Gesprächsforum in Speinshart beleuchtet das Thema "Licht" aus künstlerischer und theologischer ...
"Licht macht Welt berechenbar"

Die Berliner Künstlerin Dr. Sabine Hannesen erläuterte die Technik für ihre faszinierenden Fotographien. Die Ausstellung "Lichtspiele" ist noch bis zum 5. Juli sonn- und feiertags von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Bild: edo
Lokales
Speinshart
03.06.2015
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Licht spielt für das Leben auf der Erde eine wichtige Rolle. Deshalb wurde 2015 von der Unesco zum internationalen Jahr des Lichts deklariert. Im Kloster Speinshart wurde das Thema bei einem Gesprächsforum aus theologischer, künstlerischer und literarischer Perspektive genauer beleuchtet.

"Es werde Licht." Bereits im Schöpfungsbericht erscheint dieses zentrale Motiv: "Licht schafft Ordnung und sorgt dafür, dass die Welt berechenbar und gut ist", so Referent Thomas Englberger, der den rund 40 Anwesenden die theologische Sichtweise näherbrachte. Dabei berücksichtigte er auch biologische Aspekte: "Die Licht-Wahrnehmung ist für den Menschen von fundamentaler Bedeutung, allerdings ist dieser dabei nicht auf die Lichtquelle fixiert, sondern auf das, was vom Licht beleuchtet wird."

Dieser Aspekt stelle wiederum eine Parallele zu Gott dar, der zwar wahrgenommen, aber nicht gesehen werde und dessen Anblick zum Tod führe, wie es in Exodus heißt. Entlang eines roten Fadens vom Alten zum Neuen Testament führte Englberger dieses immer wiederkehrende Motiv vor Augen, nicht zuletzt durch Jesus Christus, der als Licht der Welt bezeichnet wird und den Blinden ihr Augenlicht wiedergegeben haben soll. "Dies sei nicht wörtlich gemeint. Vielmehr bedeute es, Menschen wieder Selbstbestimmtheit und Handlungsspielraum zu ermöglichen." Über die Bedeutung der Lichtführung referierte im Anschluss die Berliner Künstlerin Dr. Sabine Hannesen. Anhand berühmter Werke wie die ersten Nachtstücke holländischer Meister oder "Joseph als Zimmermann" vom französischen Maler Georges de la Tour erläuterte sie beispielsweise die Unterschiede zwischen natürlichen und göttlichen Lichtquellen. Auch ihre eigenen Fotografien, die zurzeit im oberen Konventgang zu sehen sind, wurden thematisiert.

Der emeritierte Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Heimo Ertl unternahm zunächst einen Versuch einer Abgrenzung, da das Thema Licht in nahezu allen literarischen Epochen allgegenwärtig sei und dort eine mal mehr, mal weniger zentrale Rolle einnimmt. Verdeutlicht werde dies durch die Abwesenheit von Licht, wie etwa in der Epoche der Romantik.

"Die erhabene Nacht wurde erst durch Mond und Sterne erfassbar." Zum Abschluss ließ er das Publikum anhand einer Erzählung von Luise Rinser die Gotteserfahrung einer naiven, jungen Frau auf dem Münchener Viktualienmarkt miterleben.
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