Solistinnen Martina Trumpp und Angela Metzger begeistern mit sanfter Orgelmusik und virtuosen ...
Bedächtige Macht der Musik

Strahlend und beseelt von zeitloser Musik beeindruckten die Solistinnen Martina Trumpp (Violine) und Angela Metzger (Orgel) bei einem Konzert in der Klosterkirche. Bild: do
Kultur
Speinshart
06.09.2016
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Als der estnische Komponist Arvo Pärt 1980 für immer die damalige Sowjetunion verließ, befahlen ihm die Grenzer, sein Gepäck zu öffnen und, als sie darin Noten und Tonträger fanden, etwas hören zu lassen. Die Grenzbeamten sollen hin und weg gewesen sein. Wie doch die Macht der Musik Menschen verändert. Am Sonntagabend beeindruckt eine Pärt'sche Komposition auch die Besucher des Klassikabends in der Klosterkirche Speinshart.

Martina Trumpp (Violine) und Angela Metzger (Orgel) setzen in der altehrwürdigen Abteikirche auf die "Ewigkeit". Die beiden Künstlerinnen erinnern mit Musik, die schon fast aus der Zeit gefallen ist, an "Musik für die Ewigkeit", so der Untertitel des Konzerts. Das Gotteshaus wird zu einem Wellnessraum für die Seele.

Schon das Motto "Fratres" setzt Ausrufezeichen. Zwei Klosterbrüder tragen diesen Titel. Mutig betreten Martina Trumpp und Angela Metzger mit Arvo Pärts Komposition in ungewohnter Instrumentalbesetzung Neuland. "Fratres" mit Orgel und Violine als Soloinstrumente, ein Genuss. Mittelalterliche Musik eines 1935 geborenen Genies wird zur würdevollen Prozession auf dem Weg zur Messe. Das direkte Ergebnis: archaisch klingende Variationen und psalmenartige Eleganz, die schließlich mit spiritueller Inbrunst einem leidenschaftlichen Höhepunkt entgegenstrebt. Mit allmählich abnehmender Intensität und Emotionalität finden Violine und Orgel zurück zu einer friedvollen und spirituellen Ruhe. Dabei beginnt das gut eingespielte Duo bedächtig.

Die berühmte Chaconne aus der Partita d-Moll von Johann Sebastian Bach, die Violinistin Martina Trumpp zum Thema des Abends auswählt, gehört zum Tiefgründigsten, was Bach geschrieben hat. Spannungsgeladen variiert die Geigerin die d-Moll-Kadenzen und fesselt mit starken Intervallen.

Mitreißender Elan


Die Improvisation ist für viele die Königsdisziplin des Orgelspiels, denn diese augenblicksbezogene Kunst ruft nach Kreativität. Kunst und Vergnügen vereinigen sich bei Metzgers virtuosem Spiel des Tirilierens und Jubilierens. Mit Bachs Präludium und Fuge C-Dur entwickelt Angela Metzger an der schwierig zu bespielenden Orgel der Klosterkirche einen mitreißenden Elan.

Man spürt und sieht, mit welcher Leichtigkeit die junge Organistin das Anspruchsvolle "von Hand und Fuß" geht. Was wäre ein musikalisches Fest für die Ewigkeit ohne Antonio Vivaldi. Mit "alter" Musik des berühmten Komponisten findet das Duo den richtigen Ton. Geigerin und Organistin bezaubern im Dialog mit Vivaldis Sonate für Violine und basso continuo a-Moll. Beide demonstrieren differenzierte Lebendigkeit und Klangpracht. Trumpps und Metzgers Spiel verschmilzt in einem exzellenten Zusammenspiel mit sich fließend verändernden Klangbildern. Hörbar wird die klangliche Vielfalt der Klosterorgel auch mit weniger bekannten alten Klassikern. Dem begeisterten Beifall der Besucher folgt ein "Bach". Das Konzert macht Appetit auf die kommenden musikalischen Angebote in der Klosterkirche Speinshart.
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