Königskerze gehört in die Mitte

Wie in jedem Jahr band der Speinsharter Frauenbund bei Marianne Nickl (rechts) die Kräuterbuschen zum "großen Frauentag" Mariä Himmelfahrt. Bild: bjp
Lokales
Speinshart
17.08.2015
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"Das Kräuterbuschenbinden gehört zum 14. August wie das Amen zum Gebet." An der ehrwürdigen Tradition lässt der Speinsharter Katholische Frauenbund nicht rütteln. Neben Kreativität gehört dazu eine Menge Wissen zur Bedeutung der Tradition.

Zwölf Frauen aus dem Dorf trafen sich am Vortag von Mariä Himmelfahrt am Kleinen Klosterhof bei Marianne Nickl, um die Kräutersträuße zu binden, die bei den Gottesdiensten am 14. und 15. August gesegnet und für einen guten Zweck zum Kauf angeboten wurden.

Dankesgeste

Vielfältige Schutz- und Nutzwirkungen spricht der Volksglaube den nach Speinsharter Brauch aus rund 30 Pflanzenarten bestehenden Schmucksträußen zu. Von jeher dienen sie als "Hausapotheken" für Mensch und Tier, aber auch als Schmuck für pflanzenarme Winterzeiten und nicht zuletzt als Dankes- und Vertrauensgeste an den fürsorglichen Schöpfergott.

Im Mittelpunkt stehen Arzneikräuter wie Frauenmantel, Johanniskraut, Lavendel, Melisse, Ringelblume, Salbei, Sonnenhut und insbesondere die Königskerze: "Um sie herum soll jeder Kräuterbuschen gebunden werden", weiß Marianne Nickl.

Das hat nicht nur mit der herausragenden Größe der Blütenstände zu tun: Wegen deren anmutig-schlanker Gestalt wird die bei Atemwegserkrankungen wirksame Heilpflanze auch "Szepter Mariens" genannt. Ihren festen Platz in den "Frauenbuschen" haben außerdem Weizen, Gerste, Dinkel und Hafer, ohne die es das "tägliche Brot" nicht gäbe, sowie Duft- und Gewürzpflanzen wie Bohnenkraut, Borretsch, Liebstöckel und Dill. Phlox, Silberblatt, Hortensie, Disteln und Gräser setzen zierende "Glanzlichter".

Germanische Vorläufer

Dass sich gerade mit Mariä Himmelfahrt ein so ausdrucksvolles Naturbrauchtum verbindet, ist übrigens kein Zufall: In vorchristlicher Zeit feierten die Römer Mitte August ein Fest zu Ehren der Natur- und Fruchtbarkeitsgöttin Diana, und auch in den keltischen und germanischen Festkalendern fehlten hochsommerliche Natur- und Erntefeste nicht. An diese "heidnischen" Überlieferungen knüpft das christliche "Frauentags"-Brauchtum teilweise noch an.
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