Die Seele zum Klingen bringen

Romantik pur herrschte beim Märchenabend in der Wieskapelle. In heimeliger Atmosphäre trug Edeltraud Forster Geschichten und Erzählungen frei vor. Dazu eingeladen hatte der Katholische Frauenbund. Bild: do
Lokales
Speinshart
23.11.2015
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Im flackernden Licht der Kerzen versprühte die barocke Wieskapelle Wärme und tiefe Vertrautheit: Der Zauber des Advent war schon deutlich zu spüren. Beim Themenabend des Katholischen Frauenbundes zog Edeltraud Forster mit ihren Märchen ein großes Publikum in ihren Bann.

Geschichten über das Leben und die Liebe, von Freud und Leid und vom immerwährenden guten Ende faszinierten die Besucher. Bei Apfelglühwein, Häppchen und Weihnachtsgebäck lauschten gut 40 Frauen und 4 Männer den Erzählungen und Legenden.

Die Besucher tauchten dabei ein in eine Welt voll Wunderbarem und Skurrilem, voller Legenden und Volksweisheiten. Die dabei vermittelten Botschaften enthielten Ratschläge und verkündeten Lebenskunst. Mahnend und melancholisch, aber auch unterhaltsam und heiter beschrieb Edeltraud Forster wunderliche, zauberhafte Momente und gab Träumen und Sehnsüchten reichlich Platz.

Kurzweilig und spannend

Die bayernweit bekannte Erzählerin aus Wörth an der Donau bevorzugte beim Speinsharter Frauenbund Erzählungen aus dem Jahreskreis. "Der Jahreskreis ist das, was unser Leben ausmacht", sagte sie schon zu Beginn ihrer kurzweiligen und spannenden Lesung. Auf die Symbolkraft der acht Jahresfeste eingehend erzählte sie - frei nach Rainer Maria Rilkes Lebensweisheit "Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen" - zunächst von den Naturgewalten der Wintersonnenwende und des Mondfestes am 2. Februar. Selbstverständlich waren auch Erinnerungen an alte Bauernregeln Gegenstand sonderlicher Betrachtungen.

Edeltraud Forster erzählte frei, variierte das Tempo, untermalte ihre Worte gestenreich. Mit bestaunender Leichtigkeit rezitierte sie wunderliche Geschichten und Märchen. "Auswendig zu erzählen ist mir schon immer leicht gefallen", sagte sie und betonte: "Märchen bringen die Seelen zum Klingen."

So begleitete sie die Besucher anhand der wichtigsten Ereignisse durch ein Jahr - vom Frühlingsvollmond und Ostern über das Weiberfest "Walpurgis" und die Sommersonnenwende. Bei ihren erstaunlich wirklichkeitsnah klingenden Geschichten immer dabei: der liebe Gott und Luzifer. Der eine voller Freude zu den Menschenkindern, der andere mit dem immerwährenden Versuch, dieselben vom rechten Weg abzubringen.

"Im Kreise geht die Reise"

Doch die Märchenfrau beschwor das Publikum: "Habt keine Angst vor dem Teufel." Der Erdgeist sei schon immer besiegt worden. Zu Allerseelen gedachte Edeltraud Forster in Worten und Gedichten "derer, die uns das Leben gegeben haben", und empfahl, in der beginnenden dunklen Zeit zu träumen: "Die Seele braucht das".

Und schon schloss sich mit Blick auf Weihnachten der Kreis der Jahresfeste mit einem Traum von Erich Kästner über einen 13. Monat: "Es tickt die Zeit. Das Jahr dreht sich im Kreise. Und werden kann nur, was schon immer war. Geduld, mein Herz. Im Kreise geht die Reise. Und dem Dezember folgt der Januar." Dem herzlichen Applaus der Zuhörer folgte ein Dankeschön von Frauenbund-Vorsitzender Elisabeth Nickl, verbunden mit einem flüssigen Geschenk aus dem Klosterladen.
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