Der lange Weg zur Nähe

Chor und Ensemble des 65. Festivals Junger Künstler Bayreuth unter Leitung von Fred Sjöberg setzen in der Speinsharter Klosterkirche Larry Nickels "Requiem for Peace" trefflich um. Bild: Stiegler
Lokales
Speinshart
14.08.2015
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Musik allein schafft keinen endgültigen Frieden auf der Welt. Aber sie kann appellieren und warnen - und zum Umdenken animieren: So wie Larry Nickels "Requiem for Peace" in der Speinsharter Klosterkirche.

Es geht um Vergebung und Versöhnung. Aber auch um Krieg und das Leid des Krieges ("War, and the pity of War") - in bester Tradition des Dichtersoldaten Wilfred Owen und des Komponisten Benjamin Britten ("War Requiem"). Mit dem "Requiem for Peace" ist dem zeitgenössischen kanadischen Komponisten Larry Nickel ein Meisterwerk gelungen. Das können auch die rund 300 Zuhörer in der Speinsharter Klosterkirche bestätigen: Am Mittwochabend werden sie Zeugen einer durch und durch perfekten Aufführung bei den "Speinsharter Sommerkonzerte" - präsentiert durch den Chor und das Ensemble des 65. Festivals Junger Künstler Bayreuth unter der Leitung von Fred Sjöberg.

Unzählbare Konflikte

Musikalische Appelle für den Frieden und gegen den Krieg tun sich in der Realität schwer: Die Konflikte weltweit sind unzählbar, die täglichen Toten, welche die Medien vermelden, sprengen immer wieder die Vorstellungskraft. Die Wirklichkeit ist weit entfernt von "Fratres in Unum", wie es zum Auftakt des Requiems heißt. Das weiß natürlich auch Komponist Larry Nickel, der bei der Aufführung in Speinshart anwesend ist.

Dies nimmt aber nichts von der nachhaltigen Erinnerung daran, wie verschiedene Völker und Nationen in der Vergangenheit gelitten haben und dies in der Gegenwart tun. Und es - auch wenn es im Requiem ungesagt bleibt - künftig tun. Doch schon allein Aufbau und Struktur des Werkes machen einen Weg des friedlichen Mit- und Nebeneinanders erkennbar. Zusammengesetzt aus Gedichten und Versen in verschiedenen Sprachen versprüht Nickels Werk seinen internationalen Charakter: Neben der lateinischen Liturgie sind andere Sprachen zu Hören: Hebräisch, Farsi, Arabisch, Mandarin, Japanisch, Französisch, Niederländisch, Russisch, Deutsch und Englisch - diese Vielfalt schafft eine besondere Nähe. Eine Nähe in der Musik, die es in der Welt noch nicht gibt.

Der Chor, der sich aus Sängern aus Schweden, Griechenland und Kanada zusammensetzt, setzt in Speinshart Maßstäbe: Ein Klangkörper, der das Werk mit all seinen Klippen glänzend umsetzt. Die Sopranistin Gunnel Sjöberg (Ehefrau des Dirigenten), Altistin Cathy Merkel und Bariton Lars Edling, die sich in das Ensemble hervorragend einfügen und sowohl als Solisten, im Duett oder zu dritt für starke Akzente sorgen. Die Instrumentalisten, die mit ihrem facettenreichen Spiel die Verschiedenartigkeit des Gesamtwerkes und seiner Einzelteile betonen. Und natürlich Dirigent Fred Sjöberg, der alles zu einem dynamischen und berührenden Werk zusammenführt.

Dummheit des Krieges

Es wird gesungen über die Dummheit des Krieges ("Bêtise de la Guerre" nach Victor Hugo), über die tödliche Wirkung von Bajonetten ("Dvatsit Vosyem Shtikovich" nach Anna Akhmatova), über die Tränen von Hiroshima ("Hiroshima Lacrimosa" nach Toge Sankichi) bis hin zum hoffnungsvollen "Agnus Dei". Das "Requiem for Peace" allein wird sicherlich nicht den Weltfrieden bringen, aber es erinnert an einen Gedanken Immanuel Kants: "Der Friede muss gestiftet werden, er kommt nicht von selber!" Standing Ovations und Bravo-Rufe in der Klosterkirche unterstreichen dies.
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