Mut am Opferstock

Auf den Opferstock am Marienaltar hatten es die mutmaßlichen Täter wohl abgesehen. Einer der Männer zündete das hier brennende Teelicht an. Rita Wiesend durchkreuzte allerdings den Plan. Bild: do
Lokales
Speinshart
11.02.2015
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Klarer Kopf, keine Angst und entschlossenes Handeln: Mit diesem Rezept verhinderten zwei Frauen im Kloster Speinshart einen Diebstahl und halfen der Polizei, die mutmaßlichen Täter festzusetzen.

(wüw) "Eine Heldin?" Nein, als Heldin fühle sie sich nicht, sagt Rita Wiesend. Sie habe nur gedacht: "Heute nicht." Heute, das war am Mittwochmorgen. Die Mitarbeiterin der Internationalen Begegnungsstätte war gegen 9.15 Uhr in der Klosterkirche beschäftigt, als zwei Männer die Kirche betraten - und ihr verdächtig waren. Die beiden steuerten in Richtung Opferstock und verhielten sich merkwürdig. "Man bekommt einen Blick dafür", schließlich habe das Kloster schon häufig Bekanntschaft mit Dieben und Opferstock-Knackern gemacht. "Zuletzt gab es im Herbst einen Fall", erinnert sich Wiesend.

Diesmal wollte sie es nicht zulassen. "Ich bin einfach nicht gegangen", sagt sie. Die beiden hätten offensichtlich gewartet, dass die Speinsharterin die Kirche verlässt, um sich ans Werk machen zu können. Aber den Gefallen tat Wiesend ihnen nicht. Sie habe die Aushänge und die ausgelegten Infozettel sortiert, um beschäftigt zu wirken und dabei die Männer nicht aus den Augen gelassen.

"Ich habe mir schon Gedanken gemacht. Ich wusste ja nicht, ob sie mir nicht vielleicht eins überziehen, wenn ich nicht gehe." Das taten sie nicht. Stattdessen gaben sie nach einiger Zeit das Geduldsspiel auf und verließen die Kirche - um vor der Türe der Polizei in die Arme zu laufen. Die hatte Wiesends Kollegin Giesela Dötsch verständigt. Ihr war das Auto der Männer - ein blauer Ford Escort - mit tschechischem Kennzeichen aufgefallen.

Die Polizei war mit drei Fahrzeugen vor Ort. Vor der Kirche setzten die Beamten einen weiteren Mann fest. Die Überprüfung ergab, dass die 17, 20, und 44 Jahre alten Männer einschlägig vorbelastet sind. Bei der Durchsuchung haben die Beamten zudem typische Werkzeuge wie eine Pinzette gefunden (siehe Hintergrund), erklärt der stellvertretende Leiter der Inspektion Eschenbach, Werner Stopfer. Die Beamten nahmen die Männer vorläufig fest. Wegen der Sprachbarriere sei die Befragung allerdings schwierig gewesen. Die Polizei brachte die drei schließlich getrennt voneinander zur Kriminalpolizei nach Weiden, die sich um die weiteren Ermittlungen kümmert.
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