Nothelfer in warmen Farben

Die Collagen von Fritz Föttinger (links) mit Texten von Heiner Brückner (rechts) sind bis 4. Oktober im Kloster zu sehen "Not-Wender. Die heiligen 14 Nothelfer" lautet der Titel der Schau. Bild: stg
Lokales
Speinshart
19.08.2015
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Ägidius (Egid) nimmt einen besonderen Platz im Kreis der 14 Nothelfer ein - er ist der einzige Nichtmärtyrer. Bild: stg

Ägidius, Barbara und Christophorus - diese und noch jede Menge Heilige mehr schwirren durch den Oberen Konventgang des Klosters Speinshart. Einer trägt sogar seinen eigenen Kopf in den Händen.

(stg) Sie gelten als Heilige für bestimmte (Not-)Situationen und ihre Art der Verehrung hat volksfrömmigen Charakter - die Rede ist von den 14 Nothelfern. Am Sonntagnachmittag eröffnete im Kloster die Ausstellung "Not-Wender. Die heiligen 14 Nothelfer" mit Bildcollagen von Fritz Föttinger aus Obernsees und Texten von Heiner Brückner aus Bayreuth. Pater Lukas Prosch, Leiter der Internationalen Begegnungsstätte, begrüßte die Besucher.

Zeitgemäße Darstellung

Föttinger rückt die Nothelfer in ein neues Licht, sucht eine zeitgemäße Darstellungsform, belebt die zeitlosen Vorbilder für die Gegenwart. "Mir geht es um eine moderne Form, in der nicht das Martyrium der Heiligen im Vordergrund steht", sagte Föttinger. Der Künstler studierte nach dem Abitur an der Pädagogischen Hochschule in Bayreuth. Nach dem Studium war er bis 1988 als Volksschullehrer im Landkreis Bayreuth tätig, bevor er als freischaffender Künstler arbeitete. Neben seiner Tätigkeit als Maler und Graphiker ist er auch Schriftsteller.

Priester, Mönche, Gläubige

Die im Volk hochverehrten 14 Nothelfer verbreiteten sich im oströmischen Reich. Ihr Ruf als glaubensstarke frühe Märtyrer machte sich mit der Glaubensaussendung durch Priester, Mönche und einfache Gläubige gen Westen breit und erlebte seine Hochzeit im Mittelalter und Spätmittelalter. Föttinger erinnerte an die legendenhafte Entstehung der Wallfahrtskirche im fränkischen "Vierzehnheiligen": So sollen einem Hirten Mitte des 15. Jahrhunderts 14 Gestalten erschienen sein, die sich als "Nothelfer" vorstellten und um den Bau einer Kapelle ersuchten.

Statt der Kapelle steht heute dort die im 18. Jahrhundert von Balthasar Neumann erbaute Basilika. Den Ausstellungsbesuchern gab er mit auf den Weg: "Genießen Sie das Farbenspiel, erfreuen Sie sich an der naiven Würde der Figuren, schließen Sie ab und zu die Augen. Wer weiß, vielleicht geraten Sie in den unerklärlichen Zauber eines Bildes, und es schwinden alle Nöte und Sorgen. Viel mehr sollte man von einem Nothelfer auch nicht erwarten!"

Autor Heiner Brückner erläuterte, dass er als kleiner wallfahrender Bub schon einen Zugang zu den Nothelfern gefunden hatte. Heute seien gerade in der Oberpfalz viele Altarbilder mit Nothelfern zu finden. Als er zum ersten Mal die Nothelfer Föttingers gesehen habe, seien ihm die warmen Farben der Gestalten angenehm aufgefallen. "Was sie ausstrahlten, stieg in meine Gedanken und erfasste mein Empfinden", so Brückner. Die Figuren hätten zeitlose menschliche Züge, sie seien Bilder für Zeugen christlicher Tugenden. "Sie stehen mir als Freunde im christlichen Glauben gegenüber, in deren Gesellschaft ich mich getrost und gerne begeben möchte", so Brückner. Aus diesem Zusammenhang heraus seien die Texte und Gedanken zu den einzelnen Nothelfern entstanden.

Heft mit Bildern und Texten

Zur Ausstellung ist ein Heftchen (Schutzgebühr 1 Euro) mit Collagen und Brückners Texten entstanden. Außerdem finden sich darin kurze Lebensbeschreibungen der 14 Heiligen. Die Ausstellung läuft im Oberen Konventgang des Klosters bis einschließlich 4. Oktober. Geöffnet ist die Ausstellung jeweils an den Sonn- und Feiertagen von 13.30 Uhr bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.
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