Geowissenschaftler begeistert von Tongrube am Barbaraberg - Erdgeschichtliche Wanderung
Wurmgänge und Saurierfährten

Lokales
Speinshart
09.09.2009
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Die Tongrube am Fuße des Barbaraberges gehört zur Gemeinde Speinshart wie das Klosterdorf oder der Fußballplatz in Tremmersdorf. Wahrgenommen wird sie aber kaum, und wenn doch, dann meist als hässlicher Schandfleck. Welche "Schätze" jedoch darin stecken, ahnt kaum jemand. Dr. Andreas Peterek und Kurt Pongratz vom Geopark Bayern gaben bei einer Wanderung einen Einblick in die faszinierende Geologie.

"Während andere Teile der Oberpfalz und Frankens bereits geologisch erschlossen sind, beginnt unsere Arbeit jetzt auch in der nördlichen Oberpfalz", erklärt Dr. Peterek. "Die Bedeutung der Grube für die Geowissenschaften und die dortigen Möglichkeiten zur Veranschaulichung geologischer Themen für die Öffentlichkeit haben den Bayerisch-Böhmischen Geopark veranlasst, mit der Gemeinde Speinshart in Kontakt zu treten." Grundsätzlich habe sich die Kommune dafür ausgesprochen.

Wie im Wattenmeer

Dr. Peterek erläuterte den prinzipiellen Aufbau einer Keuper-Landschaft und die Bedeutung der aufgelassenen Grube am Fuße des Barbarabergs. Die geologische Zeit des Keupers liegt zeitlich zwischen dem Ende des Muschelkalks vor 235 Millionen Jahren und dem Beginn des Juras vor 205 Millionen Jahren.

Die Führung begann in Speinshart in Schichten des Muschelkalks (auf denen das Kloster steht), erdgeschichtlich also vor rund 240 Millionen Jahren, und endete am Barbaraberg in Schichten des mittleren Keupers vor rund 220 Millionen Jahren.
Muschelkalk und Keuper sind Formationen, die mit dem älteren Buntsandstein die geologische Epoche der Trias (Dreiheit) aufbauen. Der Begriff "Keuper" leitet sich laut Dr. Peterek aus den fränkischen Bezeichnungen "Kiefer", "Kieber" oder "Keiper/Kuiper/Keuper" für die bunten Tongesteine dieser Formation ab. Die Zeit des Keupers ist geprägt von überwiegend festländischen Bedingungen: "Süddeutschland war zu dieser Zeit nicht wie im Muschelkalk von einem Meer überflutet." Während im Raum Bayreuth zu jener Zeit bereits offene Meeresbedingungen herrschten, lag die Region Eschenbach/Speinshart/Grafenwöhr in einer Art Wattenmeer-Situation.

"Das bedeutet, dass hier statt der sonst in Süddeutschland üblichen Kalksteine fast ausschließlich Sandsteine abgelagert wurden." Zudem fiel der Küsten-/Wattenmeerstreifen im Rhythmus der Gezeiten immer wieder trocken. Die Sande, aus denen sich durch Verfestigung die Sandsteine bildeten, hatten große Flüsse von Süden herantransportiert, wusste der Geologe.
Die Keuperablagerungen zwischen Speinshart und Barbaraberg bestehen aus einer Wechselfolge von Sand- und Tonsteinen. Die bedeutendste Einschaltung an Tonsteinen findet sich in der Grube am Barbaraberg. Peterek: "Sie gilt bei Geowissenschaftlern als bedeutender Aufschluss, der in seiner Bedeutung der geologisch gleich alten, berühmten Bodenmühlwand bei Bayreuth nicht nachsteht." Die Tongrube ist nach seinen Worten derzeit der einzige Aufschluss Bayerns, der die Verzahnung von sonst üblichen Tonablagerungen als Seeablagerungen mit wiederholten Sandschüttungen von Flüssen in den See hinein zeigt.

So finden sich mehrere Sandsteinschichten in der Grube. "In den Sandsteinlagen sind in der Grube besonders schöne Sedimentstrukturen erhalten", erklärte der Geologe.

Wellen und Kristalle

Dazu gehören Wellenrippeln, waschbrettartige Muster, die auf die damaligen Wellenbewegungen durch den Wind zurückgehen, Trockenrisse, die beim Trockenfallen des Seebodens und Austrocknen im Schlamm entstanden und bei der nachfolgenden Überflutung mit Sediment verfüllt und überliefert wurden, ebenso Wurmgrabgänge und fossile Regentropfen. Beschrieben wurden auch Saurierfährten.
In den Tonablagerungen findet man häufig würfelige Steinsalz-Kristallmarken. Laut Peterek wurden sie dadurch gebildet, dass beim Verdunsten des Wassers würfelige Steinsalzkristalle im Sediment wuchsen. Als sich der See wieder mit Süßwasser füllte, wurden die Steinsalzkristalle aufgelöst und die Kristallform mit Sediment gefüllt. Die ursprüngliche Ablagerungssituation der Sedimente der Tongrube entspricht der von so genannten Schotts im nördlichen Afrika, wie beispielsweise Chott el Djerid in Tunesien.
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