Nicht nur Förderungen fordern

Zahlreiche Kommunalpolitiker folgten der Einladung der Abgeordneten Albert Rupprecht und Tobias Reiß ins Gemeindezentrum Speinshart. Bürgermeister Albert Nickl begrüßte die Gäste. Bild: do
Lokales
Speinshart
21.11.2014
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Leere Häuser und Geschäfte prägen viele Oberpfälzer Ortszentren, gleichzeitig wachsen Siedlungen und Gewerbegebiete an den Rändern. In Speinshart suchten Experten und Kommunalpolitiker nach Lösungen - fanden aber vor allem gegensätzliche Ansätze.

"Alte Mauern neu beleben" lautete der Leitsatz einer Tagung im Gemeindezentrum (wir berichteten). Die CSU-Abgeordneten Albert Rupprecht und Tobias Reiß hatten geladen. Waldsassens Bürgermeister Bernd Sommer berichtete eingangs von den Aktionen gegen Leerstände in seinem Ort. Sommer erneuerte die Forderung nach gleichwertigen Lebensbedingungen in Stadt und Land. Dazu zählt er gleiche Finanzierungsbedingungen für marode Innenstadtimmobilien: "Nach der Belastung der Steuerzahler beim Bau und Unterhalt von Theatern in der Großstadt fragt niemand."

Die Bereitschaft der Bürger, zu ihrer Ortsmitte zu stehen, nannte Franz Langlechner eine Grundvoraussetzung für lebendige Ortszentren. "Dazu bedarf es eines langen Atems und intensiver Nutzung der Altbauten", erklärte der Förder-Experte der Obersten Baubehörde. Die steigenden Ansprüche an die Wohnqualität fördern die Abwanderung in Siedlungsgebiete. Es gelte prägende Substanz zu sanieren, Leuchtturmprojekte zu verwirklichen und Neubauten in der Ortsmitte zu fördern.

Dabei komme den Gemeinden eine wichtige Aufgabe als Kümmerer, Vermittler, Partner und Mitfinanzierer zu. Langlechners Ratschlag: "Risikogrenzen für Private, realistische Wertermittlungen und eine Mitleistungsfähigkeit der Gemeinden gehören zusammen". Der Referent erkannte die hohe Kostenbelastung der Kommunen und nannte Fördermöglichkeiten. Forderungen nach 100-prozentiger Bezuschussung seien aber unrealistisch.

3000 Baudenkmäler stehen in Bayern leer, bedauerte Mathias Pfeil. Für den Leiter des Denkmalpflegeamtes bedeutet der Siedlungsbau einen Verlust an Gemeinschaft. Dagegen gewährleiste das Wohnen in den Innenstädten den Erhalt sozialer Strukturen und stärkt das Geschichtsbewusstsein. Er warb für zeitgemäßes Wohnen auch in denkmalgeschützten Gebäuden und zeigte die Fördermöglichkeiten des Denkmalamts auf. Eine Lanze brach er für das Wohnen junger Menschen in alten Gemäuern. Und auch für die "Ü 70-Generation" empfahl Pfeil, seniorengerechtes Wohnen in Baudenkmälern zu fördern. "Gemeinschaft verdrängt soziale Kälte."

Besitzerstolz gehört dazu

Albert Rupprecht und Tobias Reiß ermunterten die Kommunalvertreter, aktuelle Sanierungsszenarien aufzuzeigen. Die Diskussionsbeiträge endeten meist mit Forderungen an Bund, Land und Fachbehörden, Förderrichtlinien flexibler zu handhaben und die dünnen Eigenmittel der Gemeinden mit kräftigen Finanzspritzen zu stützen. Roland Grillmeier aus Mitterteich entdeckte in den staatlichen Förderrichtlinien viel Bürokratie und plädierte für Verbesserungen der Förderpraxis beim Einsatz von Privatkapital. "Interessant sind für Privatinvestoren auskömmliche Renditen", gab Grillmeier zu bedenken. Diesem Wunsch widersprach Franz Langlechner mit dem Hinweis, dass es nicht Aufgabe der staatlichen Förderung sei, Privatinvestoren hohe Renditen zu sichern. "Ein bisschen Besitzerstolz gehört schon dazu."

Nicht nachvollziehen konnte Josef Etterer, Bürgermeister von Kastl, die Kritik an der Ausweisung von Bauland an den Ortsrändern. "Ein ausreichendes Bauplatzangebot zu erschwinglichen Preisen hat zu Zuzügen und Aufschwung verholfen", widersprach er einer Politik des knappen Baulands. In Diskussionsbeiträgen sorgten sich Teilnehmer um die Strukturveränderungen durch Gebäudeleerstände und appellierten an die staatlichen Förderstellen, der Abwanderung mit neuen Förderinstrumenten und baurechtlicher Flexibilität zu begegnen. "Die öffentlichen Flächen sind oder werden saniert, jetzt brauchen wir Unterstützung zum zeitgemäßen Wohnen in den Ortskernen", hieß es. Rupprecht unterstrich die Notwendigkeit, für die Fragen- und Antragsflut programmübergreifende Ansprechstellen einzurichten. (Im Blickpunkt)
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