Spessart in Speinshart
Sürmisches Wetter, stürmischer Applaus

20 000 Gulden Lösegeld fordert der ehrbare Räuberhauptmann (Holger Popp, Dritter von rechts) zur Freilassung der Grafentochter. Der Erpressungsversuch findet ein glückliches Ende, allerdings nicht im Hof vor dem Kloster....
Kultur
Speinshart
28.06.2016
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.... wegen des drohenden Unwetters gab es das Happy End auf der Bühne des Gemeindesaals. Bilder: do (2)

In Sachen Schauspiel hat das Landestheater Oberpfalz (LTO) längst einen Namen, in Sachen Logistik auch. Beim Wirtshaus in Spessart baute das Ensemble in Speinshart einen kompletten Umzug ein.

Eigentlich konnte das nicht gut gehen. Finsterer Wald, ein ideales Terrain für Räuber und Banditen, eine junge Comtesse, die in einem zweifelhaften Quartier nächtigen muss, lüsterne Blicke schillernder Gäste und eine Forderung von 20 000 Gulden, die Graf Sandau einem Edelmann schuldet. Was in der Räuberpistole "Das Wirtshaus in Spessart" als Moritat beginnt, wird zur Verwechslungskomödie.

Die Comtesse mischt kräftig mit, die Räuberbande hinters Licht zu führen und ihrem Vater, dem Grafen, die Gulden zu entlocken. Zu den Turbulenzen gesellen sich in Speinshart die Urgewalten der Natur. Bald weichen Sonnenuntergang und Gezwitscher der Amseln dunklen Wolken. Eine erste Böe erinnert an die Unwirtlichkeit des Spessarts und vor der Zuschauertribüne neigt sich der Kirwabaum bedrohlich. Die Schlussfolgerung: Kirchenasyl oder eine Fortsetzung im Gemeindezentrum? Bürgermeister Albert Nickl und Regisseurin Marlene Wagner-Müller entscheiden sich fürs Gemeindezentrum. Der "Räuberpistole" folgt ein Husarenstück. Wahrlich in Windeseile gelingt der Umzug, viele Speinsharter packen an, das Publikum nimmt's gelassen. Nach 45 Minuten brillieren die LTO-Künstler wieder.

Basierend auf dem Film-Hit aus dem Jahr 1958 mit Lieselotte Pulver und der Musical-Fassung gehen Regisseurin Marlene Wagner-Müller und musikalischer Leiter Holger Popp neue Wege. Sie inszenieren aus der bekannten Geschichte eine verständliche und köstliche Handlung, in der die Grafentochter Franziska in Räubershände fällt. Doch einfallsreich tauscht sie mit einem Handwerksgesellen die Kleider, wird als "Franz" in die Bande aufgenommen und verliebt sich in den Räuberhauptmann. Eine hinreißende und spannende Handlung. "Das Wirtshaus in Spessart" wird zum heiteren Operetten-Abend. 23 Darsteller und Sänger in 61 Rollen begeistern mit professioneller Schauspielkunst.

Da poltert, droht und schmeichelt Hauptdarstellerin Sophia Scherm als burschikose Comtesse. "Schluckspecht" Baron von Sperling (Helmut Schindler) geht auf in der Rolle des biederen Verlobten. Der Räuberhauptmann (Holger Popp) verzückt als Gentleman, Reinhard Kausler erinnert als Obrist an preußische Soldatentugenden und Peter Hösl gehört als furchtsamer Pfarrer zu den schauspielerischen Farbtupfern. Seine Bonmots werden zu Aufregern. "Der Herr nahm Adam eine Rippe und schuf die Frau. Bei dieser krummen Rippe wundert es niemand, das man das Zölibat eingeführt hat." Ja, die kreativen Wortspiele, etwa "lieber Räuber zu sein und leben als ein Graf sein und tot", ermuntern zu Lachsalven. Dazu trägt auch die aufbrausende Räubertruppe bei. Sie beeindruckt ein ums andere Mal mit donnernden Drohgebärden. Ihre Gesangseinlagen, etwa "Wie herrlich, gefährlich ein Räuber zu sein" werden zu Ohrwürmern. Selbstverständlich kommt die Entführung zum glücklichen Ende. Der Erzähler (Tobias Schmauß) stellt fest: "Heute gibt's keine Räuber mehr". Wer's glaubt?!

Die Vorschusslorbeeren von Albert Nickl "Das Landestheater Oberpfalz spielt in der Champions-League professioneller Theaterbühnen" bestätigt das Publikum mit enthusiastischem Schlussbeifall und Regisseurin Marlene Wagner-Müller versichert: "Wir kommen wieder. Unser Herz schlägt für tolle Oberpfälzer."
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