Passendes Rezept für Premiere

Charmante Schlitzohrigkeit mit viel schwarzem Humor gab es in der Volkskomödie "Die Kurpfuscherin" mit Amalie Hohenester alias Claudia Lohmann als Hauptperson zu entdecken. Bilder: do (2)
Lokales
Speinshart
22.07.2015
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Speinshart feierte mit dem Gastspiel des Landestheaters Oberpfalz (LTO) eine glanzvolle Freilichtbühnen-Premiere. Albert Nickl und mit ihm 300 Besucher waren hin und weg. "Wer diese Atmosphäre und die Kulisse miterlebt hat, der kommt wieder", prophezeite der Gemeindechef.

Der große Zuspruch und die enthusiastischen Reaktionen, den die Volkskomödie "Die Kurpfuscherin" bei den Besuchern auslöste, bestätigt die Prognose des Bürgermeisters. Es war ein traumhafter Abend für das Theaterpublikum. Glühend rot die Dämmerung, ein weiß-blauer Abendhimmel, rauschendes Blätterwerk durch eine leichte Brise nach einem Gewitter irgendwo, die mächtigen Zwillingstürme der Abteikirche im Licht der Abendsonne und für viele fast unbemerkt das Abendkonzert der Elstern im Geäst der Obstbäume und knorrigen Buchen.

Das Volksstück selbst bewegt sich in einer Grauzone zwischen Dichtung und Wahrheit, deren Faszination zwischen charmanter Schlitzohrigkeit und betrügerischer Hochstapelei fesselte. Sei es, das die Wässerchen der "Kurpfuscherin" mehr Menschen gesund machen, als die Medizin "richtiger" Ärzte. Selbst eine ganze Hofgesellschaft sucht bei der temperamentvollen Hauptperson Genesung.

Reale Person

Das Erstaunliche: Amalie Hohenester hat es wirklich gegeben. Schon als Jugendliche kam sie immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt. Bekannt wurde sie als Wunderheilerin und sogenannte "Doktorbäuerin". Von 1863 bis 1878 betrieb sie das berühmte Heilbad Mariabrunn im Dachauer Land.

Der deutsche Bühnenautor und Regisseur Hans Fitz hat mit "Die Kurpfuscherin" eine Volkskomödie verfasst, die Marlene Wagner-Müller für das LTO inszeniert. Auch am Sonntagabend heilte Hohenester ihre "Patienten" mit Kräutern, Tees und guten Ratschlägen. Ihre Erfolge rufen aber nicht nur Neider auf den Plan, sondern machen auch die Behörden misstrauisch. Sie vermuten hinter dem wundersamen Wirken raffinierte Betrügereien.

Auch das Speinsharter Publikum wird nach zahlreichen Aufführungen in Leuchtenberg damit konfrontiert, dass sich zum Schluss des fulminanten Schabernacks die Beweislage der Behörden auf dünnem Eis bewegt. Nur der Tod eines "Patienten" erschüttert die wunderliche Begabung der Hohenester.

Die vergeblichen Anstrengungen des königlichen Behördenapparates führen zu schwarzhumorigen Behauptungen. Das beginnt mit kernigen Sätzen gegen die Welt der Mediziner "Rechnungen schreiben können's alle döi Doktoren" oder "Viele hom as Examen und san trotzdem as ganze Leben lang prunzdumm" und endet mit Beamtenschelte: "Diese Madame Hohenester ist schlauer als alle Behörden zusammen. Des is aber koa bsonders Wunda". Zum Volksstück gesellte sich altes Liedgut aus den vergangenen Jahrhunderten, gesucht, gefunden und für das Stück sinnlich aufbereitet.

Der begeisterte Schlussbeifall für die Laienschauspielerinnen- und Schauspieler, für das Musikquartett, für die vielen Helfer im Hintergrund und für die Inszenierung insgesamt ließ den Bürgermeister hoffnungsfroh in die Zukunft blicken: "Nach Leuchtenberg und Vohenstrauß soll Speinshart ein fester LTO-Standort werden". So der Wunsch an Geschäftsführer Franz Kasch.
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