Pralles Lebensgefühl der Oberpfalz

Einführende Worte sprachen Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl (Zweiter von links) und Dr. Manuel Trummer (Bildmitte). Zu den Gästen zählten Bezirksrat Toni Dutz (Zweiter von rechts) und stellvertretender Landrat Bürgermeister Albert Nickl (rechts). Hans Wax (links) bezauberte mit Oberpfälzer Dudelsack-Musi. Bilder: do (2)
Lokales
Speinshart
12.10.2015
8
0

In Istanbul ruft der Muezzin die Gläubigen zum Gebet, den Londonern schlägt der Big Ben die Stunde und in der Oberpfalz? Können die Nordoberpfälzer ihre Heimatregion anhand bestimmter Klänge erkennen? Mit dieser Frage beschäftigten sich Studenten der Universität Regensburg. Das Ergebnis: Es gibt eine Klanglandschaft Oberpfalz.

Seit Mittwochabend sind die Geräusche, Gespräche und Töne der Heimat in der Internationalen Begegnungsstätte Kloster Speinshart im Rahmen einer Wanderausstellung des Bezirks Oberpfalz hörbar. Das Wichtigste: "Kopf in die Box stecken und genießen"! Zehn Klangboxen, jede über zwei Meter hoch, damit sich ja jedermann in das Kabinett'l hineinbeugen kann, führen visuell und akustisch in vergangene und gegenwärtige Zeitepochen.

Kulturgeschichte auf eine andere Art, um den eigenen Wurzeln nachzugehen, urteilte Thomas Englberger, Referent der Speinsharter Bildungsstätte, im Rahmen der Ausstellungseröffnung. Bei der Einführung in die Geheimnisse des Gemeinschaftsprojekts von Universität Regensburg und zweier Einrichtungen des Bezirks, nämlich der Bezirksheimatpflege und der Fachakademie für Raum- und Objektdesign in Cham zählten Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl, Dr. Manuel Trummer vom Lehrstuhl Kulturwissenschaft der Universität Regensburg, Bezirksrat Toni Dutz und stellvertretender Landrat Bürgermeister Albert Nickl zu den Gästen.

Studenten der Universität und der Fachakademie in Cham schufen eine Ausstellung, die die charakteristischen Geräusche und Klänge in der Oberpfalz und von Oberpfälzern wiedergibt. Die Ergebnisse unter dem Titel "Wie klingt die Oberpfalz" sind Klangstationen, die zum Lauschen und Schmunzeln einladen. Einzigartig ist der Weg zu den Oberpfälzern und zu ihren Alltagsgeschichten.

Dr. Manuel Trummer vereinigte mit den Studenten Geräusche der Kultur und des täglichen Lebens zu einer spannenden Wanderung durch die Geschichte der Region, urteilte der Bezirksheimatpfleger. Dr. Tobias Appl stellte mit Blick auf die Wanderausstellung einen Zusammenhang mit der ARD-Heimatwoche her. Das zentrale Anliegen des Senders "Stadt-Land-Klang" komme auch in der Ausstellung zum Tragen. Die Oberpfälzer waren allerdings schneller, bemerkte Appl im Oberpfälzer Dialekt: "Mir woarn scho dou". Selbstbewusst entnahm Bürgermeister Albert Nickl der Ausstellung auch Speinsharter Klänge. "Diese Oberpfälzer Werte klingen auch nach einem Stück Speinshart."

Was sind denn nun diese Charakteristika, wie klingen sie und wer sind sie? Sind es die Regensburger Domspatzen, ist es der Lärmpegel an der Autobahn, ist es der Oberpfälzer Zwiefache oder sind es die Klanglandschaften auf Festen, Kirwa-Tänzen oder großen Kultur-Ereignissen? Der dargebotene akustische Spiegel in den Ausstellungskästen ist jedenfalls überwältigend und individuell unterschiedlich. Die Studenten gingen für ihre Objektarbeit auf Reisen und fanden sich im prallen Lebensgefühl der Oberpfälzer wieder.

Die Stimmungen finden in den zehn Themenboxen ihren Widerhall. Es entstand der "Sound der Oberpfälzer". Toni Lauerer hilft humorvoll mit, die Sprache der Oberpfälzer zu erklären. In der Box "Glockenklang und Kirwagschroa" wird der Brauchtumswandel erläutert, dem Wandel in der Arbeitswelt widmet sich das Ausstellungsthema "Vom Hammerklang zum Pendlerlärm" und auch der Wandel im Freizeitverhalten der Oberpfälzer wird untersucht.

"Vor 100 Jahren schwitzten die Oberpfälzer bei harter Arbeit an Eisenhämmern und bei der Feldarbeit. Heute verausgaben sie sich bei Marathonläufen und anderen Sportveranstaltungen", heißt es beim "Eintauchen" in die Themenbox. Ergänzt werden die Themen- und Klangboxen von multimedialen Elementen wie Texttafeln, Fotografien und einem Film. Zusätzliche Hintergrundinformationen liefert ein Libretto, das als Leitfaden durch die Ausstellung führt.

Die Klangboxen mit den Bereichen Sprache und Dialekt, Bräuche, Arbeit, Freizeit, Wohnen und Familie, Musik, Natur, Essen und Trinken sind jeweils von einer Person nutzbar. Um Licht und Ton in der Box zu aktivieren, ist der Kopf durch die Einlassöffnung zu stecken. Ungestört von Nebengeräuschen kann dann der Präsentation gefolgt werden. Musikalisch umrahmt wurde die Eröffnung vom Regensburger Hans Wax mit einer Oberpfälzer Gitarren-Musik und böhmisch-Oberpfälzer Dudelsack-Klängen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2015 (8435)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.