Klosterdorf macht Tempo

Auf der Erfolgsspur ist die Breitbandversorgung in Speinshart. In einer Bürgerversammlung unterrichtete Telekom-Vertreter Josef Markl (links) die Besucher über Details der Anschlussmöglichkeiten, die im kommenden Frühjahr beginnen sollen. Bild: do
Lokales
Speinshart
29.09.2015
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Der Ausbau von schnellem Internet läuft auf Hochtouren. Dem ersten Projekt mit der "Aufrüstung" der Hauptorte Tremmersdorf und Speinshart folgt nun eine Investition zur Verbesserung der Breitband-Qualität in den kleineren Gemeindeteilen. Mit der Verlegung von Glasfaserkabeln werden Bandbreiten bis zu 200 Megabit möglich.

Das Klosterdorf macht Tempo beim Breitband-Ausbau. "Ohne schnelles Internet keine Zukunft", begründet Bürgermeister Albert Nickl seine Offensive beim Rennen um die staatlichen Fördergelder. Ganz aktuell ist die neue bayerische Förderrichtlinie 1,5 Milliarden Euro schwer und soll die Breitband-Infrastruktur auf dem Land entscheidend nach vorn bringen. Speinshart gehörte zu den ersten Gemeinden, die in das verbesserte Förderverfahren einstiegen, erklärte Nickl.

Nach dem Verfahrens-Prozedere mit Konzepterstellung, Förderbescheid, Ausschreibung und Vergabe an den Telekommunikations-Riesen Telekom stehe dem Projekt nichts mehr im Wege, gab Nickl bekannt. Zeit, noch einmal im Rahmen einer Bürgerversammlung über Details zu informieren, wie der Bürgermeister betonte. Unerwartet hoch war dann auch das Interesse, aus erster Hand über die Speinsharter Datenautobahn, auf der Lichtgeschwindigkeiten möglich sind, aufgeklärt zu werden.

Wie Albert Nickl zunächst klarstellte, fördert Bayern nicht direkt den Breitbandausbau, sondern die "wirtschaftliche Deckungslücke". Das bedeutet: Wenn die Versorger davor zurückschrecken, gerade auf dem flachen Land zu investieren, weil sich das nicht rechnet, dann springt der Freistaat in die Bresche.

Die Kostenkalkulation in Speinshart lautet auf zirka 660 000 Euro, die Deckungslücke beträgt 609 000 Euro, die mit 80 Prozent gefördert wird. Der Bürgermeister rechnet deshalb mit einem Eigenanteil der Gemeinde von etwa 120 000 Euro. "Das ist auch noch ein Batzen Geld, den die Kommune in die Hand nimmt." Erläuterungen zur Zugangs-Technologie gab danach Josef Markl, Technik-Experte des Vertragspartners Telekom. Der Gast aus Regensburg informierte zunächst über die verschiedenen technischen Möglichkeiten der Versorgung, erklärte die Qualitätssprünge durch die Glasfasertechnologie im Vergleich zu Kupferleitungen sowie Funkübertragungen und ging danach auf Einzelheiten der künftigen Digitalisierung der Ortsteile ein.

Bis in die Wohnung hinein

Josef Markl sprach von einem Technologie-Mix, der zu einer annähernd flächendeckenden Breitband-Versorgung unter Beachtung der finanziellen Möglichkeiten führen werde. Sein Versprechen: "Bandbreiten bis zu 200 Mbit." Markl unterschied zwischen der sogenannten FTTH-Technik (Fibre To The Home) und FTTC-Anschlüssen (Fibre To The Curb).

Während bei der FTTH-Technik das Glasfaserkabel bis in die Wohnung führe und den Computer und die Internet-Telefonie mit Lichtgeschwindigkeit versorge, ende das Glasfaser-Hauptkabel mit FTTC-Technik schon am Kabelverzweiger, dem sogenannten Verteilerkasten auf dem Bürgersteig.

Mit Leistungsabstrichen müsse der Anschlussnehmer durch das Kupferkabel rechnen, das vom Verteilerkasten in das Wohngrundstück führe. Eine Verpflichtung zur Vertragsänderung nach der Aufrüstung der Bandbreiten bestehe nicht, versicherte Josef Markl. Der Anschlussnehmer könne wie bisher unter den Angeboten der Telekom auswählen. Allerdings erhebe diese nach Abschluss des Sonderprogramms bei künftigen Hausanschlüssen, zum Beispiel bei Neubauten, einen Anschlussbeitrag in Höhe von 600 Euro. Mit der Inanspruchnahme der verbesserten Breitband-Versorgung sei auch die Verpflichtung zu einer künftigen Internet-Telefonie verbunden.

Bürgermeister Nickl appellierte an die Gemeindebürger, nun die Chance zu nutzen. "Für die Gemeinde ist die schnelle Datenautobahn ein Grundstein für die Zukunft. Für die Bürger bedeutet der Einstieg in die digitale Revolution mehr Lebensqualität", betonte der Gemeindechef. An Spezialfragen an den Technik-Vertreter der Telekom mangelte es in der anschließenden Diskussion nicht. Dabei wurden auch spezielle Einzelfälle angesprochen, die in einem späteren Förderprogramm auf eine Lösung hoffen dürfen.

Rund 20 Kilometer beträgt die Leitungsstrecke. Vorausschauend hat die Gemeinde bei Tiefbauarbeiten in den vergangenen Jahren 10 Kilometer Leerrohre mitverlegt. Den Baubeginn kündigte der Telekom-Vertreter für das kommende Frühjahr an. Markl rechnet mit einer Bauzeit von einem Jahr.
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