aber auch mit thailändischen Klängen.

Opulent geht es los, mit der Ouvertüre zu Ludwig van Beethovens "Die Weihe des Hauses" machen die Musiker und ihr Dirigent gleich deutlich, dass sie über ein tiefes Verständnis der europäischen Klassik verfügen. Das Orchester begeistert hier bereits mit einer ungeheuren Leichtigkeit im Spiel, die sich durch den gesamten Konzertabend zieht. Zum Großteil ist dies dem Dirigenten Somtow Suchartikul zu verdanken, dessen Auftreten den Musikern die nötige Gelassenheit vermittelt. Als Beobachter kann man den Eindruck gewinnen, dass der Maestro über die Leistung seines Ensembles genauso begeistert ist wie es die Zuhörer in dem sehr gut gefüllten Gotteshaus sind.

Fremd für deutsches Gehör

Bereits das zweite Werk des Abends stammt aus der Feder des Dirigenten, der sich auch als Verfasser von Science-Fiction- und Horror-Romanen einen Namen gemacht hat. Zum 60-jährigen Krönungsjubiläum des aktuellen thailändischen Herrschers hat er die Oper "Ayodhya" verfasst, daraus kommt die Arie "I am the Daughter of Earth" zur Aufführung. Solo-Sopranistin Nadlada Thamtanakom demonstriert hier ihre Stimmkraft auf bestechende Weise - so wie sie es im Konzert noch mehrmals wiederholen wird, beispielsweise in Richard Wagners "Träume" aus den Wesendonck-Liedern. Auch der zweite Dirigent des Abends - Trisdeena Patalung - ist als Komponist tätig, einen Ausschnitt aus dessen Werk dürfen die Zuhörer ebenfalls mitnehmen. Für europäisch geprägte Musikohren mag Einiges vielleicht fremd klingen, was in Thailand komponiert wird. Doch es eröffnet auch neue Horizonte, nicht selten schwungvoll, dynamisch und mitreißend.

Das Herz und die Seele für Neues öffnen - das ist den Speinsharter Sommerkonzerten in den vergangenen Jahren gelungen. Und so auch mit dem Orchester "Siam Sinfonietta": Die Laune der Zuhörer ist nach den letzten Klängen des Werkes überaus gut, was sich in Standing Ovations für das Ensemble niederschlägt.
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