Meisterwerke eines Unbekannten

Mit dem Streichquartett Hubert, Tatjana, Eugen, Katherine und Albert Hubert, sang Uschi Steppert (von rechts) das Nachtlied "Esti dal". Bild: jzk
Lokales
Speinshart
11.11.2014
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In Ungarn war er eine Institution, in seiner Heimat lange unbekannt. Den Waldecker Komponisten Hans von Koessler stellte ein Liederabend im Kloster Speinshart in den Mittelpunkt.

"Kammermusik eines großen Unbekannten" hieß es in der Einladung. Gemeint war der Komponist Hans von Koessler. Der gebürtige Waldecker gelangte als Professor für Orgelspiel und Komposition an der königlich-ungarischen Musikakademie in Budapest zu großer Berühmtheit. Mehr als drei Jahrzehnte seines Lebens verbrachte er im fernen Ungarn.

"Der Komponist Hans von Koessler darf nicht vergessen werden", lautet eine Maxime des Waldecker Heimat- und Kulturvereins (HuK). Schon vor einem Jahr hatten Vorsitzender Georg Wagner und Josef Brunner zum 160. Geburtstag des Komponisten Gedenkkonzerte organisiert. Auch beim Koessler-Konzert in Speinshart waren mehrere Waldecker Musikfreunde vertreten.

Josef Brunner bewährte sich erneut als sachkundiger Moderator des Konzertprogramm im Musiksaal. Sopranistin Uschi Steppert, Pianist Karl-Heinz Kuhl und das Streichquartett Hubert aus Bayreuth beschäftigen sich seit längerer Zeit mit dem künstlerischen Nachlass des Waldeckers. In der Volksliedersammlung "Der kleine Rosengarten" hatte Koessler Volkslieder von Hermann Löns vertont. Dabei verstand er es meisterhaft, diese Texte mit Melodien und Harmonien zu versehen, die mit ihrer Schlichtheit die Zuhörer in ihren Bann ziehen. Uschi Steppert sang daraus zuerst "Erwartung" und "Mein Engel", "Tanzlied", "Verspruch" und "So oder so".

Musikalisch anspruchsvoller und harmonisch differenzierter waren die Sololieder "Glück" und "Mein Herz ist tausend Freuden voll" aus Koesslers Zyklus "Lieder und Gesänge". Bei "Nur einmal möchte ich dir noch sagen" und "Ich hab zur letzten Nacht" aus dessen "Kammergesängen" brachte die Sängerin ihren ausdrucksstarken lyrischen Sopran mit seiner mühelosen Höhe voll zur Geltung. Karl-Heinz Kuhl erwies sich als einfühlsamer Begleiter.

Inniges Nachtgebet

Ein recht abwechslungsreiches Klangerlebnis bescherte der Pianist den Zuhörern mit der "Elegie", einem melancholischen Klanglied im spätromantischen Stil aus den "Fünf Klavierstücken". "Gott möge mir eine gute Nacht geben", lautete eine Textstelle in "Esti dal", einem innigen Nachtgebet von Zoltan Kodaly. Faszinierend, wie der Koessler-Schüler die Singstimme mit einem leisen Klangteppich der vier Streichinstrumente begleitete. Ein reiner Hörgenuss waren "Waldeinsamkeit" und das unvergleichliche "Mariä Wiegenlied" des in Brand geborenen Komponisten Max Reger, einem Cousin Koesslers.

Schwerere Kost war dagegen der schnelle Satz aus dem Streichquartett in g-Moll, vom Streichquartett Hubert in all seinem Farbenreichtum mitreißend musiziert. Auf durchwegs lyrische Momente folgten immer wieder dramatische Verdichtungen, düstere Mollklänge lösten sich in heitere Dur-Sequenzen auf. Interessant war der Vergleich mit den beiden Sätzen des Streichquartetts Nr. 3 in f-Moll, bei dem Koessler die Themen nicht minder kunstvoll verarbeitet hatte. Johannes Brahms, mit dem Koessler zeitlebens eine innige Freundschaft verband, war im Programm mit dem feurigen Ungarischen Tanz Nr. 5 vertreten.

Als der Beifall nicht enden wollte, gaben die vier Streicher, der Pianist und die Gesangssolistin mit dem berührenden "Abendlied" von Hans von Koessler noch eine Zugabe.
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