Premek Hàjek und Anja Engelberg musizieren im voll besetzten Musiksaal im Kloster
Barockes zur Kaffee-Stunde

Als eingespieltes Duo erwiesen sich Anja Engelberg (Gambe) und Premek Hájek (Barocklaute und Barockgitarre) beim Kammerkonzert "Musik aus Deutschland und Böhmen". Bilder: do (2)
Lokales
Speinshart
27.01.2015
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Premek Hàjek und Anja Engelberg gehören zu den Talenten barocker Musik. Am Sonntagnachmittag warb der junge Tscheche vor Beginn des Kammerkonzerts im Musiksaal des Klosters um Verständnis für das ungewöhnlich lange Einstimmen von Laute, Gitarre und Viola da Gamba. "Es gehört zu den Ritualen, die Instrumente ein halbes Leben zu stimmen, um dann die zweite Lebenshälfte damit zu verbringen, die verstimmten Instrumente zu spielen." Doch diese Bescheidenheit war im barocken Konzertraum unangebracht. Zwei begeisterte Musiker entfachten mit bestens gestimmten Instrumenten überschäumende Musizierlust.

Schon bei der Begrüßung zeigte sich Gastgeber Thomas Englberger erfreut über das große Publikumsinteresse. Der Referent freute sich besonders über den deutsch-böhmischen Aspekt des Konzerts. Barockmusik aus Deutschland und Böhmen mit einem Hauch zärtlicher und verträumter Klänge aus der Zeit des französischen Sonnenkönigs: Das war zur besten "Café-Time" nach dem Geschmack des Publikums.

Von Anfang an schufen die Künstler besondere Konzertatmosphäre. Die beschaulichen Takte längst vergangener Zeiten erlebten die Zuhörer als äußert entspannend. Das deutsch-tschechische Duo zauberte den musikalischen Farbenreichtum des 17. Jahrhunderts in den Konzertsaal. Über ein harmonisches Gerüst entführten die Künstler das Publikum zunächst in die Welt von August Kühnel. Die Variationen über den Choral "Herr Jesu Christ, du höchstes Gut" in der Aria X. erforderten Feingefühl und perfekte Abstimmung von Kniegeige und Laute. Mit einem Solo aus der "Suite L'infidèle" von Silvius Leopold Weiss entführte Hájek die Besucher in die höfische Gesellschaft Dresdens. Aus der Anonymität holten die Musiker danach die "Kremsierer Gambensonate", vermutlich aus dem Gebiet von Olmütz stammend.

Weiter erfuhren die Zuhörer, dass der Komponist Marin Marais einer der größten Gambenvirtuosen im barocken Frankreich war. Der Satz "La Guitare" aus "Pièces de Viole" bot einen emotionalen Klangteppich. Ins rechte Licht konnte dabei die Hockenheimerin Anja Engelberg ihren Mitstreiter in Continuo rücken. Die vielen technischen Möglichkeiten der Gambe nutzte Anja Engelberg, um virtuos die "Vier Brünner Suiten" aus ihrer Anonymität zu locken. Tief tauchte das Duo in die Barockzeit Mährens ein. Mit der "Aria et variationes in D-Dur" breiteten sich die Klangvariationen Gottfried Fingers aus. Fabelhaft, wie sich in der Chaconne aus "Scherzi Musicali" des deutsch-holländischen Komponisten Johannes Schenck Gambe und Barocklaute temperamentvoll unterhielten.

Für das meisterliche barocke Zusammenspiel dankte das Publikum mit langanhaltendem Applaus. Nach einem "Café-Gedeck" von Marin Marais als Zugabe war es dann höchste Zeit, das duftende Gebräu zu genießen, das in der feinen Gesellschaft des 17. Jahrhunderts zu den erlesenen Spezialitäten gehörte.
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