Tango-Festival im Musiksaal des Klosters Speinshart
Leidenschaft im Blut

Ob mit viel Melancholie vorgetragen oder mit feuriger Lebenslust - das Duo Fracanapa, bestehend aus Susanne Hofmann (Violine) und Matías Gonzalez (Bandoneon), brachte neue und überraschende Töne in den Musiksaal von Kloster Speinshart. Bild: do
Kultur
Speinshart
16.05.2017
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Tango in barocker Umgebung, passt das zusammen? Es passt, und wie! Im Musiksaal der Internationalen Begegnungsstätte Kloster Speinshart schenken die feurigen südamerikanischen Melodien dem Publikum magische Momente. Bandoneon und Violine verbünden sich zu verführerischen musikalischen Reibungen.

(do) Im Zuge des 10. Oberpfälzer Tango-Festivals verzauberte das Duo Fracanapa mit Susanne Hofmann (Violine) und Matías Gonzalez (Bandoneon) im restlos gefüllten Musiktempel des Klosters mit Tango-Klängen. Eine Glut der Leidenschaft übertrug sich schon zur Tea-Time auf die faszinierte Hörerschaft. Es war alles ein wenig anders an diesem Nachmittag: kein freier Platz, zwei Künstler, die sich einer bezaubernden Weltmusik hingaben, und ein ob des meisterlichen Vortrages verzücktes Publikum

Schon die ersten Töne brachten ein Flair von Weite, Lebensfreude, Poesie und Sehnsucht in den Saal, während draußen bei frühsommerlichen Temperaturen der Donner grollte. Fortan war das Publikum hin und weg von intensiv zelebrierter Tango-Seligkeit zwischen Momenten des "Stillstands" und aufschwingenden Sehnsüchten der verführerisch klingenden Geige und des wandlungsintensiven Bandoneons.

Es war aber nicht immer leichte Kost, die das Duo Fracanapa kredenzte. Zwischendurch war, um den argentinischen Melodienreigen besser zu verstehen, Aufklärung durch Susanne Hofmann von Nöten. Besonders die Raffinesse des Bandoneons mit seinen vielen spannungsreichen Kontrastmöglichkeiten weckte Interesse. Einsamkeit, Wehmut, Traurigkeit, aber auch Sinnlichkeit und Ausgelassenheit entlockte Matías Gonzalez mit melancholisch gefärbter Tiefe und rhythmischer Poesie seinem Instrument.

Die Vielfalt der Titel war beeindruckend. Dass die Werke von Astor Piazolla, dem legendären Bandoneonisten, sehr fröhlich und ausgelassen sein können, betonte das Duo schon mit "Lo gre Vendra". Piazolla war es, der den Tango mit seinen traurig-schönen Interpretationen von der Straße und aus den Bars in die Konzertsäle holte.

Doch auch weitere berühmte Tango-Komponisten fanden Aufnahme in die dicke Notenmappe der Künstler. So erklangen "Mi refugio" von J.C. Caban und "En las sombras" von C.S. Mora im Musiksaal sowie temperamentvolle Wiedergaben und Charakterspitzen eines "Don Quixote" (Georg Philipp Telemann) und sprudelnde Kompositionen von Luigi Boccherini. Strahlend und berührend schön vervollständigten weitere Werke den melancholischen Charakter des Nachmittags. Zum Abschluss der genussreichen Stunden erklatschte sich das Publikum zwei Zugaben.

Als KammermusikMit dem Oberpfälzer Tango-Festival, dessen Gründerin Susanne Hofmann ist, verfolgt das Duo Fracanapa die Idee, den Tango als konzertante Kammermusik zu verstehen und aufzuführen. So wird am 18. und 19. Juni in Vohenstrauß ein Workshop für Tango-Orchester angeboten. Matías Gonzalez ist mit solchen Ensembles weltweit auf Konzertreisen. Bekannt wurde der Künstler besonders mit seiner Eigenkomposition "Estaciónes Piazolla". (do)
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