Reger Andrang in luftiger Höhe

Hoch oben über dem Gewölbe der Klosterkirche pries Statiker Diplom-Ingenieur Anton Landgraf (links) vor dem staunenden Publikum die technisch ausgefeilte Dachkonstruktion des historischen Gebäudekomplexes als große Handwerkerleistung. Bild: do
Lokales
Speinshart
15.09.2015
1
0

Die positive Wahrnehmung der Denkmalpflege in der Öffentlichkeit ist beachtlich. Beim offiziellen Tag des offenen Denkmals überfluteten Hunderte von Interessierten auch die Klosteranlage der Speinsharter Prämonstratenser, um ungeahnte Einblicke in die Einzigartigkeit historischer Gebäude zu gewinnen.

In Speinshart führten Restauratoren und Experten des Staatlichen Hochbauamtes bis unter das Dach der Klosterkirche und zeigten den Besuchern die unbekannten, aber wichtigen "Bausteine" der denkmalgeschützten Bausubstanz. Der traditionelle Denkmaltag jeweils am zweiten Sonntag im September lockte wieder ein großes Publikum ins Klosterdorf. Zwei thematische Rundgänge, Einblicke in die Geschichte des Klosters und die Ausstellungen in der Wieskapelle organisierte die Prämonstratenser-Abtei, um den Besuchern die Einmaligkeit der Klosteranlage und des Klosterhofes näher zu bringen.

Riesiger Zuspruch

Besonders das Tagesmotto "Handwerk" verdeutlichte dessen ungebrochene Bedeutung für das Leben und die Kunstschätze. Nummerierte Platzkarten mussten ausgegeben werden, um den Aufstieg zum Dachstuhl der historischen Gebäude zu bewältigen. Nicht jeder konnte bei der ersten Klettertour mit dabei sein und auch die zweite Führung fand einen riesigen Zuspruch. Nach der Begrüßung durch Prior Pater Benedikt Schuster erläuterten zunächst Alfred Grasser und Lutz Bergmann vom Hochbauamt anhand eines Modells am Eingang zur Klosterkirche die Dachkonstruktion und informierten über die Innenrestaurierung und die Dachsanierung der Klosterkirche als Denkmal im staatlichen Eigentum. Danach hieß es kraxeln. Über gefühlte 200 Stufen ging es treppauf über das Gewölbe der Klosterkirche.

Nach kurzer Verschnaufpause war Statiker Anton Landgraf in seinem Element. Den Erläuterungen der Baugeschichte und der Ursachen und Wirkungen von früheren "Bausünden" durch Konstruktionsfehler und unsachgemäßen Eingriffen in die Bausubstanz folgten aufschlussreiche Hinweise zu den Sanierungsschritten des historischen Dachstuhls. Der Statiker sprach von einer Meisterleistung deutscher Handwerkskunst und schilderte Details der Zimmererarbeiten. "Zuvor mussten 42 Tonnen Schutt eimerweise zwischen Dachstuhl und Gewölbe entfernt werden", erläuterte Landgraf die unerwarteten Hindernisse zu Beginn der Sanierungsarbeiten.

Weit unten in der Klosterkirche informierte derweil Frater Johannes die Besuchermassen über die kunsthistorische Bedeutung der Klosterkirche, die zu den bedeutendsten Barockkirchen im süddeutschen Raum zählt. Auch der Zweigverein Speinshart des Eschenbacher Heimatvereins brachte sich in den Denkmaltag ein. Angeboten und dankbar angenommen wurden Führungen von Barbara Müller und Birgit Mayer durch den historischen Klosterhof.

Kulinarischer Ausklang

Offen stand für jedermann auch die Wieskapelle. Dort informierte der Naturpark Nördlicher Oberpfälzer Wald über die Vorzüge der Region. Ebenfalls in der Wieskapelle konnten Kunstinteressierte die Fragmente des Kapellenraumes mit barocker Ausmalung betrachten. Ein prächtiger Spätsommertag und die Speinsharter Kirchweih luden dazu ein, nach den spannenden Beobachtungen und Informationen noch zu einer gemütlichen Kaffeestunde im oder vor dem Klostergasthof zu entspannen.
Weitere Beiträge zu den Themen: September 2015 (7742)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.