Harmonische Friedensbotschafter

Frische und Hingabe beim Kammerchor der Ionischen Universität Korfu und heitere Ausgelassenheit bei den zirka 200 Besuchern - die Sommerkonzerte in Speinshart mit dem Festival junger Künstler Bayreuth sind etwas Besonderes im Kulturkalender der nördlichen Oberpfalz. Bilder: do (2)
Lokales
Speinshart
11.08.2015
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Das Festival junger Künstler Bayreuth macht es möglich: Angehende Profimusiker tragen den Geist der Musik und der Völkerverständigung aufs Land. Willkommen bei den Speinsharter Sommerkonzerten.

"Es erwartet uns Musik auf ganz besondere Weise", kündigte Pater Lukas an. Am Samstagabend setzten Künstler aus Korfu und der Ukraine ein Signal der Verbundenheit über Ländergrenzen hinweg. Woran in Krisenzeiten Maß nehmen, fragte sich schon der alte Platon. Am Ende seines Lebens trieb ihn die "Symphonia" um, der Frieden im Einklang mit den Bürgern, wie er diesen Zustand nannte. Als Musik erschien den alten Griechen alles Leben.

Und so meinte denn auch in Speinshart Professorin Miranda Caldi: "Musik und Künste bringen die Menschen zusammen. Und mit all diesen verschiedenen Menschen zu singen und sich mit ihnen zu vermischen, das ist fantastisch." Die Leiterin des Kammerchores der Ionischen Universität Korfu nannte es eine wunderbare Möglichkeit, durch Musik und Gesang zu wahren Friedensbotschaftern zu werden. Kultur, Krisenzeit, Frieden? Dieses Motto des Festivals aufgreifend, fand die Dirigentin eine erwärmende Programmmischung, die in der lauschigen Atmosphäre des Innenhofes ein großes Publikum verzauberte.

Abwechselnd bestimmten Wohlklang und vollendete Harmonie den Sommerabend. Mit anspruchsvollen Melodien entführte der Kammerchor in die reiche Geschichte Griechenlands. Byzantinische Hymnen und geistlicher Gesang wechselten sich ab mit einem bemerkenswerten Volkslied-Repertoire. Mit dem schmeichelnden "Das Mädel aus Izmir" wagte der Chor eine kurze Reise ins benachbarte Kleinasien. Sinnlich und innig der Vortrag der "Vier Schäferlieder" und des "Kleinen Zitronenbaums". Mit guter Laune und sprühender Lebenslust bestätigten die Akteure Platons Weisheit der großen "Symphonia" im Einklang mit sich selbst und dem Publikum.

Ukrainische Volkslieder

Nicht minder Hörvergnügen schenkte das "Consort Amabile" den Besuchern. Eine junge Formation, die die Tradition des professionellen Musizierens an der ukrainischen Sopilka pflegt. Diese Langflöten werden als Nationalinstrument erfolgreich an den Musikhochschulen Lemberg und Kiew unterrichtet. Das Programm des Ensembles zeigte Musiken aus ganz verschiedenen Stilrichtungen und Epochen und erinnerte an das Spiel ukrainischer Hirten. In Speinshart erfuhr das Publikum eine ganz besondere Annäherung an diese einzigartige ukrainische Kultur. Mit feurigem Temperament vorgetragen, lösten vor allem die Volkslieder und Polkas "Jakby meni ne tynotschky", "Ternowata" und "Souvenire" Begeisterungsstürme aus.

Barocke Eleganz

Dann wieder entführte das siebenköpfige Ensemble in den Liebreiz barocker Eleganz. Sogar der große Johann Sebastian Bach kam mit "Schafe können sicher weiden" aus der Kantate "Was mir behagt, ist nur die muntere Jagd" zu Ehren. Eine weitere Besonderheit lernten die Hörer über die Kunst der Bandura kennen. Ein uraltes Harfeninstrument, dessen Geschichte bis in das 16. Jahrhundert zurückführt. Die Beiträge "Anonymous" und "Chinesische Melodie", gespielt auf der Bandura und begleitet von Panflöten, becircten ein ganz auf Sommervergnügen eingestelltes Publikum.

Bei so viel Liebreiz waren einige Zugaben ein Muss. Da verlor auch die alte Wahrheit nicht an Geltung: Noch heute dienen wir dem Frieden, wenn wir musizieren. Mit dieser kostbaren Erfahrung kommunizierten auch noch bei der anschließenden Begegnung bei Klosterbier und Frankenwein Besucher und die jungen Künstler.
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