Mysterium nuancenreich erforscht

In Heinrich Ignaz Franz Bibers "Rosenkranz-Sonaten" erzählten Barockviolinistin Kerstin Linder-Dewan sowie Cembalist und Organist Joachim Thoms in jenen 15 Mysterien-Sonaten "Geheimnisse" des Rosenkranz-Gebets. Bild: do
Lokales
Speinshart
08.10.2014
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Die seelische Verbundenheit der Musiker mit dem Werk von Heinrich Ignaz Franz Biber war beim Schlusskonzert zum Rosenkranzfest zu spüren. Joachim Thoms und Kerstin Linder-Dewan meisterten voller Leidenschaft die Interpretation der "Rosenkranz-Sonaten".

Als Säuseln des Heiligen Geistes, als musikalisches Glaubensbekenntnis, als Wunderwerk musikalischer Zahlenmystik nahm Cembalist und Kirchenmusiker Joachim Thoms das Werk wahr. Geigerin Kerstin Linder-Dewan schwärmte vom weiten interpretatorischen Spielraum, der die Werke des Salzburger Hofkapellmeisters Biber so attraktiv werden lässt.

Er hat mit seiner Deutung der berühmten "Rosenkranz-Sonaten" über einzelnen Mysterien, von der Verkündigung bis zur Krönung der Jungfrau Maria, Maßstäbe gesetzt. Zum Rosenkranzfest in Speinshart bildet das Konzert in der Klosterkirche einen zauberhaften Abschluss.

Behutsame Annäherung

Verinnerlicht schienen die Geigerin und der Cembalist das mythenumwobene Werk aus dem 17. Jahrhundert zu haben. Nie zuvor und auch nie danach hat es ein Komponist gewagt, die Geheimnisse des Rosenkranzgebets in Instrumental-Sonaten darzustellen und zu meditieren. Linder-Dewan und Thoms nähern sich der faszinierenden Komposition behutsam, sozusagen mit dem Mut zur Stille.

Ob das rasche Passagenwerk am Anfang der ersten Sonate wirklich das Flügelrascheln des Erzengels Gabriel abbildet? Oder warum das "Glaubensbekenntnis" im Moment der Begegnung von Maria mit Elisabeth musikalischen Zauber verbreitet? Vieles an den "Rosenkranz-Sonaten" ist vieldeutig und rätselhaft. Es mag am besten jenseits der Worte, also spielend und hörend erfühlt werden. Etwa das Hüpfen des Kindes voller Freude, die Stimmen und Stimmungen über das "Treffen der Frauen" , ein langsamer Streichtanz, der Häme und Freude der Schergen sowie die Verspottung durch die Soldaten wiedergibt oder die traurige Stille nach der Geißelung, "gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben". Dem Duo gelang eine überzeugende Darstellung des Mysteriums bis hin zur Sonate von der Auferstehung. Der Cembalist intonierte farbenreich: "Christus ist von den Toten auferstanden".

Jenseits der Tonleiter

Ein markantes Moment des Zyklus bietet die sogenannte Skordatur. Einzelne oder mehrere Saiten der Violine müssen gezielt "verstimmt" oder umgestimmt werden, damit Mehrfachgriffe verwendet und Klangeffekte erzielt werden können, die sonst auf dem Instrument nicht realisierbar wären. Für die Geigerin eine gewaltige Herausforderung. "Die Welt der Musik steht auf dem Kopf", sagte Kerstin Linder-Dewan und erklärte dem staunenden Publikum das fingerfertige Spiel mit bewusster Verstimmung von Violinen-Saiten, um andere Doppelgriffe zu ermöglichen und außergewöhnliche Klang-Auren zu erzielen. "Hören, was nicht mehr auf der Tonleiter steht", nennt die Künstlerin die Klangeffekte.

Nuancenreich beendete das Künstler-Duo Bibers musikalische Erforschung der Rosenkranzgeheimnisse nicht ohne Zugaben und heller Begeisterung des Publikums.
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