Jeder Sonnentag ein Geschenk

Noch warten sie versteckt im Baum, nach den letzten Sommer-Sonnentagen aber wird aus den meisten dieser reifen Äpfel in der Mosterei in Haselbrunn naturreiner Saft gepresst. Die Überreste, "Treber" genannt, werden Jägern als willkommene Zwischenmahlzeit für das Wild zur Verfügung gestellt. Bild: gpa
Lokales
Speinshart
02.09.2015
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"Es kann wieder losgehen", sagt Maria Ott und spürt ein Kribbeln. Seit Wochen bereitet sie ihre Anlage vor. Am Samstag, kurz nach dem metrologischen Herbstbeginn, startet in Haselbrunn die Mostkampagne des Obst- und Gartenbauvereins Speinshart.

Wenn die ersten Kunden da sind und ihre Äpfel die Mosterei durchlaufen, wenn der erste Saft abgefüllt ist, dann beginnt für Maria Ott und ihr Team so richtig die Arbeit. Denn der Ort wird auch heuer wieder zum Mekka für Freunde naturbelassenen Saftes aus eigenen Äpfeln. Bis zum Ende der Saison wird jedoch alles Routine in der "Saftfabrik". Der gute Ruf der Mostanlage hat sich die Leiterin hart erarbeitet. Begonnen hatte alles 1992, als im Haus Ott in Haselbrunn der Speinsharter Obst- und Gartenbauverein den Mostraum mit der von Hans Diepold und Georg Müller junior gebauten Obstpresse vorstellte.

Mit modernster Technik

"Alle, die sich Saft vom eigenen Obst herstellen, die die Anlage benützen wollen, sollen sich rechtzeitig bei der Vorsitzenden Maria Ott anmelden", schrieb damals "Der neue Tag". Und weiter hieß es, "das mitgebrachte Obst kann an Ort und Stelle gewaschen und verarbeitet werden. Lediglich die Gefäße zum Transport des Saftes sind mitzubringen". Das war der Beginn einer Erfolgsgeschichte, die 2002 ein neues Kapitel bekam: Die Mosterei wurde erneuert. Die frühere Vorsitzende der Gartenfreunde finanziert und betreibt die mit modernster Technik ausgestattete Anlage seitdem in Eigenregie. "Bei uns kann jeder erleben, wie seine Äpfel verarbeitet werden." Das ist den Kunden wichtig. 2003 wurden 120 von ihnen befragt, 90 Prozent legten großen Wert darauf, Saft aus ihren eigenen Äpfeln zu erhalten. Gute Noten erhielt die Mosterei für die Sauberkeit der Anlage, Zufriedenheit herrschte, was die Wartezeiten betraf.

Seit 2004 wird in Haselbrunn gepresster Saft in sterile Vakuumverpackung gefüllt, die die Mehrwegflaschen ersetzten und die Haltbarkeit verlängern. Außerdem sind die "Saftsäcke" mit fünf und zehn Liter Füllmenge, die zum "Anzapfen" in handlichen Kartons Platz finden, besser zu transportieren.

Der spätere Beginn des Mostens in diesem Jahr sollte den Äpfeln zu mehr Süße helfen, erläutert Maria Ott. Jeder Sonnentag sei in dieser Hinsicht ein Geschenk für die Früchte. Unreifes Obst hat eine zu hohe Säure und einen zu niedrigen Zuckergehalt. "Mostobst muss reif, gesund und sauber und darf nicht mit Spritzmitteln behaftet sein, Wenn sich die Äpfel beim Drehen leicht vom Zweig lösen lassen, sind sie reif. Sie sollten frisch vom Baum kommen und so schnell wie möglich verarbeitet werden - ohne Zwischenlagerung. Das schadet der Qualität"

Fallobst nicht zum Mosten

Über die Gesamtmenge der Mostäpfel in diesem Jahr wagt Maria Ott keine Prognose. Je nach Gegend tragen manche Apfelbäume viele Früchte, an anderen wiederum kann man die Äpfel zählen. Ein Rat von Maria Ott zum Schluss: Fallobst gehört nicht in die Mostanlage. Vielmehr sollte es Jägern zur Wildfütterung überlassen oder in den Tonnen am Bauhof entsorgt werden. Um Wartezeiten beim Mosten zu vermeiden, bittet Ott um Terminabsprache unter Telefon 09645/1631.
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