Aufklärungsunterricht

Die Greening-Vorgaben und die Freistellungs-Voraussetzungen produzieren ein Wirrwarr an Auflagen und Zahlen.
Lokales
Speinshart
15.12.2014
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Nach Speinshart hatte der Bauernverband Landwirte aus den Bereichen Grafenwöhr und Eschenbach geladen. Auf der Tagesordnung: Greening-Verordnung. Der sind die Landwirte gar nicht grün.

Auf Einladung des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) stand nach einem insgesamt guten Erntejahr Durchschnaufen an. Doch die Zeit bleibt nicht stehen. Erst recht nicht in der Landwirtschaft. Nichts gedeiht von selbst. Schon warten auf die "Feldherren" neue Herausforderungen.

Ohne Not

Der Milchpreis rauscht in den Keller, das urbayerische Wort "Greening-Check" bereitet den Bauern Kopfzerbrechen und damit verbunden halten viele Bauernfamilien die zunehmende Regulierungswut und deren Folgen für untragbar. "Manchmal ohne sachliche Not führen Bürokratie-Ungetüme wie zum Beispiel Düngeverordnungen zur Gefährdung der kleinstrukturierten bayerischen Landwirtschaft", kritisierte BBV-Geschäftsführer Hans Winter bei der Gebietsversammlung im Gemeindezentrum Speinshart. Das Bildungswerk des BBV sieht sich deshalb in die Pflicht genommen, die BBV-Mitglieder aufzuklären, zu beraten und gemeinsam mit den Bauern für eine praxisgerechte Landwirtschaft einzutreten.

Besonders das Thema des Greenings zur Neuregelung der Betriebsprämien ab 1. Januar 2015 stand deshalb auf Einladung des BBV-Ortsobmannes Gerhard Walter im Mittelpunkt des Informationsabends. Christian Pschierer, Vorstandsmitglied des BBV-Kreisverbandes und anerkannter Landwirtschaftsexperte, erläuterte den zirka 40 Landwirten die Umsetzungsdetails. Als Kernpunkte nannte der Redner das Umbruchsverbot für Dauergrünland, eine Anbaudiversifizierung zum Erhalt der Anbauvielfalt und die künftige Ausweisung ökologischer Vorrangflächen. Christian Pschierer gab zu: "Die Greening-Vorgaben und die Freistellungs-Voraussetzungen produzieren ein Wirrwarr an Auflagen und Zahlen". Jeder Betrieb sei deshalb individuell und damit zeitaufwendig zu bewerten, bemerkte der Experte. Pschierer empfahl Einzelberatungen durch geschulte Fachleute nach Vereinbarung mit der BBV-Geschäftsstelle. Als Endergebnis des Checks erhalte jeder Landwirt einen schriftlichen Bericht über seine persönliche Betriebssituation.

Sachkundenachweis

Im weiteren Verlauf seines Vortrages versuchte Christian Pschierer, den Landwirten das bunte Durcheinander an Förderbedingungen und Zuwendungen, Befreiungsmöglichkeiten von Anbaupflichten, Umbruchverbote und die Ökoflächenbilanz näher zu bringen. Hinweise bei Betriebsübernahme von Junglandwirten, die Eckpunkte der neuen Düngemittelverordnung und die Quotenausnutzung des Milchmarktes ergänzten den Vortrag. Weitere Ausführungen galten der Fortbildung und dem damit verbundenen Sachkundenachweis "Pflanzenschutz" und Kompaktinformationen zu Meldefristen.

Den "Kompetenz-Anspruch aus erster Hand" des Bayerischen Bauernverbandes unterstrich BBV-Geschäftsführer Hans Winter mit Informationen zum neuen Vorschuss-Verfahren der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften. Hintergrund sind die Vereinheitlichung des Beitragseinzugs des Sozialversicherungsträgers, neue Berechnungsgrundlagen für die Versicherungsbeiträge und die Vorleistungspflicht der Berufsgenossenschaften bei Arbeitsunfällen. Als Eckpunkte der Neuregelung nannte Hans Winter höhere Beitragsvorauszahlungen, zum Beispiel als ersten Vorschuss 40 Prozent des Jahresbeitrags schon am 15. Januar 2015 und die Erteilung eines SEPA-Lastschriftmandates. Ohne Lastschrifterklärung werde am 15. Januar 2015 schon ein Abschlag in Höhe von 80 Prozent des Zahlbetrages fällig.

Kein Lehrgang, kein Sachkundenachweis, kein Bestandsschutz. Hans Winter empfahl in seinen weiteren Ausführungen den Landwirten deshalb dringend den Besuch eines Sachkundelehrganges. Sonst drohen der Verlust zur Berechtigung der "Pflanzenschutzausübung" und die Verpflichtung zur erneuten Pflanzenschutz-Sachkundeprüfung. Schließlich informierte Hans Winter über die wesentlichen gesetzlichen Neuregelungen im "Rentenpaket" und die Verbesserung der Reha-Leistungen der Sozialversicherungsträger.
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