Kreislauf der Gewalt brechen

Trotz Nieselwetters war die Gedenkfeier zum Volkstrauertag gut besucht. Bürgermeister Albert Nickl erinnerte daran, dass gut jeder zweite Haushalt der kleinen Klosterdorfgemeinde in den beiden Weltkriegen mindestens einen Angehörigen verloren habe. Bild: bjp
Lokales
Speinshart
18.11.2014
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Heldentum, Vaterland, der "süße und ehrenvolle Tod": Derlei Floskeln sind als verbrämendes rhetorisches Beiwerk in Kriegszeiten stets beliebt. Doch in seiner Predigt im Gottesdienst zum Volkstrauertag ließ Pater Adrian Kugler keinen Zweifel, dass die Wahrheit eine ganz andere ist.

"Kriege werden immer nur um macht- und wirtschaftspolitischer Ziele willen inszeniert, und jeder, der als Soldat oder Zivilist einen Krieg durchleiden musste, weiß, dass daran nichts 'Süßes' ist", sagte er.

Die Geschichte zeige, dass Gewalt immerfort nur neue Gewalt provoziere, doch sie beweise auch, dass Verständigung und Friedensstiftung möglich sei, mahnte der Pfarrer. Dieses Bewusstsein gelte es insbesondere in der jungen Generation heranzubilden. Und hier sah Kugler auch die Medien in der Pflicht: Diese sollten statt Krieg und Gewalt verstärkt die Beispiele geglückter Aussöhnung und gelebten Friedens zum Thema ihrer Programme und Schlagzeilen machen.

Beim Gedenkakt am Gefallenenmahnmal erinnerte Max Wagner, der Vorsitzende der Soldatenkameradschaft, an die bedrückenden Jahrestage, in deren Zeichen dieser Volkstrauertag begangen werde: "Vor 100 Jahren begann der Erste Weltkrieg, den man die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts nannte. Aber diese Katastrophe erfuhr vor 75 Jahren mit dem Zweiten Weltkrieg eine schreckliche Steigerung."

Seither erlebe Deutschland eine nunmehr 69-jährige Friedenszeit. Doch die Gegenwart lasse aufs Neue erahnen, "wie schnell eine Konfrontation entstehen und auch uns erreichen kann". Immerhin tobe zurzeit ein Krieg an der Grenze des Nato-Bündnispartners Türkei: "Was ist, wenn der Bündnisfall eintritt?", fragte Wagner.

Viele Krisenherde

Diese beklemmende Realität führte auch Bürgermeister Albert Nickl vor Augen: "Selten in der jüngeren Geschichte hat es weltweit so viele Kriegsherde und instabile 'Pulverfässer' gegeben wie derzeit. 'Wir sind ja weit weg', könnte man meinen." Doch so einfach sei es nicht: "In der globalisierten Welt kann ein Konflikt schnell auf andere Länder übergreifen und auch uns betreffen. Auch international agierende Terrorgruppen versuchen, in die Demokratien Unruhe hineinzutragen."

Friede sei keine Selbstverständlichkeit und könne auch "nicht verordnet werden", gab das Gemeindeoberhaupt zu bedenken. Um ihn zu sichern, sei beständiger Einsatz "im Kleinen wie im Großen" gegen sozialen Unfrieden, Armut und Hunger nötig. Dies sei die Lehre aus der Geschichte, die der Volkstrauertag als "zentrale Botschaft" von ungebrochener Aktualität bewusst mache.

Nach der Kranzniederlegung am Ehrenmal, das die Namen von 105 Gefallenen und 13 Vermissten der Weltkriege nennt, beschloss die Musikkapelle Creußen mit dem Lied vom "Guten Kameraden", der Bayern- und der Bundeshymne die Gedenkfeier.
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