Cello-Kunst in Vollendung

Lokales
Speinshart
05.06.2015
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Mit geschlossenen Augen, an sein Cello geschmiegt, saß Christoph Heinlein vor dem innig lauschenden Publikum und musizierte. Und die Zuhörer schwelgten verzückt im singenden Klang des Instruments.

Im barocken Ambiente des Musiksaals der Internationalen Begegnungsstätte Kloster Speinshart faszinierte Heinlein mit Kostproben aus den Suiten "per violoncello solo senza basso, c-Moll" von Johann Sebastian Bach. Der junge und doch schon international bekannte Cellist aus Erlangen lauschte dabei in sich und in das Cello hinein. Denn der begabte Musiker hatte für das Konzert vermutlich das Höchste und musikalisch Faszinierendste im Repertoire dieses Streichinstruments gewählt: Die Interpretation ist eine Art "Meisterstück" eines jeden Cellisten.

Bereits im zarten Alter von sechs Jahren war Heinlein über das Violinspiel zum Cello gekommen. Schon während der Schulzeit an der Hochschule für Musik in Würzburg konzentrierte er sich auf das Cellostudium und beendete es im Jahr 2012 mit der künstlerischen Diplomprüfung. Seitdem macht der junge Musiker mit einer regen Konzerttätigkeit auf sich aufmerksam.

Dabei legt er stets Wert darauf, dem Publikum Hintergründe zu Werk und Interpretation auf anschauliche und unterhaltsame Art näher zu bringen. So auch in Speinshart: Der Auftritt des Cellisten ähnelte einem charmanten "Gesprächskonzert" und verstärkte damit den sehr intimen Charakter des Nachmittags und die Intensität des Hörerlebnisses.

Auf dem Programm standen neben den Werken von Johann Sebastian Bach fulminante Fugen und Passacaglia von Benjamin Britten und William Walton, die - jeder zu seiner Zeit und auf seine Weise - Wege suchten, die Möglichkeiten des Cello darzustellen und zu erweitern. Die "Krone" gehörte dabei ganz selbstverständlich den Bach'schen Suiten. Leidenschaftlich vertiefte sich Christoph Heinlein in dessen Welt, ließ sein Cello jubeln, singen und manchmal auch weinen und klagen. Kraftvolle Passagen von intensiver Spannung wechselten mit wunderbar lyrischen Momenten.

Der Künstler ergänzte die manchmal puristische Strenge Bach'scher Musik mit nuancierten Klängen aus den Cello-Suiten in c-moll. Genüsslich präsentierte er die "Passacaglia for solo" von Walton und die erste Fuge aus der "Suite for Cello" von Benjamin Britten.

Zu den Höhepunkten des Konzerts gehörten zudem die wilden Klanggemälde aus Brittens "Third Suite for Cello, VI. Fuga und IX. Passacaglia". Technische Grenzerweiterungen waren Mitte des vergangenen Jahrhunderts Ziel fast jedes Komponisten. Auch Britten verlangte dem Cellisten Äußerstes ab, was Heinlein bei "Ciaconna" hinreißend umsetzte.

Der junge Künstler bot in Speinshart totale Cello-Kunst. Das Musikerlebnis hätte einen größeren Hörerkreis verdient.
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